Callolo - Vitamin B

Callolo und seine Herzallerliebste (Teil 3)

Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E
Diese eindrucksvolle Szene zeigt Callolo und seine Herzallerliebste Nai in einem freudigen und herzlichen Moment ihres gemeinsamen Lebens, inspiriert von Ce-eff Krügers Erzählungen. Illustration: Generiert von OpenAI's DALL·E

Vitamine sind lebenswichtig. Das weiß auch meine Herzallerliebste. Sie mag noch so oft versichern, dass sie die allgegenwärtige Korruption in Thailand verabscheut, im Zweifelsfall ist sie sogar ein Teil dieses Systems oder sie nimmt es hin, wenn es zu ihrem Vorteil ist.

So wie gestern. Wir fuhren auf zwei getrennten Motorradtaxen zum Festival-Center und wurden von zwei Polizisten empfangen, da wir beide keinen Helm trugen. Der Grund: Die Taxifahrer hatten nur einen Helm für sich selbst.

Meine Herzallerliebste wurde freundlich begrüßt. Händeschütteln. Man kannte sich.

Ich wurde ermahnt und sollte 500 Baht zahlen.

Nai ging dazwischen: „Das ist Callolo, mein Mann.“

Die beiden Polizisten sahen mich freundlich lächelnd an und steckten den Block mit den Strafzetteln wieder weg:

„Okay, schönen Tag noch.“

Ist das Korruption? Zuhause diskutierten wir darüber:
„Callolo, das Leben ist ein Geben und ein Nehmen. Das macht alles einfacher. Du würdest deinem Freund doch auch gefällig sein oder?“

„Schatz, Gefälligkeit hin oder her, das ist leider die alltägliche Korruption, an die ihr euch hier gewöhnt habt.“

Meine Herzallerliebste zeigte weder Verständnis noch Einsehen für meine Argumente.

Nachmittags fuhren wir in die City-Hall und wurden an einen weit abseits gelegenen Parkplatz dirigiert. Meine Herzallerliebste schob das Fenster runter, rief ein paar Sätze, und schon wurde uns ein Parkplatz direkt vorm Eingang zugewiesen.

Gewiss, das sind Kleinigkeiten, aber die summieren sich: Heute ein kostenloses Dinner, morgen eine goldene Uhr und übermorgen ein Auto oder was das Herz sich sonst noch wünscht.

Es gibt Rechtsanwälte, die gegen ein entsprechendes Entgelt dafür sorgen, dass man vom Wehrdienst befreit wird. Es gibt Mönche, die für Geld unerfüllbare Versprechungen machen, und Lehrer, die für Dummköpfe gute Zeugnisse ausstellen, wenn sie geschmiert werden.

Für meine liebe Frau ist das alles normaler Alltag und hat mit Korruption nichts zu tun.

„Ja, dann sag mir doch mal, mein Schatz: Wo fängt Korruption für dich an?“

„Callolo, Korruption ist nur was für Millionäre. Die machen damit das große Geschäft. Wir kleinen Leute versuchen doch nur, uns das Leben etwas einfacher zu machen.“

Ich weiß es nicht.

Hat sie mit dieser Einstellung am Ende vielleicht sogar recht?

Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur

Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.

Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe

Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.

Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.

In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:

Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.

