KHON KAEN: Viele Reisbauern im Nordosten kämpfen mit hohen Kosten. Ein neues Kreditprogramm soll die Zinslast senken. Der Staat übernimmt einen Teil der Gebühren. Kleinbetriebe erhalten so mehr Luft für Betriebsmittel.
Die Maßnahme trägt den Namen „Zinsen halbe-halbe“. Landwirte können über die Bank für Landwirtschaft und landwirtschaftliche Genossenschaften (BAAC) zinsvergünstigte Darlehen aufnehmen. Ziel ist es, trotz höherer Kosten für Dünger, Saatgut und Energie die Produktion aufrechtzuerhalten. Von dem Programm sollen vor allem Reisbauern profitieren.
Im Rahmen der Initiative stellt der Staat ein Kreditvolumen von insgesamt 30 Milliarden Baht bereit. Die Regierung übernimmt 3 Prozentpunkte der jährlichen Zinsen, während die Landwirte den verbleibenden Anteil selbst tragen. Bei einem regulären Zinssatz von 6 Prozent der BAAC halbiert sich damit die Zinslast für teilnehmende Bauern.
Die maximale Kreditsumme pro Person liegt bei 100.000 Baht. Das Geld ist zweckgebunden und soll ausschließlich für Betriebsmittel wie Dünger, Saatgut, Pflanzenschutz und andere Produktionskosten verwendet werden. So will die Regierung sicherstellen, dass die Mittel direkt in die landwirtschaftliche Produktion fließen und nicht für Konsumausgaben genutzt werden.
Kredite mit klaren Auflagen
Der Zugang zu den vergünstigten Geldern ist an Bedingungen geknüpft. Landwirte müssen an Schulungen der BAAC oder des Landwirtschaftsministeriums teilnehmen. Dort werden moderne Anbaumethoden vermittelt, etwa präzise Düngung auf Grundlage von Bodenanalysen oder effizienter Einsatz von Wasser und Betriebsmitteln.
Ziel der Behörden ist es, finanzielle Unterstützung mit Weiterbildung zu verbinden. Die Produktivität der Höfe soll steigen, während gleichzeitig Kosten und Umweltbelastungen sinken. Teilnahmebescheinigungen der Schulungen dienen als Voraussetzung, um in den vollen Genuss der Zinsförderung zu kommen.
Entlastung für den Nordosten
Besonders im Isaan, der als Reiskammer des Landes gilt, erwartet die Regierung spürbare Entlastungen für viele Familienbetriebe. Ein großer Teil der Bevölkerung im Nordosten lebt von kleinflächiger Landwirtschaft und verfügt nur über begrenzte Rücklagen. Für diese Betriebe kann ein halbierter Zinssatz darüber entscheiden, ob sie rechtzeitig Dünger und Saatgut einkaufen können.
Die BAAC hat bereits in der Vergangenheit Programme zur Umschuldung und Liquiditätssicherung angeboten. Viele Bauern nutzen diese Angebote, um teure private Kredite abzulösen und ihre Zinslast zu senken. Das neue Programm knüpft daran an, legt den Schwerpunkt aber stärker auf kurzfristige Produktionskosten und auf eine klare Bindung der Mittel an Betriebsausgaben.
Klare Fristen für Antrag und Rückzahlung
Das Programm ist ab sofort verfügbar. Die Rückzahlung der Kredite muss innerhalb von 12 Monaten nach Auszahlung erfolgen. Damit sollen Landwirte mit der Ernte der nächsten Saison ihre Verbindlichkeiten wieder ausgleichen können. Wer die Kredite nutzt, muss also genau planen, ob Ertrag und Preise ausreichen, um die Belastung fristgerecht zu bedienen.
Anträge können bis zum 30. April 2029 bei allen BAAC-Filialen im ganzen Land gestellt werden. Die Bank prüft dabei sowohl die wirtschaftliche Situation der Antragsteller als auch die Einhaltung der Schulungs- und Zweckbindungsauflagen. Bauern, die bereits zuvor BAAC-Kunden sind, dürften einen leichteren Zugang haben als Landwirte ohne formelle Bankbeziehung.
Hintergrund und mögliche Folgen
Im Hintergrund steht der Druck durch steigende Produktionskosten und schwankende Weltmarktpreise für Reis und andere Feldfrüchte. Viele Bauern hatten in den vergangenen Jahren zusätzliche Schulden aufgenommen, um laufende Kosten zu decken. Das neue Programm soll verhindern, dass sie in teure informelle Kreditstrukturen ausweichen und ihre Verschuldung weiter aus dem Ruder läuft.
Langfristig dürfte die Wirkung des Programms davon abhängen, ob die Weiterbildungskomponente tatsächlich zu effizienteren Anbaumethoden und höheren Erträgen führt. Gelingt das, könnten Kleinbauern im Isaan und anderen Regionen ihre Kosten senken und zugleich ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Bleiben jedoch Reispreise und klimatische Risiken problematisch, könnten vergünstigte Kredite allein nicht ausreichen, um die strukturelle Überschuldung der Landwirtschaft dauerhaft zu entschärfen.