Nachtlokal-Gesetz auf dem Prüfstand

Experten fordern Reform und strengere Aufsicht

Nach dem tödlichen Brand im Rong Beer Na Ladprao wird in Thailand über strengere Sicherheitsvorschriften und eine Reform der Gesetze für Unterhaltungslokale diskutiert. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Nach dem tödlichen Brand im Rong Beer Na Ladprao wird in Thailand über strengere Sicherheitsvorschriften und eine Reform der Gesetze für Unterhaltungslokale diskutiert. Foto: epa/Rungroj Yongrit

BANGKOK: Der verheerende Brand im Musikrestaurant Rong Beer Na Ladprao mit inzwischen 34 Todesopfern hat in Thailand eine neue Debatte über das seit Jahrzehnten geltende Gesetz für Unterhaltungslokale ausgelöst. Ingenieure, Wissenschaftler und Vertreter der Branche kritisieren, dass veraltete gesetzliche Regelungen zahlreiche Bars und Pubs dazu zwingen, unter Restaurantlizenzen zu arbeiten. Dadurch entstünden rechtliche Grauzonen, in denen die Sicherheitskontrollen häufig unzureichend seien.

Bei dem Feuer kurz vor Mitternacht am 12. Juli 2026 wurden nach den bisherigen Ermittlungen zahlreiche Sicherheitsmängel festgestellt. Dazu gehörten blockierte Notausgänge sowie der Einsatz nicht feuerbeständiger Baumaterialien. Die Ermittlungen lenkten zugleich den Blick auf ein grundlegendes Problem: Viele Nachtlokale können aufgrund der geltenden Zonenvorschriften keine Lizenz als Unterhaltungslokal erhalten und betreiben ihr Geschäft deshalb offiziell als Restaurant.

Reform des Nachtlokalgesetzes gefordert

Nach Auffassung von Experten liegt die Lösung nicht allein in strengeren Kontrollen, sondern vor allem in einer Reform des Entertainment Places Act von 1966 sowie der dazugehörigen Verordnung des Innenministeriums aus dem Jahr 2002. Diese erlaubt lizenzierte Unterhaltungslokale in Bangkok derzeit nur in den ausgewiesenen Gebieten Silom, New Phetchaburi Road und Ratchadaphisek. Kritiker halten diese Regelung für nicht mehr zeitgemäß und verweisen auf die veränderte Stadtentwicklung sowie die Ausweitung des Nachtlebens in andere Stadtteile.

Der Präsident der Structural Engineers Association of Thailand, Assoc Prof Amorn Pimanmas, sprach sich dafür aus, Betreibern den legalen Betrieb zu ermöglichen, sofern sie sämtliche modernen Sicherheitsstandards erfüllen. Wer die Anforderungen nicht erfülle, dürfe keine Betriebserlaubnis erhalten. Dies müsse gleichermaßen für Neubauten wie für umgebaute Bestandsgebäude gelten. Zudem sollten Unterhaltungslokale weiterhin nicht in der Nähe von Tempeln, Krankenhäusern oder Bildungseinrichtungen zugelassen werden.

Konsequente Kontrollen gefordert

Amorn forderte außerdem verbindliche Besucherobergrenzen entsprechend der Größe eines Betriebs sowie unangekündigte Kontrollen während der tatsächlichen Öffnungszeiten in den Abend- und Nachtstunden. Nach seiner Einschätzung verfüge Thailand bereits über ausreichende technische Vorschriften und gesetzliche Grundlagen zum Brandschutz. Das eigentliche Problem sei deren konsequente Durchsetzung, insbesondere bei Betrieben, die offiziell als Restaurants registriert seien, tatsächlich aber wie Nachtlokale betrieben würden.

Auch Vertreter der Wirtschaft plädieren für eine Reform. Der Präsident der Khao San Road Business Association, Sa-nga Ruangwattanakul, erklärte, dass eine Ausweitung der legalen Unterhaltungszonen Betreiber dazu bewegen würde, in geeignete und sichere Gebäude zu investieren, anstatt unter ungeeigneten Lizenzen zu arbeiten. Die bestehenden Zonen stammten aus einer Zeit, in der Bangkoks Nachtleben deutlich anders strukturiert gewesen sei. Strenge Beschränkungen hätten die Zahl der Lokale nicht reduziert, sondern vielmehr dazu geführt, dass zahlreiche Betriebe außerhalb des gesetzlichen Rahmens arbeiteten.

Legalisierung mit strengen Auflagen

Nach Ansicht Ruangwattanakuls sollten etablierte Ausgehviertel wie die Khao San Road, Thong Lor und Ekkamai offiziell als Unterhaltungszonen anerkannt werden. Voraussetzung müsse jedoch die vollständige Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben sein. Eine Legalisierung würde die staatliche Kontrolle verbessern, die Sicherheit der Besucher erhöhen, zusätzliche Steuereinnahmen schaffen und zugleich Möglichkeiten für Korruption verringern. Betreiber, die gegen die Vorschriften verstießen, dürften keine Betriebserlaubnis behalten.

Die Diskussion wird durch die bisherigen Erkenntnisse der Ermittler zusätzlich angeheizt. So war einer der hinteren Fluchtwege durch einen Süßwarenstand versperrt. Ein weiterer Notausgang war mit dem Hinweis „Do Not Open (Staff Only)“ gekennzeichnet, was bei der Evakuierung für Verwirrung sorgte. Zudem kamen im Gebäude und bei der Inneneinrichtung keine feuerbeständigen Materialien zum Einsatz. Das Rong Beer Na Ladprao verfügte lediglich über eine Restaurantlizenz sowie eine Genehmigung für Live-Musik, lag jedoch außerhalb einer offiziell ausgewiesenen Unterhaltungszone.

Ermittlungen dauern weiter an

Die Polizei untersucht weiterhin die Brandursache, bauliche Veränderungen am Gebäude sowie die Frage, ob Fahrlässigkeit zum Tod der 34 Menschen beigetragen hat. Gleichzeitig mehren sich die Forderungen nach einer umfassenden Reform der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die sowohl den heutigen Gegebenheiten des Bangkoker Nachtlebens Rechnung trägt als auch höchste Sicherheitsstandards für alle legal betriebenen Unterhaltungslokale gewährleistet.

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Ingo Kerp 20.07.26 12:50
Eine Bar ist eine Bar und ein Restaurant ist ein Restaurant. Das ist auch für einen Laien auf den ersten Blick zu erkennbar. Warum werden dann Restaurantlizenzen vergeben, wenn es kein Restaurant ist. Ist oder war
Betriebe außerhalb des gesetzlichen Rahmens arbeiteten. Wenn die strengen Beschränkungen dazu führten, das etliche Betriebe außerhalb des gesetzl. Rahmens arbeiteten, dann bedeutet das, das der Gesetzgeber seine Aufsicht- und Kontroll-Pflicht vernachlässigt hat.
Dirk 20.07.26 10:00
Das Gesetz ist schuld? Seltsame Sichtweise finde ich....

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