Ausstellung von Waffenscheinen gestoppt

Foto: epa/Narong Sangnak
Foto: epa/Narong Sangnak

BANGKOK: Premierminister Srettha Thavisin und Innenminister Anutin Charnvirakul haben eine gemeinsame Richtlinie erlassen, die die Ausstellung von Waffenscheinen in Thailand für ein Jahr aussetzt. Das Ziel dieser Maßnahme ist es, die steigenden Fälle von Schießereien und Amokläufen zu minimieren, die in den letzten Jahren im Land verzeichnet wurden.

Die stellvertretende Regierungssprecherin Traisulee Traisoranakul gab bekannt, dass die entsprechende Richtlinie am Dienstag (19. Dezember 2023) in der „Royal Gazette“ veröffentlicht wurde und mit sofortiger Wirkung am Mittwoch (20. Dezember 2023) in Kraft trat. Gemäß der neuen Regelung wird die Erteilung von Lizenzen für Schusswaffen bis zum 19. Dezember 2024 ausgesetzt.

Die Entscheidung basiert auf dem Gesetz über die Kontrolle von Schusswaffen von 1947. Traisulee fügte hinzu, dass das Innenministerium darüber hinaus an einem Gesetzesentwurf arbeite. Dieser soll es Besitzern von nicht lizenzierten Schusswaffen ermöglichen, diese zu registrieren oder sie straffrei den Behörden zu übergeben. Das Ziel ist, Verbrechen im Zusammenhang mit Schusswaffen weiter zu minimieren.

Die drastische Maßnahme kommt vor dem Hintergrund einer Reihe von tödlichen Schießereien in Thailand. Zuletzt verwandelte ein 14-Jähriger das weltbekannte Nobel-Einkaufszentrum Siam Paragon in Bangkok in ein Schlachtfeld und tötete mehrere Personen, und eine Lehrerin verlor ihr Leben durch eine verirrte Kugel bei Kämpfen zwischen rivalisierenden Studentengruppen. Die Regierung hofft, dass die vorübergehende Aussetzung der Waffenlizenzen dazu beiträgt, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten und die Zahl der Schießtraumata zu reduzieren.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder
Jörg LOHKAMP 22.12.23 19:40
@ Oliver Harms ...
wir haben uns ja - hier - schon mehr als einmal, über ihr - sagen wir einmal - besonderes Rechtsverständnis amüsieren dürfen, nur habe ich - wenn sie meinen vorherigen Kommentar RICHTIG verstanden haben, keinesfalls von " legalen Waffen verbieten " gesprochen, ich darf sie daher beruhigen. Auch bin ich - nicht - für die Gesetzgebung in Thailand verantwortlich, das schaffen die Thai´s noch ganz alleine, ob ihnen das gefällt oder auch nicht.

Auch wenn sie es - kaum glauben mögen - in Deutschland zu mindestens, ist es gesetzliche Vorschrift, das Waffen - in dafür geeigneten Waffenschränken - (auch dafür gibt es eine Norm) aufzubewahren sind + zwar abgeschlossen. Ihr Einwand - Waffen erst bei Gefahr herauszuholen = " wohl kaum ", wird = verständlicherweise - als abwegig vom GESETZGEBER - zurück gewiesen. Die Gefahr Opfer einer Schußverletzung oder Mordtat zu werden ist sicher - nicht - so hoch, wie von WAFFENLOBYISTEN + Befürwortern immer prognostiziert, als das sich der " normale + unbewaffnete Bürger " dem bedingungslos unterzuordnen hat. - Wenn sie Herr Harms, bei sich im Haus - eine Schußwaffe haben (ich frage nicht - ob legal oder illegal -) ich hoffe diese ist gegen unbefugte Benutzung gesichert, andernfalls könnte es ihnen passieren dass sie selber - von ihrer EIGENEN WAFFE - erschossen werden, dass alles weil sie es an EIGENSICHERUNG in der häuslichen Umgebung haben mangeln lassen, schon einmal daran gedacht ? Ein Glas zuviel Alcohol, ein Beziehungsstreit + " PENG ".

