PATTAYA: Ein mutmaßlicher Fall schwerer Kindesmisshandlung hat in Pattaya für große Empörung gesorgt. Ein Überwachungsvideo soll zeigen, wie eine Stiefmutter am Abend des 30. Juni 2026 drei Schwestern im Alter von 13, 9 und 7 Jahren auf dem Thepprasit-Markt misshandelt. Besonders kritisiert wird, dass sich der Vater der Kinder während des Vorfalls am Tatort befunden haben soll, ohne wirksam einzugreifen.
Am Mittwoch (1. Juli 2026) gegen 14.00 Uhr leisteten die Vorsitzende der Stiftung „Pen Nueng“, Chalida Phalamat („Ton Or“), sowie Mitarbeiter des Amtes für soziale Entwicklung und menschliche Sicherheit der Provinz Chonburi den drei Mädchen Hilfe. Die Stiftung begleitete außerdem die leibliche Mutter zur Polizeiwache Pattaya-City, wo Anzeige gegen die mutmaßliche Täterin erstattet wurde. Gleichzeitig wurden die zuständigen Behörden eingeschaltet, um den Schutz der Kinder sicherzustellen.
Hilferuf führte zum Polizeieinsatz
Nach Angaben von Chalida Phalamat hatte sich die Mutter der Mädchen kurz nach Mitternacht an die Stiftung gewandt, nachdem sie in einer Pattaya-Gruppe in sozialen Netzwerken um Hilfe gebeten hatte. Ein Zeuge hatte das Video der Überwachungskamera zur Verfügung gestellt.
Die drei Schwestern hätten sich trotz wiederholter Bitten ihrer Mutter bewusst entschieden, beim Vater zu bleiben. Sie wollten ihm beim Verkauf auf dem Markt helfen und nicht die Schule wechseln. Aus Angst hätten sie jedoch nie erzählt, dass sie misshandelt würden.

Mehrere Markthändler bestätigten übereinstimmend, dass die Stiefmutter die Kinder seit längerer Zeit beschimpft, beleidigt und psychisch unter Druck gesetzt habe. Der jüngste Vorfall sei jedoch weit über das hinausgegangen, was noch hinnehmbar sei.
Vater gerät zunehmend in die Kritik
Chalida stellte außerdem die Rolle des Vaters infrage. Zwar behaupte dieser, versucht zu haben einzugreifen, mehrere Zeugen erklärten jedoch, dass er seine Töchter nie ernsthaft geschützt habe. Zudem soll er die Kinder nach dem Vorfall angeschrien und sie aufgefordert haben zu erklären, warum sie geschlagen worden seien. Erst danach habe er sie ins Krankenhaus gebracht. Nach Ansicht der Stiftung hätte der Vorfall möglicherweise verhindert oder zumindest früher beendet werden können, wenn der Vater seine Kinder konsequent geschützt hätte.
Die Stiftung werde gemeinsam mit staatlichen Stellen die psychologische Betreuung der Mädchen organisieren und prüfen, ob ein Umzug zur leiblichen Mutter die sicherste Lösung sei.

Die Mutter erklärte, dass sie sich bereits vor mehr als sechs Jahren vom Vater getrennt habe. Damals sei vereinbart worden, dass die drei Töchter beim Vater bleiben, weil sie weder die Schule wechseln noch ihn allein lassen wollten. Sie selbst habe ihre Kinder jedoch finanziell unterstützt und nahezu täglich Kontakt gehalten. Den Mädchen habe sie immer geraten, keinen Streit mit der Stiefmutter zu suchen, da diese die Kinder offensichtlich nicht möge.
Video enthüllte das ganze Ausmaß
Von körperlicher Gewalt hätten die Töchter ihr nie berichtet. Sie hätten lediglich erzählt, regelmäßig beschimpft und mit groben Ausdrücken beleidigt zu werden. Erst nachdem Händler sie angerufen und ihr das Überwachungsvideo geschickt hätten, habe sie vom tatsächlichen Ausmaß der Misshandlungen erfahren.
Obwohl sie mehrfach versucht habe, ihre Töchter zu sich zu holen, hätten diese stets beim Vater bleiben wollen. Nach Sichtung des Videos kündigte sie jedoch an, die mutmaßliche Täterin konsequent strafrechtlich verfolgen zu lassen.

