PATTAYA: Bei einer groß angelegten Razzia gegen mutmaßliche Nominee-Firmen haben Behörden in Pattaya sechs Objekte durchsucht. Im Mittelpunkt stand eine Luxus-Poolvillenanlage, die offenbar ohne Hotelgenehmigung tageweise vermietet wurde. Zudem entdeckten die Einsatzkräfte 20 Lachgasflaschen und nahmen vier chinesische Staatsangehörige zur weiteren Befragung fest.
Am Freitagmorgen (3. Juli 2026) leitete der Gouverneur der Provinz Chonburi, Narit Niramaiwong, gemeinsam mit Vertretern der Provinzverwaltung, der Polizei, der Einwanderungsbehörde, des Grundbuchamts, der Steuerbehörde und des Handelsministeriums die koordinierte Kontrollaktion. Ziel waren Unternehmen, die im Verdacht stehen, ausländischen Investoren über thailändische Strohmänner („Nominees“) Geschäfte und Grundstücksbesitz zu ermöglichen.
Luxusvillen als Hotel genutzt
Ein Schwerpunkt der Ermittlungen war eine luxuriöse Wohnanlage in der Soi Bongkot in Süd-Pattaya. Nach Erkenntnissen der Ermittler soll das Betreiberunternehmen Verbindungen zu chinesischen Investoren haben. Bei der Kontrolle stellten die Beamten fest, dass die Anlage aus 21 hochwertig ausgestatteten Villen mit privaten Swimmingpools besteht, die als täglich buchbare Poolvillen vermietet werden. Eine Genehmigung zum Betrieb eines Hotels lag jedoch nicht vor. Zudem sind die Gebäude ausschließlich als Wohnhäuser genehmigt und nicht für einen Hotelbetrieb zugelassen.

Die Behörden beschlagnahmten umfangreiche Unterlagen, darunter Buchungsdaten, Firmendokumente sowie Einnahmen- und Ausgabenaufstellungen. Diese sollen nun ausgewertet werden, um Geldflüsse nachzuvollziehen und die tatsächlichen wirtschaftlichen Eigentümer zu ermitteln. Sollte sich bestätigen, dass thailändische Staatsangehörige lediglich als Strohmänner für ausländische Investoren fungierten, sollen strafrechtliche Schritte eingeleitet werden.
20 Lachgasflaschen sichergestellt
Während des Rundgangs entdeckte der Gouverneur vor einer der Villen mehrere Flaschen mit Distickstoffmonoxid, besser bekannt als Lachgas. Das Haus war von chinesischen Staatsangehörigen gemietet worden.

Bei der anschließenden Durchsuchung trafen die Einsatzkräfte vier chinesische Staatsangehörige an. Insgesamt wurden 20 Lachgasflaschen gefunden, von denen einige bereits vollständig geleert waren. Die Beamten beschlagnahmten die Flaschen und brachten die vier Männer zur weiteren Befragung zur Einwanderungsbehörde der Provinz Chonburi. Dort soll unter anderem geklärt werden, woher das Lachgas stammt und ob weitere Straftaten vorliegen.
Sechs Objekte gleichzeitig durchsucht
Nach Angaben des Gouverneurs wurden zeitgleich insgesamt sechs Objekte durchsucht. Grundlage der Aktion waren Ermittlungen, wonach Ausländer möglicherweise unerlaubt Unternehmen kontrollieren und wirtschaftliche Tätigkeiten ausüben.

