Der Sittenstrolch

​Callolo und seine Herzallerliebste - Eine humorvolle Geschichte 

Der Sittenstrolch

Callolo, ich bin auf der Polizei-Hauptwache. Kommst du bitte ganz schnell!"

"Was ist los, mein Schatz?"

Bitte, Callolo, komm ganz schnell."

Ich stieg ins Auto und fuhr zum Polizei-Hauptrevier an der Soi 9.

Ich war aufgeregt und sorgenvoll. Was war passiert?

Meine Herzallerliebste saß in einem kleinen Büro. Sie war völlig aufgelöst und fiel mir schluchzend in die Arme.

"Was ist passiert, Schatz?"

"Dieser… dieser Mistbock." Sie zeigte auf einen Farang, der in der Ecke saß, Handschellen trug und an seinen Stuhl gefesselt war. "Er hat mich beleidigt, er hat mich angetatscht, er ist ein Dreckskerl."

Der so Angesprochene sah zu Boden, verstand wohl auch nichts, war sich aber durchaus bewusst, dass er sich strafbar gemacht hatte.

"Es war im Food-Market, Callolo. Ich stand an der Kasse, als er fragte, ob ich mit ihm gehen wollte. Dann fasste er mir mit einer Hand an die Brust und mit der anderen unter den Rock."

"Und dann?"

"Ich habe um Hilfe gerufen. Die Security-Leute sind gekommen und haben ihn festgehalten, bis die Polizei kam."

"Und was machen wir jetzt?"

"Ich will, dass dieser Typ bestraft wird. Wir Frauen in Thailand sind für diese geilen Böcke doch kein Freiwild."

"Da hast du völlig recht", beruhigte ich sie, "er wird seine Strafe bekommen."

Der junge Polizist war offensichtlich noch nicht allzu lange in dieser Position und schien deutlich überfordert.

"Was wollen Sie denn jetzt von diesem Farang?" fragte er meine Herzallerliebste.

Ich antwortete für sie: "Wir wollen, dass er für sein Vergehen bestraft wird, so wie es das thailändische Strafgesetz vorsieht."

Der junge Polizist, dessen englische Sprachkenntnisse deutliche Lücken aufwiesen, fragte Nai, ob sie gegen ein Bußgeld ihre Anzeige zurückziehen würde.

"Soll ich, Callolo?"

"Klar, was bringt es denn sonst."

"Okay", sagte meine tapfere Nai, "gegen ein Bußgeld von 50.000 Baht ziehe ich meine Anzeige zurück."

Der Farang, er war knapp fünfzig Jahre alt und stammte aus England, war mit diesem Vergleich sofort einverstanden.

Der junge Polizist ging mit ihm an einen Geldautomat, während wir im Büro warteten. Nach fünf Minuten waren die beiden wieder da. Es gab eine Unterschrift hier und eine Unterschrift da, und dann zählte der Polizist meiner Herzallerliebsten die Scheine vor: "Eins, zwei, drei" Bei fünfundzwanzig stoppte er.

"Was ist?" fragte Nai.

"Der Rest ist für den Staat", antwortete der offensichtlich doch ganz geschäftstüchtige Polizist, "schließlich haben wir die Arbeit gehabt."

Der Farang verschwand.

Ich ergriff meine Nai, und wir machten uns ebenfalls davon.

Vor der Tür griff ich ihr aus Spaß an die Brust und fragte: "Was kostet das, Schatz?"

Sie antwortete: "Callolo, ich liebe deine dummen Scherze überhaupt nicht. Aber ausnahmsweise darfst du mich heute Abend ins ‚Paradise’ einladen, wobei der englische Sittenstrolch unser Zahlmeister sein wird."

Dabei zeigte sie mir das Geldbündel. "Er hat ein Deposit hinterlassen, mit dem wir eine ganze Woche prassen könnten."

"Toll", antwortete ich, "wollen wir diese Art der Geldeinnahme nicht zur Dauereinrichtung machen?"

Damit kam ich bei ihr aber gar nicht gut an. "Bist du etwa auch so ein mieser Macho?"

Und ehe ich mich versah, landete ihr Knie zwischen meinen Lenden, so dass mir einen Augenblick der Atem wegblieb.

"Entschuldige, Callolo." Jetzt tat es ihr leid.

"Das hättest du mal tun sollen, als der blöde Farang dich angemacht hat", sagte ich.

"Stimmt", antwortete meine Herzallerliebste, "heute Abend feiern wir, und das Dessert gibt es dann später zu Hause."

Um es kurz zu machen: Das Dessert war superb.

Callolo und seine Herzallerliebste und Angekommen in der Wirklichkeit

Callolo und seine Herzallerliebste

In 130 heiteren Kurzgeschichten hat Autor Carolus in zwei Büchern sich mit unterschiedlichen Erfahrungen, die sich aus dem Zusammenleben zwischen Thais und Farangs ergeben, verfasst. Die humorvollen Geschichten behandeln das Eheleben zwischen Nai und Callolo. Im Leben der beiden wird viel Toleranz abverlangt. Dass es trotzdem immer wieder ein Happy End geben kann, beweist der Autor, im ersten Buch, in vielen unerwarteten Entwicklungen. Im zweiten Werk hat der Autor seine „rosarote Brille“ abgenommen und erzählt auf ehrliche und gewohnt charmante Weise über Probleme und Schwierigkeiten, die in seiner nicht mehr ganz taufrischen Beziehung zu Nai entstehen.

Die beiden Taschenbücher können Sie im FARANG-Onlineshop bestellen.

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Mike Dingo 03.06.21 12:40
Humorvoll ? Wer da lacht, muß schon ein Volltrottel sein. Wo ist der Witz ?
Hans Peter Schärer 03.06.21 10:50
Engländer
Die Engländer sind so, die fassen jeder Frau im Supermarkt unter den Rock.
Echt nicht zu glauben das so etwas in der Zeitung kommt.
Herr Harmes hoffentlich fällt Ihnen der Kopf nicht ab beim Schütteln.
Hans-Gerd Englich 30.05.21 15:30
Der Sittenstrolch
Das man so etwas ueberhaupt weitergibt ist irgendwie so bilig wie die ach so originelle "Geschichte" Es sind halt die Vorurteile welche manches Leben begleiten.
Seppe Toneli 30.05.21 14:40
Und übrigens …
… ist auch das Klischee vom unfähigen, dafür aber korrupten Polizisten auch nicht besonders originell …
Seppe Toneli 30.05.21 12:27
Grossartig …
… wie hier wieder einmal das Klischee vom bösen bösen Farang strapaziert wird. Ein Schuss ins eigene Knie?