Zunahme chronischer Krankheiten in Thailand

Krebs und Diabetes zählen zu den größten Risiken

Teilnehmer eines Fitnessprogramms absolvieren gemeinsame Bewegungsübungen in einer Sporthalle in Thailand. Mehr körperliche Aktivität gilt als wichtiger Ansatz zur Vorbeugung chronischer Krankheiten. Bild: Bangkok Metropolitan Administration (BMA)
Teilnehmer eines Fitnessprogramms absolvieren gemeinsame Bewegungsübungen in einer Sporthalle in Thailand. Mehr körperliche Aktivität gilt als wichtiger Ansatz zur Vorbeugung chronischer Krankheiten. Bild: Bangkok Metropolitan Administration (BMA)

BANGKOK: Thailand steht nach Einschätzung von Gesundheitsexperten vor einer zunehmenden Krise durch nichtübertragbare Krankheiten (Non-Communicable Diseases, NCDs). Nach aktuellen Angaben verursachen sie inzwischen rund 70 Prozent aller Todesfälle im Land und führen zu wirtschaftlichen Schäden in Höhe von etwa 1,6 Billionen Baht. Vor diesem Hintergrund wird verstärkt für das Konzept „aktiver Bürger“ und „aktiver Städte“ geworben.

Dies geht aus dem im März 2026 veröffentlichten „Report on the Health Status of Thai People, Health Service System and Health Workforce for National Strategy Development“ der National Health Foundation hervor, der mit Unterstützung des Health Systems Research Institute erstellt wurde. Dem Bericht zufolge befindet sich Thailand in einem deutlichen epidemiologischen Wandel. Während früher vor allem Infektionskrankheiten die häufigste Todesursache waren, dominieren heute chronische Erkrankungen und Unfallfolgen.

Chronische Leiden auf dem Vormarsch

Nach den aktuellen Daten sterben jährlich rund 420.000 Menschen an nichtübertragbaren Krankheiten. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen Schlaganfälle mit 349.126 registrierten Patienten im Jahr 2023, gefolgt von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Krebs gilt inzwischen als zweithäufigste Todesursache in Thailand. Experten rechnen angesichts veränderter Lebensgewohnheiten und der alternden Gesellschaft mit weiter steigenden Fallzahlen. Auch chronische Nierenerkrankungen belasten das Gesundheitssystem erheblich, insbesondere infolge schlecht behandelter Diabetes- und Bluthochdruckerkrankungen.

Der Bericht warnt zudem vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Die hohen Kosten entstehen unter anderem durch sinkende Arbeitsproduktivität, da viele Betroffene langfristig arbeitsunfähig werden oder pflegebedürftig sind. Gleichzeitig steigen die öffentlichen Gesundheitsausgaben. Thailand gilt seit 2024 offiziell als „alternde Gesellschaft“, da mehr als 20 Prozent der Bevölkerung älter als 60 Jahre sind. Zusätzlich geraten viele Familien unter finanziellen Druck, weil Angehörige ihre Erwerbstätigkeit einschränken oder aufgeben müssen, um ältere Pflegebedürftige zu betreuen.

Mehr Bewegung durch Stadtplanung

Kritisiert wird, dass die bisherige Gesundheitspolitik weiterhin stark auf Behandlung statt auf Prävention ausgerichtet sei. Dies stelle eine strukturelle Schwäche dar, die grundlegende Reformen erfordere.

Als möglicher Lösungsansatz wird das Modell der „aktiven Stadt“ genannt. Ziel ist es, Städte so zu gestalten, dass körperliche Aktivität und gesündere Lebensweisen gefördert werden. Dazu zählen unter anderem der Ausbau öffentlicher Grünflächen und Parks, sichere Verkehrs- und Fußgängersysteme sowie eine bessere Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs, um mehr Menschen zum Gehen oder Radfahren zu bewegen.

Mehr Grünflächen und Parks in Wohnnähe

Beispielhaft wird die „15-Minuten-Park“-Strategie in Bangkok genannt. Sie soll gewährleisten, dass Grünflächen innerhalb von 800 Metern beziehungsweise etwa 15 Gehminuten erreichbar sind. Zudem sollen sicherere Straßenkonzepte die hohe Zahl tödlicher Verkehrsunfälle reduzieren. Nach Angaben des Berichts wurden bereits mehr als 20 Modellprojekte für sogenannte „gesunde Räume“ in Städten wie Bangkok, Hat Yai, Chiang Mai und Chiang Rai umgesetzt.