Bei dem überprüften Objekt besteht nach ersten Erkenntnissen der Verdacht, dass Wohngebäude ohne die erforderliche Genehmigung als Hotel genutzt werden. Dies könnte sowohl einen Verstoß gegen das Baurecht als auch gegen das Hotelgesetz darstellen. Die zuständigen Behörden wollen entsprechende Verfahren einleiten.
Ermittlungen gegen Hintermänner
Parallel dazu führen die Ermittlungsabteilung der Provinzpolizei Chonburi, die Einwanderungsbehörde sowie die Polizeiwache Pattaya City weitergehende Untersuchungen durch. Sämtliche Beteiligten sollen vernommen werden, um festzustellen, ob die Unternehmen tatsächlich von thailändischen Anteilseignern geführt werden oder ob ausländische Investoren im Hintergrund die Kontrolle ausüben.
Der Gouverneur erklärte zudem, dass erste Ermittlungen ergeben hätten, dass einzelne Anteilseigner Firmenanteile im Wert von 70 bis 80 Millionen Baht besitzen. Ihre tatsächlichen beruflichen und wirtschaftlichen Verhältnisse stünden jedoch möglicherweise in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zu diesen Vermögenswerten. Dieser Verdacht werde nun eingehend geprüft. Sollten Verstöße festgestellt werden, werde das Handelsministerium Strafanzeige erstatten.

Darüber hinaus kontrollieren das Grundbuchamt der Provinz Chonburi, sämtliche Bezirksgrundbuchämter, die Polizei und das Provinz-Handelsamt gemeinsam den Grundstücksbesitz ausländischer Staatsangehöriger.
349 Firmen im Visier der Behörden
Nach Angaben der Behörden stehen derzeit rund 349 Unternehmen in Chonburi unter Verdacht, Grundstücke rechtswidrig über ausländisch kontrollierte Gesellschaften oder Strohmänner zu halten. Wird ein Gesetzesverstoß nachgewiesen, können die Eigentümer verpflichtet werden, die Grundstücke zu veräußern. Erfolgt dies nicht innerhalb von 180 Tagen, droht eine Zwangsversteigerung.
Der Gouverneur warnte zugleich thailändische Staatsangehörige eindringlich davor, Grundstücke oder Unternehmensanteile als Strohmänner für Ausländer zu halten. Solche Handlungen seien strafbar und könnten Freiheitsstrafen sowie Geldbußen nach sich ziehen. Auch falsche Angaben gegenüber Behörden zur Unterstützung ausländischer Investoren könnten zusätzliche Straftatbestände erfüllen.
Null Toleranz bei Gesetzesverstößen
„Wir möchten, dass die thailändische Bevölkerung unser Land und die Provinz Chonburi als Eigentum künftiger Generationen schützt. Investitionen aus dem Ausland sind willkommen, wenn sie im Einklang mit dem Gesetz erfolgen. Was wir derzeit feststellen, verstößt jedoch gegen geltendes Recht und muss konsequent verfolgt werden“, erklärte der Gouverneur.
Zugleich erinnerte er Betreiber von Poolvillen und Tagesunterkünften daran, dass eine Vermietung im Hotelstil nur mit einer gültigen Hotelgenehmigung zulässig sei und Gebäude ausschließlich entsprechend ihrer genehmigten Nutzung verwendet werden dürften. Wer ohne Genehmigung einen Hotelbetrieb führe, müsse mit Freiheitsstrafen und hohen täglichen Geldstrafen rechnen.

Außerdem appellierte er an Betreiber, Gäste sorgfältig zu überprüfen. In der Vergangenheit seien bereits Häuser und Poolvillen angemietet worden, um dort psychoaktive Substanzen herzustellen oder gefährliche Chemikalien für die Drogenproduktion zu lagern.
Legale Investoren sind willkommen
„Der Staat will Unternehmen nicht behindern, sondern unterstützt alle Betreiber, die sich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Fehlen jedoch Genehmigungen oder werden Immobilien für Straftaten genutzt, werden wir konsequent einschreiten“, betonte Narit.
Zu den vier chinesischen Staatsangehörigen erklärte der Gouverneur abschließend, dass diese bei der ersten Befragung angegeben hätten, das Lachgas über WeChat zum Eigenkonsum gekauft zu haben. Die Ermittlungen zur Herkunft der Gasflaschen und zu den mutmaßlichen Lieferanten dauern an.