Erste Operation des Grauen Stars geglückt

Kräftige Farben sind zu sehen, wo vorher nur ein diffuser Brei vorherrschte

Die Augenklappe verblieb nur eine Nacht, dann war die Sicht bereits besser. Fotos: hf
Die Augenklappe verblieb nur eine Nacht, dann war die Sicht bereits besser. Fotos: hf

Ich bin mitunter grauenhaft naiv: Bevor mir die Augenärztin in der Schweiz eine doppelseitige Linsentrübung (Grauer Star) diagnostiziert hat, war ich felsenfest davon überzeugt, eigentlich recht gut zu sehen. Hatte ich doch vor etwa zwanzig Jahren das rechte Auge lasern lassen und konnte danach auf eine Brille verzichten – sowohl beim Lesen als auch beim Fernblick. Und auch bei der letzten Kontrolle vor fünf Jahren sah ich fast noch so gut wie ein Adler oder mindestens wie ein Sperber.

Erst nach der neuen Diagnose fiel es mir wie Schuppen von den Augen, ich sehe mies. Vorher dachte ich auf dem endlosen Laufband am Suvarna­bhumi-Domestik-Flughafen, wo meine Sicht schonlänger breiartig war: Was haben die hier bloß für schlechtes Licht! Dieselbe Erklärung gab ich mir noch unlängst am Bahnhof Stadelhofen, wo ich die Anzeigetafel kaum mehr entziffern konnte. Auch da wollte ich noch nicht einsehen, dass das Problem in meinen schönen braunen Augen begründet liegt und nicht im schlechten Licht am Stadelhofen.

Die Operation geht höchstens ins Auge

Nun ist die Vorstellung von einer solchen Operation nicht gerade ein Augenschmaus, wenn das leicht schiefe Bild erlaubt ist. Da wird nämlich am lebenden Probanden, der nur lokal betäubt ist, ein kleines Loch in die Hornhaut geschnitten, dann die Linse zertrümmert, die Trümmer werden durch ebendieses Loch entfernt. Dann wird eine neue Linse eingeführt, danach das Loch „gestopft“. Damit ist die Bildsequenz nach nur 15 Minuten bereits erledigt, der Patient sitzt da mit Augenklappe und bekommt einen Kaffee und – man befindet sich in der Schweiz – Schokolädli ohne Ende.

Vor dem Eingriff habe ich gescherzt, dass die Operation höchstens ins Auge gehen könne… aber etwas mulmig war mir schon, und trotz aller Berichte von Zeitgenossen, die unisono sagten, das Ganze sei keine große Sache gewesen. Doch im Nachhinein bemerke ich auch, dass ich die Übung jederzeit wiederholen würde.​

Am nächsten Mittwoch ist es übrigens so weit, dann folgt das wichtigere rechte Auge, das in meinem Fall das „Leit-Auge“ ist. Der Terminus „Leit-Auge“ ist mir übrigens neu, bislang kannte ich nur die „Leit-Kuh“.

Schon eine starke Verbesserung da

Binnen weniger Tage konnte ich übrigens – obwohl erst ein Auge repariert wurde – eine starke Verbesserung meiner Sehkraft wahrnehmen oder eben SEHEN. Vor allem die Farben sind wieder knallig, intensiv. Fast ist es – die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht vage – wie bei der Einführung des Farbfernsehens. Ich kann diese Operation nur wärmstens empfehlen und merke erst jetzt langsam, wieviel einem entgeht, wenn man nicht gut sieht, und wie stark das zu Unsicherheiten im Alltag führt.

So richtig testen konnte ich meine neue Sehkraft auf einem Ausflug mit dem zweijährigen Großneffen und Familie in den fantastischen Tierpark Goldau. Dieser tolle Park befindet sich auf dem Schuttkegel des Bergsturzes zu Goldau im Jahr 1806. Damals sausten 40 Millionen Kubikmeter Nagelfluh vom Rossberg 1.000 Meter in die Tiefe. Von den 700 Einwohnern überlebten gerade einmal 200.

Im Tier Park Goldau können die Tiere gefüttert werden, das macht viel Spaß.
Im Tier Park Goldau können die Tiere gefüttert werden, das macht viel Spaß.

Da hat es heute zahllose Rehe und Geißlein, die von den Kindern auch gefüttert werden dürfen, eine Art Streichelzoo. Man sieht Bären, Wisente und Wildschweine, ganz anders als im Langenberg, wo ich außer einer einzigen, lausigen Maus praktisch keine Tiere gesehen habe.

Zugegeben, das war vor der Augenoperation, aber die hätte nichts daran geändert, weil das Konzept im Langenberg auf einem Förster-Furz beruht: Tiere auf keinen Fall vermenschlichen, ausstellen, Füttern strengstens verboten!

Der Besucher sieht sie so aber einfach nicht, und nicht nur die Kinder sind enttäuscht.


Hans Fritschi, Jahrgang 1957, ist ehemaliger Journalist und Buchautor, er lebt seit 1991 in Thailand. Mehrere Monate des Jahres reist er in der Welt herum, den Rest verbringt der Hobbygärtner in Pattaya und Nong Khai. Falls Sie Fragen und Anregungen an unseren Gartenkolumnisten haben, oder seinen Garten mal anschauen möchten, schicken Sie ihm eine E-Mail an oder besuchen Sie die Dicovery Garden Webseite oder Facebook. Für unterhaltsame und interessante Gartengeschichten in Bild und Ton besuchen Sie Hans Fritschis YouTube-Kanal – Teilen, Liken & Abonnieren erwünscht!

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