BANGKOK: Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul hat Bedenken hinsichtlich des Vorgehens Kambodschas im maritimen Grenzstreit zurückgewiesen. Anlass sind Pläne Phnom Penhs, nach dem Rückzug Thailands aus dem Memorandum of Understanding von 2001 (MoU 44) ein Verfahren zur obligatorischen Streitbeilegung nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) einzuleiten.
Auf Fragen, ob die Regierung ihre Strategie angesichts der zunehmenden internationalen Aktivitäten Kambodschas anpassen müsse, erklärte Anutin am Dienstag (2. Juni 2026), dass Thailand weiterhin seinen eigenen Kurs verfolgen und dabei Souveränität, nationale Würde und Sicherheit wahren werde.
Kambodscha setzt auf UNCLOS-Verfahren
Neue Probleme infolge des Rückzugs aus dem MoU 44 seien ihm nicht bekannt. Kambodscha sei bereits während des jüngsten ASEAN-Gipfels über die Entscheidung informiert worden. Nach Angaben des Premierministers habe die kambodschanische Führung die Entscheidung zur Kenntnis genommen und ihre Enttäuschung darüber geäußert. Gleichzeitig habe sie angekündigt, den Weg über UNCLOS zu beschreiten. Ein konkreter Zeitplan für ein entsprechendes Verfahren sei jedoch nicht genannt worden.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, teilte Kambodscha am Montag (1. Juni 2026) den Vereinten Nationen und Thailand mit, ein internationales Schlichtungsverfahren eingeleitet zu haben. Ziel sei es, den seit Jahrzehnten bestehenden Streit über die Seegrenze zwischen beiden Ländern beizulegen. Der kambodschanische Premierminister Hun Manet erklärte, dass der Schritt dem Schutz der kambodschanischen Souveränität und der maritimen Rechte des Landes im Einklang mit dem Völkerrecht diene.
Keine Kursänderung im Grenzstreit
Anutin wies Spekulationen zurück, wonach Kambodscha öffentlich und hinter den Kulissen unterschiedliche Positionen vertrete. Aus seiner Sicht bestehe kein Widerspruch. Thailand halte an seinen Grundsätzen fest und habe keine Maßnahmen ergriffen, die dem Land Nachteile bringen würden.
Zugleich kritisierte der Regierungschef nach eigenen Angaben eine Welle von Falschinformationen über die thailändisch-kambodschanischen Beziehungen. Als Beispiel nannte er Berichte, wonach Thailand Grenzübergänge wieder geöffnet oder kambodschanischen Schülern aus humanitären Gründen die Einreise erlaubt habe. Diese Meldungen seien erfunden gewesen. Mehrere Provinzgouverneure hätten deshalb Klarstellungen veröffentlichen müssen.
Anutin sieht keinen externen Druck
Nach Angaben Anutins steht Thailand wegen des Grenzstreits auch nicht unter internationalem Druck. Bei jüngsten Gesprächen mit ausländischen Staats- und Regierungschefs sowie internationalen Organisationen sei das Thema nicht angesprochen worden.
Unterdessen wies die thailändische Armee Berichte zurück, wonach frühere Militäroperationen im Bereich Chong Sangam in der Provinz Sisaket weniger intensiv gewesen seien als Einsätze in anderen Grenzabschnitten zu Kambodscha. Armeesprecher Maj Gen Winthai Suvaree erklärte, dass das Gebiet auf der kambodschanischen Seite in der Vergangenheit als Unterstützungsbasis für militärische Operationen genutzt worden sei, die Auswirkungen auf thailändische Zivilisten und Sicherheitskräfte gehabt hätten. Hintergrund der Stellungnahme waren Spekulationen in sozialen Medien über Aktivitäten im Umfeld des Grenzübergangs Chong Sangam im Bezirk Phu Sing.