Thailand und Kambodscha im Dialog

Beide Länder prüfen diplomatische Annäherung

Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (r.), Kambodschas Premierminister Hun Manet (links) und der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 7. Mai 2026 am Rande des ASEAN-Gipfel in Cebu. Foto: epa/Ted Aljibe
Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul (r.), Kambodschas Premierminister Hun Manet (links) und der philippinische Präsident Ferdinand Marcos Jr. am 7. Mai 2026 am Rande des ASEAN-Gipfel in Cebu. Foto: epa/Ted Aljibe

BANGKOK: Thailand und Kambodscha haben bislang keine Gespräche über eine Wiederöffnung der Grenzübergänge aufgenommen. Beide Seiten prüfen nach Angaben der Regierungen jedoch vorsichtig eine schrittweise Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen, unter anderem durch die Rückkehr von Geschäftsträgern an die jeweiligen Botschaften.

Der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul bezeichnete ein trilaterales Treffen mit dem kambodschanischen Premierminister Hun Manet und dem philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos Jr. am Donnerstagabend als wichtigen Schritt zum Wiederaufbau des gegenseitigen Vertrauens nach längeren Grenzspannungen.

Fünf Monate ohne Gewalt an der Grenze

Die Gespräche fanden im Shangri-La Mactan Cebu am Rande des ASEAN-Gipfel statt. Die Philippinen hätten die Gespräche in ihrer Rolle als ASEAN-Vorsitz moderiert, um während der regionalen Treffen ein konstruktives Klima aufrechtzuerhalten.

Anutin erklärte anschließend vor Medienvertretern, dass beide Regierungen ihr Bekenntnis zu Frieden und Stabilität bekräftigt, zugleich aber auch die Wahrung ihrer nationalen Souveränität und der Interessen ihrer Bevölkerung betont hätten. Entlang der thailändisch-kambodschanischen Grenze habe es seit mehr als fünf Monaten keine Gewaltvorfälle mehr gegeben. Dies stehe im Zusammenhang mit gemeinsamen Minenräumungsmaßnahmen beider Länder.

Streit um Seegebiete bleibt offen

Thailand informierte Kambodscha zudem offiziell über die Aufkündigung des Memorandum of Understanding aus dem Jahr 2001 zu überlappenden Seegebietsansprüchen im Golf von Thailand, bekannt als MoU 44. Beide Staaten hätten sich jedoch darauf verständigt, die Gespräche im Rahmen des Übereinkommen der Vereinten Nationen über das Seerecht fortzusetzen.

Gleichzeitig betonte Anutin, dass mehrere Streitpunkte weiterhin ungelöst seien. Dazu gehörten Fragen zu Grenzübergängen, Territorialansprüchen sowie gegenseitige Vorwürfe wegen angeblicher Grenzverletzungen. Diese Themen müssten zunächst auf operativer Ebene behandelt werden, bevor politische Entscheidungen getroffen werden könnten. Vorgesehen seien weitere Gespräche zwischen den Außenministern sowie bilateralen Grenzkommissionen.

Bangkok und Phnom Penh mäßigen den Ton

Der thailändische Außenminister Sihasak Phuangketkeow bezeichnete die Gespräche als offen und konstruktiv. Beide Regierungen hätten vereinbart, öffentliche Schuldzuweisungen und „verbale Auseinandersetzungen“ zu vermeiden, da diese den Dialog belasten könnten.

Nach Angaben des Ministers sollen direkte Kommunikationskanäle zwischen beiden Staaten wieder aufgenommen werden. Zudem seien verstärkte Kontakte zwischen der Bevölkerung im Rahmen der Thailand-Cambodia Friendship Association vorgesehen. Sihasak erklärte weiter, dass er und der kambodschanische Außenminister Prak Sokhonn zeitnah Gespräche führen sollen, um zunächst vertrauensbildende Maßnahmen zu vereinbaren, bevor umfassendere Kooperationsmechanismen wieder aktiviert werden.

Rückkehr von Diplomaten geplant

Ein wichtiger Punkt sei dabei die Wiederherstellung direkter diplomatischer Kommunikation, einschließlich der Rückkehr von Geschäftsträgern an die jeweiligen Botschaften. Dafür seien jedoch noch mehrere formale Verfahren notwendig.

Im Zusammenhang mit den Landgrenzen erklärte Sihasak zudem, dass vorbereitende Gespräche vor einer Sitzung der gemeinsamen thailändisch-kambodschanischen Grenzkommission stattfinden müssten. Thailand verweigere sich keinen Verhandlungen, allerdings seien klare Zielvorgaben und realistische Erwartungen notwendig. Einige Streitpunkte könnten rasch gelöst werden, während andere voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nehmen würden.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.