© DER FARANG. Alle Rechte vorbehalten

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Plante HDV 16.09.25 13:14
Th. Sylten 15.09.25 17:20
Genau so habe ich es gemeint. Aber das ist nicht nur inTh. schwer zu erwarten.
Konrad Benz 15.09.25 21:50
Es
Ist nicht im Geringsten zu entschuldigen wenn jemand übertrieben schnell fährt und das auch noch verharmlost. Total unverantwortlich!
Thomas Sylten 15.09.25 17:20
@Plante
Ich nehme ja an, das mit der mangelnden Gerechtigkeit war so gemeint, dass sich alle ans Gesetz zu halten haben, auch die "kleinen Leute" bei ihren täglichen Freundlichkeiten. Das sehe ich im Prinzip natürlich ebenso - betone aber, dass halt auch (und als beispielgebende Führungsschicht sogar ganz besonders) die Oberschicht sich ans Gesetz zu halten hat. Solange diese für sich ganz selbstverständlich Sonderregeln beansprucht, muss man sich nicht wundern wenn das abfärbt und das ganze Gefüge erodiert.
Pivat Märkl 15.09.25 16:48
@ Norbert: Moped- Taxi ?...
...bei dir als Kunde? Unvorstellbar.
Ein paar km in deinem (sicheren) Pickup reicht schon für einen Blutdruck von 190!
Wenn du EINE dt. Angewohnheit ablegen solltest, dann ist das deine allzu zügigen Fahrweise.
Gut, dass es in T so gut wie kein Radar gibt, ansonsten müsste einer unter uns längst um eine kleine Geldspende nachfragen. :-) -:) -:)
Norbert Schettler 15.09.25 14:20
Mal anders rum
Herr Plante. Wenn die gute Nai die Polizisten nicht gekannt hätte, beide hätten dann bezahlen müssen. Das wäre auch die Gleichheit vor dem Gesetz. In diesem Fall, der mir eh ein wenig seltsam vorkommt, sind dann beide gleich gut aus der Sache rausgekommen.
Früher bin ich in Bangkok öfter mal mit dem Moped Taxi gefahren und immer! hat mir der Fahrer einen Helm gegeben. Da hätte ich mit den Polizisten aber sicher eine Diskussion geführt, ich lauf ja nicht zu einem Moped Taxi und habe meinen eigenen Helm unter'm Arm. Die Jungs müssen heutzutage, glaube ich, immer zwei Helme mitführen. Und eins können Sie mir glauben, alle meine typisch Deutschen Ansichten habe ich auch nach knapp 30 Jahren nicht abgelegt, will ich auch gar nicht. Bin aber trotzdem ganz gut durchgekommen bis jetzt.
Plante HDV 15.09.25 12:18
N.Schettler 14.09.25 18:30
So wie Sie sagen, nichts gegeben, also keine Korruption. Für mich gibt es aber noch einen anderen Gesichtspunkt. Mangelnde Gerechtigkeit, nach dem Lehrsatz vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Ich bin mir aber auch bewußt, mit meiner wohl typisch deutschen Ansicht komme ich in Thailand nicht weit. Habe ich doch auch von einigen nicht unbedeutenden Personen Hilfe für den Fall eines Falles angeboten bekommen. (Aber nie ausgenutzt)
Norbert Schettler 14.09.25 18:30
Korruption? Nein
Sowohl für ohne Helm also auch mit dem Parkplatz ist ja "nichts gegeben worden", für mich nicht zu beanstanden. Anders sähe es aus, wenn die liebe Nai dem Polizisten oder dem Parkwächter was zugesteckt hätte. Man kann natürlich sowohl den als auch den anderen dann später mal zum Essen einladen und schon ist die Diskussion im Gange. Ich habe das früher auch immer gemacht, erst mal die Hälfte angeboten. Bevor ich den Führerschein abgeben musste, dann zu irgendeiner Polizeistation zum bezahlen fahren sollte und wieder zurück um die Quittung zu zeigen, habe ich den "einfacheren Weg" gewählt. Heute kaum noch möglich weil immer mehrere Ordnungshüter dabei sind.
Thomas Sylten 14.09.25 17:10
Also meiner Ansicht nach hat sie mit dieser Einstellung zumindest weitgehend recht: Der Fisch fängt vom Kopf her an zu stinken. Also solange die Oberen sich im Großen schmieren lassen, muss man den Kleinen keine Moralpredigten halten, sondern soll erstmal die Großen klar benennen - sonst ist das Gejammer wohlfeil, genauer: feige, weil man eben nur nach unten zu treten wagt.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.