Chrissi ist krank. Er klagt über starke Kopfschmerzen. Meine Herzallerliebste ist sofort mit einem Thermometer zur Stelle: 39 Grad Fieber.
„Callolo, bitte fahr mit ihm ins Hospital. Es könnte etwas Ernstes sein.“
„Schatz, du übertreibst. Steck den Kleinen ins Bett. Morgen ist er wieder fit.“
„Auf deine Verantwortung, Callolo,“ erwidert sie, setzt sich dann zu Chrissi ans Bett und kühlt seine Stirn mit feuchten Tüchern.
Aber das hilft nichts. Das Fieber steigt auf 40 Grad. Jetzt kommt noch Schüttelfrost hinzu.
„Callolo, entweder du fährst sofort mit Chrissi ins Hospital oder ich rufe den Notarztwagen herbei.“
Was bleibt mir übrig? Wir bitten das Kindermädchen, sich um die Haustiere zu kümmern, und fahren mit Chrissi und seinem Plüsch-Elefanten „Gandhi“ ins Bangkok-Pattaya-Hospital.
Das Personal ist äußerst freundlich und kompetent. Zuerst wird Chrissis Blutdruck gemessen. Dann wird ihm Blut abgenommen. Er lässt alles heldenhaft über sich ergehen, bis der Arzt uns mit betrübter Miene das Ergebnis des Bluttests mitteilt: Dengue-Fieber, eine von der Aedes-Mücke übertragene Tropenkrankheit.
Der Arzt schlägt vor, Chrissi für ein paar Tage stationär aufzunehmen, um den weiteren Verlauf der Erkrankung beobachten zu können.
Chrissi beginnt heftig zu weinen und klammert sich an meine Herzallerliebste: „Mama, ich will nicht hierbleiben, Mama, bitte.“
Sie drückt den Kleinen an sich: „Ich bleibe bei dir, mein Liebling,“ versichert sie ihm und schickt mich heim, um ein paar notwendige Utensilien zu holen.
Anderntags hat sein Zustand sich weiter verschlechtert: Kleine blassrote Flecken breiten sich über seinen Körper aus. Meine Herzallerliebste geht vom Schlimmsten aus und sieht mich vorwurfsvoll an.
„Das kommt davon, dass du nicht auf mich gehört hast, Callolo. Wenn es nach dir gegangen wäre, hätte der Kleine heute noch ohne ärztliche Aufsicht zuhause leiden müssen.“
Ich beiß mir auf die Lippen und halte meinen Mund. Sie hat ja recht, mit Dengue-Fieber ist nicht zu spaßen. Ich habe nachgelesen, dass Mücken zu den gefährlichsten Tieren der Welt zählen. Jährlich fallen ihnen weltweit 700.000 Menschen zum Opfer.
Jetzt sind bei Chrissi auch noch die Lymphknoten angeschwollen. Die Ärzte erwägen schon eine Verlegung auf die Intensivstation. Aber am 5. Tag tritt die Wende ein. Das Fieber geht zurück. Nach einer Woche sind Chrissi und seine Mama wieder zuhause.
Ich dachte, jetzt könnten wir wieder ganz normal weiterleben.
Aber ich hatte die Rechnung ohne meine Herzallerliebste gemacht. Sie schleppte taschenweise Mückensprays und Räucherkerzen an. Chrissi musste trotz der Hitze lange Hosen und langärmelige Hemden tragen und durfte wochenlang das Haus nicht verlassen. Alle Fenster blieben geschlossen. Meine Herzallerliebste erklärte Mücken mit sofortiger Wirkung zu Todfeinden.
Irgendwann wurde es für mich zu viel. Als Nai Nachbarn besuchte, setzte ich unseren Sohn hinten ins Auto, schnallte ihn an und fuhr mit ihm in die Stadt. In einem Eissalon ließ er sich einen Becher mit verschiedenen Sorten und Früchten schmecken. Es war eine Freude, ihm dabei zuzusehen, wie er den ersten Ausflug nach der langen Isolation genoss. Ich rief Nai an und reichte Chrissi mein Smartphone:
„Mama, nicht böse sein,“ krähte er ins Telefon, „jetzt gehe ich mit Papa ins Kino. Wir schauen uns ‚Alice im Wunderland‘ an.“ Dann beendete er das Gespräch. Wir waren ein Herz und eine Seele.
Als ich ihn abends ins Bett brachte, sagte er: „Papa, mit dir und Alice möchte ich jeden Tag im Wunderland leben.“
„Okay,“ erwiderte ich und gab ihm einen Gutenachtkuss, „aber die Mama nehmen wir mit.“
„Na klar, Papa,“ antwortete er altklug, „ohne die Mama läuft doch sowieso nichts.“
Sieh an! Unser kleines Schlitzohr hat schon mehr mitbekommen, als ich ahnte.
Zum Autor: Ein Leben für Kunst und Literatur
Carl-Friedrich Krüger, bekannt als Ce-eff, wurde in der norddeutschen Kleinstadt Bad Oldesloe geboren. Wegen besserer Bildungschancen zog er bereits in jungen Jahren nach Hamburg, wo er seine Ausbildung durch zahlreiche Jobs finanzierte. Nach seinem Ersatzdienst begann er zu schreiben: Gedichte, Satiren, Kurzgeschichten, Romane und Drehbücher. Das ZDF engagierte ihn als Redakteur, und er gründete das Kabarett „Die Poli(t)zisten“, aus dem das bundesweit bekannte Mainzer Forum-Theater UNTERHAUS hervorging. Dort leitete er viele Jahre Programme und trat mit eigenen Stücken auf. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz. Heute lebt er als freier Autor in Deutschland und Thailand und ist Kolumnist der deutschsprachigen Zeitschrift DER FARANG.
Callolo und Nai: Geschichten einer Farang-Thai-Liebe
Mit viel Humor und Charme beschreibt Ce-eff Krüger die Höhen und Tiefen des Zusammenlebens von Thais und Farangs. Im Fokus stehen Nai und Callolo, deren Eheleben von Toleranz und Herausforderungen geprägt ist – und dennoch immer wieder ein Happy End findet.
Im ersten Buch erzählt der Autor durch eine „rosarote Brille“ von liebevollen Momenten und überraschenden Entwicklungen. Das zweite Buch beleuchtet ehrlich und humorvoll die Schwierigkeiten in einer reiferen Beziehung. Der dritte Teil „Alte Liebe rostet nicht“, exklusiv im Newsportal DER FARANG, zeigt, wie ein unerwartetes Ereignis das Leben von Carolus und Nai verändert. Alle zwei Wochen erscheint dort eine neue Kurzgeschichte.
In Thailand verfügbare Taschenbücher von Ce-eff Krüger:
- Callolo und seine Herzallerliebste (Taschenbuch, Teil 1)
- Angekommen in der Wirklichkeit (Taschenbuch, Teil 2)
- Ein Leben für Kabarett und Kleinkunst (Autobiographie)
Die Taschenbücher sind im Büchershop erhältlich und werden in Thailand versendet.
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