BANGKOK: Thailands Luftfahrtbranche steht vor einem tiefgreifenden Wandel: In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen die Fluggesellschaften ihre Flotten wieder auf das Niveau vor der COVID-19-Pandemie bringen – und teilweise sogar darüber hinaus.
Der Expansionskurs sorgt jedoch für wachsende Sorgen hinsichtlich eines drohenden Pilotenmangels, der die Branche bereits in den nächsten zwei Jahren erheblich belasten könnte.
Vietjet wächst mit 50 Flugzeugen bis 2028
Vietjet Thailand, eine der am schnellsten wachsenden Airlines des Landes, plant bis 2028 die Vergrößerung ihrer Flotte von aktuell 18 auf insgesamt 50 Flugzeuge. Geschäftsführer Woranate Laprabang erklärte, dass dafür allein 320 neue Piloten eingestellt werden müssten, um die erweiterten Inlands- und internationalen Routen – darunter Japan, Südkorea, Indien, Vietnam und Australien – bedienen zu können. Ein Drittel des Bedarfs soll durch Nachwuchspiloten gedeckt werden, mehr als 200 weitere müssen jedoch vom bestehenden Arbeitsmarkt rekrutiert werden. Insgesamt rechnet die Branche mit etwa zehn Piloten pro Flugzeug.
Fehlende Piloten und Sorgen um Touristen
Ein besonderes Problem: Zahlreiche Piloten, die während der Pandemie ihre Jobs verloren haben, sind bislang nicht zurückgekehrt, da ihre Lizenzen abgelaufen sind. Lediglich etwa die Hälfte hat bislang eine Reaktivierung durchlaufen. „Die kommenden zwei Jahre werden für die gesamte Branche sehr sensibel“, warnte Woranate. „Sollten chinesische Touristen nicht in großer Zahl zurückkehren, könnten wir Probleme bekommen. Indische Reisende können die Lücke nur teilweise schließen.“
Ticketpreise sinken, Buchungen ziehen an
Auch beim Ticketverkauf zeigen sich Folgen der veränderten Marktlage. Während die Kapazitäten noch nicht wieder das Vorkrisenniveau erreichen, sind die Flugpreise 2025 um rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken – vor allem aufgrund des anhaltenden Rückgangs chinesischer Besucher. Dennoch verzeichnet Vietjet Thailand starke Vorbuchungen für das vierte Quartal 2025, insbesondere auf den neuen Strecken von Bangkok nach Tokio (Narita) und Osaka (Kansai), die im Dezember starten. Ziel ist es, bis Ende des Jahres den zweiten Platz im thailändischen Inlandsmarkt zurückzuerobern und diese Position bis mindestens 2026 zu halten.
Bangkok Airways wächst langsamer als geplant
Auch Bangkok Airways reagiert auf die Marktentwicklung, wenn auch vorsichtiger. Das Unternehmen meldet für den Zeitraum September bis Dezember 2025 ein Buchungsplus von vier Prozent, vor allem dank einer siebenprozentigen Steigerung auf der beliebten Route nach Koh Samui. Internationale Verbindungen hingegen gingen um drei Prozent zurück, stark beeinflusst durch den andauernden Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha. „Wir mussten die Flüge zwischen Bangkok und Phnom Penh von drei auf eine tägliche Verbindung reduzieren“, sagte CEO Puttipong Prasarttong-Osoth. Für die Route Bangkok–Siem Reap wurden größere Airbus-Maschinen durch kleinere ATR-Turboprops ersetzt, um sich dem gesunkenen Bedarf anzupassen.
Passagierzahlen bleiben unter den Erwartungen
Die Fluggesellschaft erwartet 2025 einen Gesamtumsatz nahe dem Vorjahresniveau, mit einem durchschnittlichen Ticketpreis von rund 4.200 Baht. Die Auslastung liegt bei etwa 78 Prozent, basierend auf 5,7 Millionen angebotenen Sitzen und einer Prognose von rund 4,3 Millionen Passagieren – weniger als die ursprünglich angestrebten 4,7 Millionen.
Ausschreibung für 20 neue Jets bis Ende 2026
In Bezug auf die Flottenplanung hält Bangkok Airways 2025 zunächst an 23 Maschinen fest, plant jedoch ab 2026 die Lieferung von zwei bis drei neuen Airbus-Jets sowie den Kauf von zehn ATR-Turboprops im Wert von insgesamt rund sieben Milliarden Baht. Außerdem ist eine Ausschreibung für 20 neue Mittelstreckenjets vorgesehen, die bis Ende 2026 starten soll. Langfristig strebt die Airline an, wieder auf eine Flottengröße von 40 Maschinen zu wachsen – dem Niveau vor der Pandemie.
Die kommenden Jahre werden somit entscheidend für die gesamte thailändische Luftfahrtindustrie. Während die Nachfrage nach Flügen steigt, könnten Pilotenmangel, geopolitische Spannungen und schwankende Touristenströme zu erheblichen Herausforderungen führen.