BANGKOK: Ein flackerndes Meer aus Neonröhren, wummernde Bässe und Dutzende Go-Go-Bars auf drei Etagen: Wer heute durch den Torbogen der Nana Entertainment Plaza in der Sukhumvit Soi 4 tritt, betritt einen der berühmtesten Rotlicht-Hotspots der Welt. Doch das Areal, das sich selbst als „größten Erwachsenen-Spielplatz der Welt“ vermarktet, blickt auf eine erstaunlich bodenständige Vergangenheit zurück.
Ende der 1970er-Jahre errichtete die einflussreiche libanesisch-thailändische Nana-Familie an der Stelle ein U-förmiges Einkaufs- und Restaurantzentrum – inklusive schattigem Innenhof für Mittagstische und Souvenirstände. Mit Bangkoks Wirtschaftsboom der 1980er verwandelten sich die ersten Lokale jedoch in Hostess-Bars; bald folgten Tänzerinnen, Discobeleuchtung und ein internationales Publikum. Mitte der 1990er war die Plaza endgültig Teil des „Dreigestirns“ aus Patpong, Soi Cowboy und Nana – Synonyme für Bangkoks berüchtigtes Nachtleben.
Verkauf, Facelift und Professionalisierung
2012 übernahmen die Joint-Venture-Firma Nana Partners – an der unter anderem die Gastroholding Panthera Group beteiligt ist – das gealterte Gebäude für geschätzte 25 Millionen US-Dollar. In den folgenden Jahren wurden marode Stromleitungen erneuert, Brandschutzsysteme installiert, Aufzüge eingebaut und einheitliche Sicherheitsregeln eingeführt. Der Eigentümer positionierte die Plaza bewusst als „Adult-Entertainment-Zone“, in der 24 Go-Go-Bars, Ladyboy-Clubs und Short-Time-Hotels streng getrennt vom umliegenden Wohnviertel operieren.
Mit den Corona-Lockdowns verwandelte sich die grelle Partymeile 2020 schlagartig in einen dunklen, verriegelten Komplex. Erst Anfang 2022 durften Bars wieder öffnen – zunächst ohne Tanz, später unter Auflagen. Die Betreiber senkten Mieten und verteilten Lebensmittelpakete an Angestellte, um ein Massensterben der Lokale zu verhindern. Seit den vollständigen Lockerungen 2023 füllt sich die Plaza erneut allabendlich. Fast alle Bars sind wieder offen und in der touristischen Hochsaison herrscht dichtes Gedränge wie vor der Pandemie.
Wirtschaftsfaktor und Reizthema zugleich
Schätzungen zufolge generiert Nana Plaza heute Umsätze im hohen zweistelligen Millionen-Baht-Bereich pro Jahr – nicht eingerechnet die umliegenden Hotels, Taxis und Street-Food-Stände, die vom Nachtgeschäft profitieren. Gleichwohl sorgt das Rotlicht-Areal regelmäßig für Debatten über Sextourismus, Frauenrechte und Stadtimage. Während Befürworter auf Arbeitsplätze und Steueraufkommen verweisen, kritisieren Gegner ein aus ihrer Sicht einseitiges Tourismusmodell. Die Stadtverwaltung verhängt immer wieder Razzien oder verkürzt Ausschankzeiten, ohne jedoch den Fortbestand fundamental anzutasten.
Unter dem Druck wachsender Konkurrenz – von der Pattaya Walking Street bis zu Bars in Phnom Penh – setzt die Betreibergesellschaft aktuell auf weitere Modernisierungen. Ein neues, 30 Millionen Baht teures Brandschutz- und Kamerasystem wurde im Frühjahr 2025 vorgestellt; mehrere Bars erhalten Facelifts oder neue Konzepte wie Roof-Top-Lounges. Branchenportale berichten zudem über strengere Alterskontrollen und digitale Guest-Check-in-Systeme, um internationale Sicherheitsstandards zu erfüllen.
Ein Neon-Symbol mit vielen Facetten
Ob als Touristenmagnet, Stichwortgeber für die Popkultur oder Reizfigur moralischer Debatten – die Nana Plaza bleibt ein Spiegelbild Bangkoks: laut, wandelbar und in stetem Spannungsfeld zwischen Tradition, Kommerz und Reglementierung. Wer das Areal besucht, erlebt einen kompakten Querschnitt der thailändischen Nachtökonomie – sie ist ein Lehrstück dafür, wie Bangkok zwischen Markt, Moral und Wandel balanciert.
Warum der Name „Nana“?

Der Name stammt von der Nana-Familie, einer einflussreichen libanesisch-thailändischen Unternehmerdynastie, die in der Gegend um die Sukhumvit Road zahlreiche Immobilien entwickelte. Die „Nana Intersection“, „Nana BTS“ und eben „Nana Plaza“ verdanken ihnen ihren Namen.
Lek Nana (1924–2010) war Politiker der Demokratischen Partei Thailands (unter anderem Minister für Wissenschaft & Technologie), Unternehmer und einflussreicher Immobilienbesitzer. Sein muslimischer, gujaratisch-indischer Hintergrund prägte den multiethnischen Charakter der Gegend .