David Ender 22.12.23 09:40
@ Guenter Scharf ... D'accord ...
Sie beschreiben richtigerweise, dass es "nicht so einfach" ist, in den genannten Demokratien an scharfe Waffen zu kommen. Nachweis der Unbescholtenheit, Volljaehrigkeit, geistige Gesundheit - wird alles ueberprueft. Doch dann haben Buerger in den allermeisten Demokratien der Welt eben grundsaetzlich einen rechtlich verbrieften Anspruch darauf (unter bestimmten Auflagen), eine scharfe Waffe zu besitzen. ... Seit dem 20. Dezember 2023 haben die Buerger Thailands dieses Recht nun ueberhaupt nicht (!) mehr. Das bringt die Nation rechtspolitisch und somit kulturell meiner Ansicht nach wieder mal einen Schritt naeher Richtung Nordkorea, China, Vietnam oder Kuba. Der falsche Weg, wie ich als Demokrat meine. Doch wenns um Freiheit und Selbstbestimmung geht, dann gehen die Meinungen gerade im deutschen Kulturkreis ja traditionell weit auseinander. Die Demokratie haben eben "wir" ja wohl eher nicht erfunden - nicht die Magna Carta, nicht die Bill of Rights oder gar die Constitution. An meinem Stammtisch wimmelt es selbst heutzutage noch nur so von ueberzeugten Feinden des "Westens", von Fans allerlei Diktatoren und von Relativierern der Ideologien dogmatisch-totalitaerer versus liberal-pluralistischer Welten. Deswegen reagiere ich hier womoeglich hier zu allergisch in dieser Frage "grundsaetzliches Recht auf Waffe fuer unbescholtene Buerger"? Jedenfalls - ich moechte hier nicht in einem "Klein-China" leben, das war nicht der Deal als ich vor vielen Jahren hierher emigriert bin.
Oliver Harms 22.12.23 03:40
Die legalen Waffen verbieten?
Was für ein sinnfreien Aktionismus,da sämtliche Taten der letzten Jahre nicht durch
legale private Waffenbesitzer ausgeführt wurden welche die beiden Herren zu diesen Schritt veranlasste.
Entweder waren es Angehörige der bewaffneten staatlichen Organe oder Besitzer von illegalen Waffen.
Das ist genau so sinnig wie in Deutschland Waffenverbotszonen einzurichten,der normale Bürger braucht sie nicht und die Angehörigen der gemeinten Subkulturen interessieren sie nicht.
Meinen Sie etwa allen ernstes Herr Lohkamp das die Menschen welche sich mit der Waffe schützen wollen diese in reichen Ländern im Waffenschrank lagern und erst bei Gefahr aus dem Schrank holen?Wohl kaum!
Was die Schweiz angeht,so hat jeder Soldat sein Sturmgewehr im Haus was aber nichts mit Demokratie zu tun hat sondern mit schneller Kampfbereitschaft.
Rolf W. Schwake 21.12.23 20:40
Schußwaffen in Privatbesitz ...
... nahezu verbieten, ist so ähnlich wie einen potentiellen Straftaten aufzufordern, bei einer Regierungsstelle anzufragen, ob er eine Straftat begehen darf - denn kein Krimineller interessiert sich dafür, wenn er ein Raub- oder Tötungsdelikt begehen will. Man nimmt nur dem rechtschaffenden Bürger die Möglichkeit des Selbstschutzes. Vor gut 50 Jahren hing Vaters Flinte noch am Garderobehaken und seine Pistole lag im Schlafzimmerschrank. Trotzdem gab es damals keine "Amokläufe" oder ähnliche Straftaten. Hier ist ein bekannter Aussspruch angebracht: "Wo es Freiheit gibt, gibt es auch den Mißbrauch der Freiheit; nur wer die Freiheit abschafft, schafft auch den Mißbrauch der Freiheit ab".
Jörg LOHKAMP 21.12.23 19:00
Zu leichter Zugang - für " Jedermann / frau ...
so lange es nahezu - jedem Kleinkind - in Thailand möglich ist, aus dem Besitz eines WAFFENBESITZERS die - legal oder illegal - erworbene Waffe zu entwenden, oder auch 3-D Druck zur Waffenproduktion zu nutzen, bin ich selbstverständlich - FÜR den SCHUTZ und DIE SICHERHEIT - der Bevölkerung, nicht nur in Thailand.

Dazu gehört vor allem - die SICHERE AUFBEWAHRUNG - von SCHUSSWAFFEN + Munition - aller Art, in gesicherten Waffenschränken - am besten ALARMGESICHERT, so hört man auch wenn jemand UNBEFUGTER sich am Waffenschrank zu schaffen macht. Leider ist es ja so, in ärmeren Ländern - werden Waffen entweder unter der " heimischen Matratze, dem Bett -ODER- in einer altersschwachen Holztruhe " gelagert, vielfach OHNE Vorhängeschloss, für jermann / frau zugänglich. Was das mit SICHERHEIT gegen unbefugte Benutzung zu tun hat, konnte mir bisher niemand ausreichend erklären.

Vor diesem Hintergrund - ist es dringend erforderlich - die ungefähre Anzahl - der in privater Hand befindlichen Waffen einmal zu erfassen, damit man auch einmal einen - ungefähren - Bestand erfassen kann. Dass man bei der Gelegenheit auch - nicht registrierte Waffen einsammeln + vernichten (aus dem Verkehr ziehen) kann - ist doch legitim + zu begrüßen.