Neben der Stadtentwicklung betonen die Autoren jedoch auch die Bedeutung „aktiver Bürger“. Gemeint sind Menschen, die ihre Gesundheit eigenverantwortlich fördern, über Gesundheitswissen verfügen und ihren Lebensstil entsprechend anpassen. Der Bericht verweist dabei auf eine anhaltende Lücke zwischen Wissen und tatsächlichem Verhalten. So würden viele Menschen trotz erhöhten Blutdrucks weiterhin stark salzhaltige Nahrung konsumieren und körperliche Aktivität vermeiden.

Gesundheitshelfer als wichtige Stütze

Eine wichtige Rolle sollen Dorfgesundheitshelfer übernehmen, die als Bindeglied zwischen Gesundheitsdiensten und Bevölkerung fungieren. Gleichzeitig wird mehr digitale Gesundheitskompetenz gefordert, insbesondere für ältere Menschen, damit diese moderne Angebote wie Telemedizin oder Gesundheits-Apps nutzen können.

Zur langfristigen Bewältigung der Krise empfehlen die Autoren mehrere strukturelle Reformen. Dazu gehören eine stärkere Ausrichtung auf wohnortnahe Primärversorgung, eine stärkere Dezentralisierung von Gesundheitsdiensten auf kommunaler Ebene sowie eine Anpassung der Ausbildung von Fachkräften an die Bedürfnisse der alternden Gesellschaft. Besonders bei Physiotherapeuten, Psychologen, geriatrischen Pflegekräften und Ergotherapeuten bestehe weiterhin ein deutlicher Mangel.

Neue Modelle für die Versorgung

Zudem wird der Ausbau neuer Versorgungsmodelle empfohlen. Genannt werden unter anderem Telemedizin, Medikamentenlieferungen nach Hause sowie häusliche Pflegeangebote für ältere Menschen, um Krankenhäuser zu entlasten und den Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern.

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Inge Haase 07.05.26 11:14
Zucker
wenn man z. B. durch einen Seveneleven geht, dann merkt man schnell, dass fast alles, was man essen und trinken kann, viel zu süss ist.
Hansruedi Bütler 07.05.26 11:14
... und alles fängt mit Rauch (Smog) an
und endet im Rauch (Kremation).
Die Regierenden sind mit Lippenbekenntnissen ja stetig bemüht, die schon längst bekannten Desaster mit möglichst wenig Aufwand, um (fast) nichts zu erreichen.
Roman Knöpfel 07.05.26 05:20
@ Chris
Ich schrieb im Isaan und nicht von ganz Thailand.
Roman Knöpfel 07.05.26 05:20
@ Chris
Ich schrieb im Isaan und nicht von ganz Thailand.
Chris Jomtien 06.05.26 20:30
@ Roman
Wie definieren Sie "früher"?
Ich wüsste nicht das Menschen in Thailand jemals unter Unterernährung leiden mussten. Zudem standen bis in die 1950er Jahre, dort wo jetzt Zuckerrohr- und Gummibaum- Monokulturen die Böden ausgelaugt haben, dichte Wälder voller essbaren Früchten.
Thailand war damals ein Paradies wo sich die Menschen überhaupt keine Sorgen um ihre Ernährung machen mussten. Daher auch die sorglose Mentalität der älteren Menschen
Roman Knöpfel 06.05.26 16:30
@ Josh
Der Zuckerkonsum ist traditionell hoch, vor allem im Isaan. Früher war Zucker ein kostengünstiger Energielieferant in Gegenden, wo die Bevölkerung eher unterernährt waren.
Josh 06.05.26 15:56
Zuckerkonsum
Ich muss sagen dass ich einigermaßen entsetzt bin wieviel Zucker heutzutage in der thailändischen Küche verwendet wird. Nahezu alles ist mir inzwischen zu süß und wenn es geht bestelle ich es ohne Zucker. Ich weiß gar nicht wann und vor allem warum das so ausgeartet ist. Auch sowieso schon nicht besonders gesunde Lebensmittel wie Pizza oder Pommes werden gerne nochmal mit ein oder zwei bappsüßen Soßen zugekleistert, schlimm
Heinz Dick 06.05.26 14:10
@Sandro Rudin
Genau das gleiche ist mir auch durch den Kopf. Da heisst es in der Wetter APP, man solle, dank der schlechten Luft, die Zeit im Freien einschränken und sich nicht körperlich anstrengen und dann dieser Bericht.
Sandro Rudin 06.05.26 12:10
Schön und gut
Aber vielleicht sollte man auch Umweltschutz-Themen eine gewisse Bedeutung einräumen? Denn wenn die "aktiven Bürger" dann die "gesunden Räume" in den "aktiven Städten" nutzen, wäre es vermutlich hilfreich, wenn die Luftverschmutzung nicht 20x über dem Grenzwert liegt.

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