Tempelruinen in Surin geöffnet

Begrenzter Zugang zu Ta Kwai während Songkran

Ein Soldat sichert ein Grenzgebiet nahe eines umstrittenen Tempels an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha. Archivfoto: epa/Rungroj Yongrit
Ein Soldat sichert ein Grenzgebiet nahe eines umstrittenen Tempels an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha. Archivfoto: epa/Rungroj Yongrit

SURIN: Die thailändische Armee hat während der Songkran-Feiertage den Zugang zu zwei strategisch bedeutsamen Punkten an der Grenze zu Kambodscha vorübergehend freigegeben. Es handelt sich um die antike Tempelanlage Ta Kwai (Prasat Ta Kwai) sowie den nahegelegenen, 350 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Hügel 350 im Distrikt Phanom Dong Rak der Provinz Surin. Diese Gebiete waren im vergangenen Jahr Schauplatz heftiger militärischer Auseinandersetzungen zwischen beiden Ländern im Rahmen der jüngsten thailändisch‑kambodschanischen Grenzkrise.

Die Öffnung begann am Montagmorgen und ist täglich von 09.00 bis 15.00 Uhr bis einschließlich Donnerstag befristet. Laut einem Bericht der „Bangkok Post“ hatte die Bezirksverwaltung von Phanom Dong Rak die Genehmigung für diese kurze Öffnungszeit während des thailändischen Neujahrsfestes eigens beim Zweiten Armee-Korps beantragt und erhalten. Die Maßnahme wird von Militärkreisen als symbolische Geste des guten Willens während Songkran gewertet, soll aber ausdrücklich nicht als vollständige Normalisierung der Lage verstanden werden.

Strenge Sicherheitsauflagen für Besucher

Besucher müssen zu ihrer eigenen Sicherheit strikt auf den markierten Wegen bleiben, da in Teilen des Areals weiterhin die Gefahr von Blindgängern und Minen besteht. Zudem ist es untersagt, Live-Übertragungen aus dem Gebiet zu senden, während das Fotografieren nur an speziell ausgewiesenen Stellen gestattet ist. Militärische Stellungen oder Verteidigungsanlagen dürfen grundsätzlich nicht abgelichtet werden.

Die Region um Ta Kwai und den strategisch höher gelegenen Hügel 350 war während der jüngsten Grenzkonflikte hart umkämpft. Thailand hatte die Kontrolle über das Gebiet bei Ausbruch der Kämpfe im Juli letzten Jahres zunächst verloren, konnte in einer zweiten Kampfrunde im Dezember jedoch den Hügel 350 und die Umgebung von Prasat Ta Kwai zurückerobern. Bei der Verteidigung der Stellung kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums mindestens zwei thailändische Soldaten ums Leben, insgesamt stieg die Zahl der Gefallenen seit Beginn der Dezember-Gefechte auf 19.

Vorwürfe gegen Kambodscha

Thailand warf Kambodscha in diesem Zusammenhang vor, die aus dem 12. Jahrhundert stammenden Tempelruinen von Ta Kwai völkerrechtswidrig als Militärstützpunkt genutzt und weite Teile des Areals mit Antipersonenminen gesichert zu haben. Auf Videomaterial und Fotos sind kambodschanische Soldaten zu sehen, die mit PMN‑2‑Minen operieren, deren Einsatz einen Verstoß gegen das Ottawa-Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen darstellen würde. Zudem kritisiert Bangkok, dass die militärische Nutzung eines Denkmals dieser Bedeutung gegen die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut in bewaffneten Konflikten verstößt.

Schwere Schäden an der Tempelanlage

Die Kampfhandlungen hinterließen an der Tempelanlage deutliche Spuren: Drohnenaufnahmen und aktuelle Fotos zeigen schwer beschädigte Mauern, eingestürzte Giebelpartien und Einschlagspuren von Artillerie- und Raketenbeschuss an mehreren Strukturen von Prasat Ta Kwai. Laut Lageberichten des Zweiten Armeegebiets gehörte die Tempelanlage zu den Hauptzielen der von kambodschanischer Seite abgefeuerten BM‑21‑Raketen, mit denen Versuche der Thai-Armee, die Stellung zurückzuerobern, abgewehrt werden sollten.

Das Fine Arts Department plant bereits die Restaurierung der durch den Krieg beschädigten Tempelruinen von Ta Kwai. Fachleute der Behörde haben begonnen, Schäden zu kartieren und lose Steinfragmente zu sichern, um die Anlage nach Ende der militärischen Spannungen möglichst originalgetreu wieder aufzubauen. Die Arbeiten an dem historischen Kulturerbe sollen voraussichtlich innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschlossen werden, hängen aber auch von der weiteren Sicherheitslage und vom Zugang zu allen Teilbereichen des Tempels ab.

Kulturerbe im Spannungsfeld

Ta Kwai ist Teil eines größeren Khmer-Tempelensembles entlang des Dangrek-Gebirges, zu dem auch die grenznahen Anlagen Ta Muen und Preah Vihear gehören, die seit Jahrzehnten im Zentrum territorialer Streitigkeiten zwischen Thailand und Kambodscha stehen. Immer wieder kommt es in der Region zu Zwischenfällen, bei denen beide Seiten einander Grenzverletzungen und Beschuss vorwerfen. Internationale Beobachter verweisen darauf, dass die Präsenz bedeutender Kulturerbestätten in einem militärisch sensiblen Grenzgebiet die politische Brisanz zusätzlich erhöht.

Die vorübergehende Öffnung von Prasat Ta Kwai und Hügel 350 gilt daher zwar als Geste des guten Willens während der Feiertage, spiegelt jedoch aufgrund der strengen Auflagen die weiterhin angespannte Sicherheitslage in der Grenzregion wider. Ob dieser Schritt zu vertrauensbildenden Maßnahmen, weiteren Öffnungen und einer langfristigen Entspannung entlang der gemeinsamen Grenze führt, bleibt vorerst offen.

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