BANGKOK: Thailand setzt auf modernste Mobilitätsdatenanalyse, um seiner angeschlagenen Tourismusbranche neuen Schwung zu verleihen. Mit dem Programm „Routes to Roots“, das am Mittwoch (23. Juli 2025) vom Ministerium für Hochschulbildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation gemeinsam mit True Corporation und akademischen Partnern vorgestellt wurde, sollen bislang wenig bekannte Reiseziele zu attraktiven Hotspots entwickelt werden.
Grundlage des Projekts sind mehr als 500 Millionen anonymisierte Mobilfunk-Bewegungsdaten, anhand derer 21 potenzialstarke Routen für Cluster-Tourismus identifiziert wurden, darunter Kombinationen wie Chiang Mai–Lampang–Lamphun oder Nakhon Pathom–Ratchaburi–Kanchanaburi.
Thailands Tourismus hinkt weiter hinterher
Die Initiative erfolgt vor dem Hintergrund einer schleppenden Erholung des Tourismussektors: Während Japan und Vietnam im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten Wachstumsraten von 112 bzw. 68 Prozent verzeichnen, liegt Thailand noch 12 Prozent unter den Zahlen von 2019. Der Anteil der Branche am Bruttoinlandsprodukt sank von 19 auf 14 Prozent. „Forschung und Innovation sind der Motor für die Entwicklung des Landes“, betonte Prof. Dr. Komgrit Leksakul vom National Higher Education Science Research and Innovation Policy Council. Die Analyse ermögliche neue Perspektiven für politische Entscheidungen.
Sechs neue Kultur-Routen im ersten Schritt
Das Konzept sieht vor, Tourismus-Cluster nach fünf Kriterien zu entwickeln: Identität der Region, Zielgruppen, Rollen der Städte, Auswirkungen auf die Branche sowie Übertragbarkeit auf andere Gebiete. In der ersten Phase starten sechs kuratierte Kultur-Routen. Dazu zählen eine Food Route durch Chanthaburi und Trat, die regionale Zutaten wie Kardamom oder Galgant präsentiert, sowie die Volcano Route, die die geologischen Besonderheiten und Khmer-Architektur in Buriram, Surin und Sisaket hervorhebt. Weitere Strecken sind die Lanna Culture Route in Nordthailand, eine Flavour Route mit kulinarischem Schwerpunkt in Zentralthailand, die Nature Route im Süden sowie die River Route entlang der Kulturstätten am Wasser.
Datenanalyse soll Besucherströme lenken
True-Manager Ekaraj Panjavinin erklärte, dass Mobilitätsdaten nicht nur die Reiseerfahrung verbessern, sondern auch Besucherströme steuern und die Sicherheit an touristischen Hotspots erhöhen können. Experten verwiesen auf internationale Vorbilder wie die japanischen Setouchi-Inseln, wo ähnliche Analysen verlassene Fischerdörfer in Kunstzentren verwandelten. Branchenvertreter fordern nun einen Strategiewechsel: Weg von reinem Marketing, hin zu einem ausgewogenen Ansatz aus Nachfrage und nachhaltiger Angebotsgestaltung.
Genomdaten als Schlüssel für Wellnessreisen
Neben kulturellem und naturbezogenem Tourismus setzt die Regierung auch auf Nischenmärkte wie Medizintourismus. Komgrit sprach sich für eine Plattform aus, die Genomdaten nutzt, um personalisierte Reise- und Wellnessangebote zu entwickeln. „Mit authentifizierten Daten können wir den Wert unserer Tourismusdienstleistungen erhöhen und internationale Standards setzen“, so Komgrit.
Weitere Informationen zu den geplanten Routen sowie zwei zusätzliche Strecken, die bald starten sollen, stellt das Projekt „The Cloud Journey: Routes to Roots“ auf seiner Online-Plattform bereit.