Der Vater erklärte, dass er zum Zeitpunkt des Vorfalls vor dem Geschäft sein Fahrzeug gereinigt habe. Er habe lediglich gesehen, wie seine neue Ehefrau einer Tochter eine Ohrfeige gegeben habe und sie daraufhin angeschrien. Die weiteren Misshandlungen habe er nach eigenen Angaben erst später auf den Videoaufnahmen gesehen.
Eifersucht führte zur Eskalation
Als Auslöser nannte er Eifersucht seiner neuen Ehefrau. Seine Tochter habe mit seinem Mobiltelefon seiner Ex-Frau eine Nachricht geschickt, in der gestanden habe: „Papa vermisst dich.“ Dadurch sei seine neue Partnerin wütend geworden. Er habe zwar versucht, die Tochter zur Entschuldigung zu bewegen, die Situation sei jedoch eskaliert.
Nach seinen Angaben habe seine Ehefrau die Kinder zuvor nie körperlich schwer misshandelt, sondern lediglich geschimpft oder sie wegen Hausarbeiten kritisiert. Nach dem Vorfall habe er die Beziehung sofort beendet und wolle die Ermittlungen den Behörden überlassen. Die leibliche Mutter solle das Strafverfahren führen. Die Stiefmutter sei inzwischen aus der gemeinsamen Unterkunft geflohen. Außerdem habe sie sein Mobiltelefon zerstört, sodass er sie nicht mehr erreichen könne. Zwar kenne er ihren Arbeitsplatz in Pattaya, habe sie bislang jedoch nicht ausfindig machen können.

Eine 43-jährige Markthändlerin, die den Vorfall beobachtet hatte, schilderte, dass die Stiefmutter die Kinder schon lange mit vulgärer Sprache beleidigt habe. Am Tattag habe sie zunächst geschimpft, anschließend das älteste Mädchen an den Haaren gepackt und den Kopf gegen einen Tisch geschlagen. Danach ohrfeigte sie die mittlere Schwester und sagte ihr provokativ, sie solle ihre leibliche Mutter anrufen und berichten, wer sie geschlagen habe.
Abweisung hinterließ tiefe Wunden
Die Zeugin berichtete zudem von einem früheren Vorfall während der Schulferien. Eines der Mädchen habe voller Freude ihr gutes Schulzeugnis gezeigt und die Stiefmutter mit „Mama“ angesprochen. Diese habe jedoch geantwortet: „Nenn mich nicht Mama. Ich bin nicht deine Mutter.“ Seitdem sei das Kind sehr still geworden und habe seine Gefühle kaum noch gezeigt.
Die Händlerin widersprach außerdem der Darstellung des Vaters. Dieser habe sich während der Misshandlungen in unmittelbarer Nähe befunden und alles sehen können. Nach ihrer Einschätzung habe er seine neue Ehefrau häufiger in Schutz genommen als seine eigenen Kinder.
Flucht vor dem Zugriff der Polizei
Journalisten überprüften zudem Aufnahmen einer Überwachungskamera vor der Unterkunft. Darauf ist zu sehen, wie die Stiefmutter am 30. Juni 2026 gegen 21.56 Uhr nach Hause zurückkehrt und telefoniert. Am 1. Juli 2026 gegen 13.00 Uhr verließ sie die Unterkunft und flüchtete – nur kurze Zeit bevor Mitarbeiter der Stiftung eintrafen.
Die Polizei sammelt derzeit Zeugenaussagen sowie Aufnahmen der Überwachungskameras und fahndet nach der Verdächtigen. Parallel dazu kümmern sich die Kinderschutzbehörden um die psychologische Betreuung der drei Mädchen und bereiten weitere Schutzmaßnahmen vor.