JEDE ILLEGALE Waffe die - NICHT IN HAND - POTENTIELLER WAFFEN-NARREN oder schlimmeres ist, erhöht die SICHERHEIT der Bevölkerung.

Durch Verkehrsunfälle - versterben jedes Jahr genug Personen in Thailand - da bedarf es NICHT noch ZUSÄTZLICHER Waffen.
Guenter Scharf 21.12.23 18:50
Waffenbesitzverbot = Entmündigung des "Pöbels"?
@David Ender, 21.12.23, 14:40: So einfach ist es auch nicht in den von Ihnen lobend erwähnten Ländern.
Es muss ja erst mal unterschieden werden zwischen dem Besitz von Waffen und deren (geladenem) Tragen in der Öffentlichkeit. In Deutschland dürfen z. B. Mitglieder von Schießvereinen Waffen tragen, müssen sie aber zuhause mit bestimmten Auflagen lagern und dürfen sie nur ungeladen zu den Schießständen mitnehmen. Da kann also i. d. R. nicht rumgeballert werden, wie es in Thailand passiert ist
Und wer gar keine Waffe besitzt, kann sie auch nicht mitnehmen und rumballern. An die Führer auf Lebenszeit" und "Staatsratsvorsitzenden" kommt eh niemand nahe genug ran.
Ingo Kerp 21.12.23 15:00
Wer eine Waffe haben moechte, sollte einen Grund angeben, der gesetzeskonform ist, um eine zu erwerben. Außer den behoerdlichen Diensten wie Polizei und Militär sollten deshalb Waffen, gegen Vorlag einer Eignung an Mitglieder eines Schießvereins, an Jäger oder lebensbedrohte Personen ausgegeben werden. Diese sollten eine Schulung haben über den Umgang und den Einsatz der Waffen. In DE gibt es dazu einen Schießleiterlehrgang, der zeigt und in dem man lernt, wie man mit einer Waffe umgehen darf und andere zum Schießen auf geschütztem Gelände anleiten darf, sofern dieser eine WBK hat..
David Ender 21.12.23 14:40
Sehr geehrter Herr Scharf ...
... in allen liberalen Demokratien gibt es mit wenigen Ausnahmen das grundsaetzliche Recht, als unbescholtener Buerger Feuerwaffen zu besitzen. In manchen Demokratien lockerer (Schweiz, Neuseeland, Australien, USA (meiste Bundesstaaten), Kanada, Skandinavien, Italien usw usw - und in manchen Demokratien eben restriktiver (etwa bedarfsabhaengiger wie in Deutschland). Und in ganz wenigen gar nicht (Japan). Dass in den allermeisten Diktaturen der Welt ein kategorisches Waffenverbot gilt ist Ihnen entgangen? Oder denken Sie, dass Sie sich in Nordkorea, Vietnam, Kuba oder China im Waffenladen eine Flinte kaufen koennen? Dass die Entwaffnung aller Untertanen eine Selbstverstaendlichkeit zur Entmuendigung des Poebels ist, wissen eigentlich nicht bloss die diversen "Fuehrer auf Lebzeit" und "Staatsratsvorsitzenden", oder? (ich orientiere mich bei Vorbildern fuer mein ethisches Grundgeruest eben traditionell lieber an den High Performen wie Schweiz, Norwegen, Schweden, Daenemark, Finnland, Kanada, Australien usw als bei den ewigen Verlierern des Zeitalters der Aufklaerung)
Guenter Scharf 21.12.23 13:40
Waffenbesitz = demokratisches Grundrecht???
@David Ender, 21.12.23, 12:00: ich bezweifele das der private Waffenbesitz zu den demokratischen Grundrechten gehört.
Mit dem Aussetzen der Ausstellung von Waffenscheinen ist Thailand nicht auf dem Weg zu einer asiatischen Diktatur.
David Ender 21.12.23 12:00
Illegale Waffen - und Polizisten als Taeter
Wieder so eine symbolische Masznahme auf Kosten rechtschaffender Buerger: Wer sich die schweren Straftaten mit Schusswaffen der letzten Jahre ansieht, findet viele Polizisten oder andere "Bad Eggs" aus dem Staatsdienst. An denen geht die Masznahme natuerlich vorbei. Und auch an den Besitzern der zahlreichen illegalen oder "scharf" gemachten Schusswaffen. Wieder geht Thailand einen Schritt weg von demokratischen Grundrechten, hin zur Praxis der zahlreichen asiatischen Diktaturen wo private Schusswaffen selbstverstaendlich verboten sind. Wird die Nation als "Little China", "Nordkorea des Laechelns" enden - oder doch noch ihren Weg zurueck in die liberale Welt finden? Zweifel sind angesagt.

Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.