Koffermord: Neue Details zum Tatverdächtigen

Frau berichtet von WhatsApp-Drohungen nach Motorradunfall

Der australische Tatverdächtige nach seiner Festnahme in Begleitung eines Ermittlers. Foto: epa/Dario Pignatelli
Der australische Tatverdächtige nach seiner Festnahme in Begleitung eines Ermittlers. Foto: epa/Dario Pignatelli

PATTAYA: Drei Wochen vor dem mutmaßlichen Mord an der 17-jährigen Thailänderin soll der australische Tatverdächtige bereits durch aggressives Verhalten gegenüber einer anderen Frau aufgefallen sein. Nach einem Bericht der australischen Nachrichtenagentur Australian Associated Press (AAP), der sich auf die Aussagen der Betroffenen sowie auf AAP vorliegende Chatnachrichten stützt, soll der 45-Jährige die Frau nach einem Verkehrsunfall massiv bedrängt haben.

Die 53-jährige Khanittha T. erklärte, dass sie am 5. Juni 2026 vor dem Apartmentkomplex in Pattaya, in dem beide wohnten, mit dem Australier in einen Motorradunfall verwickelt gewesen sei. Unmittelbar danach habe sich der Mann ihr gegenüber äußerst aggressiv verhalten. „He was angry, angry“, sagte sie. In ihrer Schilderung bezeichnete sie ihn als „King Kong“ – eine in Thailand gebräuchliche umgangssprachliche Bezeichnung für einen großen Ausländer.

Khanittha T. berichtet, dass der Tatverdächtige habe nach einem Motorradunfall per WhatsApp bedroht habe. Foto: epa/Dario Pignatelli
Khanittha T. berichtet, dass der Tatverdächtige habe nach einem Motorradunfall per WhatsApp bedroht habe. Foto: epa/Dario Pignatelli

Nach Angaben der Frau setzte der 45-Jährige die Auseinandersetzung anschließend über WhatsApp fort. Den AAP vorliegenden Chatnachrichten zufolge schrieb er: „buy me a wheelchair now ... or I will make sure big trouble“. Als Khanittha sich entschuldigte und erklärte, dass ihre Versicherung für den Schaden aufkommen werde, habe er sie als „stupid and dopey“ beschimpft. In einer weiteren Nachricht schrieb er: „I have to see specialist in Pattaya. I need taxi!! You can pay, you evil B***H.“

Nach Unfall folgten Drohungen

Die Frau erklärte, dass sie dem Australier auf Anweisung der Polizei 2.000 Baht gezahlt habe. Dennoch habe er weiterhin Geld für einen Rollstuhl verlangt, woraufhin sie seine Nummer blokierte. Ihr Lebensgefährte Andro berichtete, dass beide schockiert gewesen seien, als sie später erfuhren, dass der Mann als Tatverdächtiger im Tötungsfall der 17-jährigen „Nong Cake“ gilt.

In diesem Apartmentkomplex in Pattaya soll die 17-Jährige getötet worden sein. Foto: epa/Dario Pignatelli
In diesem Apartmentkomplex in Pattaya soll die 17-Jährige getötet worden sein. Foto: epa/Dario Pignatelli

Der 45-Jährige wurde am 26. Juni 2026 auf dem internationalen Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok festgenommen, als er mutmaßlich versuchte, mit einem Jetstar-Flug nach Perth auszureisen. Die thailändische Polizei wirft ihm vor, die Jugendliche in seinem Apartment in Pattaya erwürgt zu haben.

Kriminaltechniker untersuchen den Koffer, in dem die Leiche der 17-Jährigen entdeckt wurde. Foto: epa/Dario Pignatelli
Kriminaltechniker untersuchen den Koffer, in dem die Leiche der 17-Jährigen entdeckt wurde. Foto: epa/Dario Pignatelli

Nach Angaben der Ermittler zeigen Aufnahmen einer Überwachungskamera, wie der Australier und die 17-Jährige in den frühen Morgenstunden des Tattages Hand in Hand zu seiner Wohnanlage zurückkehrten. Später sei der Mann allein mit einem großen schwarzen Koffer aus dem Gebäude gekommen. Wenig später entdeckte die Polizei die nackte Leiche der Jugendlichen in einem Koffer, der nahe einer Bahnstrecke in Pattaya abgelegt worden war.

Anwohnern zufolge besuchte der Tatverdächtige regelmäßig diese Billardbar in seiner Wohnanlage. Foto: epa/Dario Pignatelli
Anwohnern zufolge besuchte der Tatverdächtige regelmäßig diese Billardbar in seiner Wohnanlage. Foto: epa/Dario Pignatelli

Anwohner berichteten AAP, dass der Australier regelmäßig eine Billardbar im Wohnkomplex Rimhad Jomtien besucht habe. Alkohol habe er dort jedoch nie getrunken. Eine Restaurantmitarbeiterin, die aus Sorge um ihr Geschäft anonym bleiben wollte, erklärte, dass sie habe ihm fast täglich Essen zubereitet habe. Dabei sei ihr eine große Narbe am Hinterkopf aufgefallen. Der Mann habe ihr erzählt, dass er wegen eines Hirntumors operiert worden sei. Dies sei auch der Grund für seine langsame Sprechweise und seinen auffälligen Gang.

Video zeigt widersprüchliche Aussagen

Von der Polizei veröffentlichte Videoaufnahmen zeigen den Australier mit sichtbaren Kratzspuren an Hals und Armen. Darin richtet er sich an die Familie des Opfers und sagt: „I feel bad for what happened to your daughter – it was out of my control.“ Weiter erklärt er: „It shouldn't happen. Please tell other girls just to be careful.“ In einem weiteren Video bestreitet der Mann, die Jugendliche getötet zu haben.

Der Tatverdächtige befindet sich in Untersuchungshaft im Pattaya Remand Prison. Foto: epa/Dario Pignatelli
Der Tatverdächtige befindet sich in Untersuchungshaft im Pattaya Remand Prison. Foto: epa/Dario Pignatelli

Im Falle einer Verurteilung drohen dem 45-Jährigen nach thailändischem Recht lebenslange Haft oder die Todesstrafe.

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