Kiew berichtet von weiteren Angriffen auf russische Tanker
KIEW: Das ukrainische Militär kontrolliert mit seinen Drohnen große Teile des Asowschen und Schwarzen Meeres. Nun hat es eigenen Angaben nach erneut mehrere russische Tanker in der Region erwischt.
Die ukrainischen Drohneneinheiten haben nach eigener Darstellung in der Nacht neun weitere Tanker der russischen Schattenflotte im Asowschen Meer angegriffen und beschädigt. Dies teilte der Chef der ukrainischen Drohnentruppen, Robert Browdi, auf Telegram mit. Schon in der Nacht zuvor hatten die ihm unterstellten Einheiten den Beschuss von acht Tankern gemeldet. Die Angriffe auf die Schattenflotte sollen die Einnahmen Russlands aus dem Ölgeschäft schmälern und so dem Kreml die weitere Kriegsfinanzierung erschweren.
Der Gouverneur der westrussischen Region Rostow, Juri Sljussar, bestätigte am Morgen zumindest Schäden an zwei Schiffen. Diese seien leer gewesen, somit auch kein Öl ins Meer ausgelaufen, schrieb er bei Telegram. Seinen Angaben nach wurden zwei Seeleute bei der Attacke verletzt. Rettungskräfte hätten die Besatzung eines Tankers von Bord gebracht, fügte er hinzu.
Präsidenten Nawrocki und Selenskyj sprechen trotz Krise
ANKARA/WARSCHAU: Zwischen Warschau und Kiew herrscht Eiszeit, es geht um alte Dinge aus dem Zweiten Weltkrieg. Doch die Hauptfiguren des Streits nähern sich wieder an. Es gibt ja einen gemeinsamen Feind.
Inmitten eines Geschichtsstreits zwischen Polen und der Ukraine haben die Präsidenten Karol Nawrocki und Wolodymyr Selenskyj am Rande des Nato-Gipfels miteinander gesprochen. Es habe einen kurzen Austausch von Höflichkeiten gegeben, ohne das Geschichtsthema zu berühren, sagte Nawrocki nach Angaben der polnischen Nachrichtenagentur PAP aus Ankara. Demnach fand die Begegnung am Dienstagabend bei einem Galadinner statt.
Weiteres Präsidententreffen möglich
Nawrocki schloss ein weiteres Gespräch mit Selenskyj noch am Mittwoch nicht aus. «Es scheint mir natürlich, dass Nachbarländer, die Russland als gemeinsamen Feind haben, im Dialog miteinander bleiben sollten - unabhängig von gewissen bilateralen Spannungen», sagte er. Selenskyj, der sonst in sozialen Netzwerken über jede Gipfel-Begegnung in Ankara berichtet, äußerte sich nicht.
Im Verhältnis der Verbündeten kriselt es, seit Selenskyj die umstrittene ukrainische Partisaneneinheit UPA aus dem Zweiten Weltkrieg geehrt hat. Diese ist auch für Massaker an Polen und Polinnen in der heutigen Westukraine verantwortlich. In Polen gab es parteiübergreifend Empörung. Nawrocki verschärfte den Konflikt seinerseits, indem er Selenskyj den höchsten polnischen Orden aberkannte.
Mindestens 32 Jahre Haft für «Maskenmann» bestätigt
NANTES/LÜNEBURG: Drei Morde in Deutschland - und ein weiterer in Frankreich. Die Mindestdauer der deutschen Haft ist bekannt. Welche Rolle ein Urteil aus Frankreich für die weitere Strafe spielt, ist noch offen.
Ein als «Maskenmann» bekannter deutscher Serienmörder soll mindestens 32 Jahre im Gefängnis bleiben.
Das bestätigte das Landgericht im norddeutschen Lüneburg. Die «Neue Osnabrücker Zeitung» hatte darüber berichtet. Den Angaben zufolge endet die Haftstrafe von Martin N. frühestens 2043.
Der aus Bremen stammende Täter war 2011 in Hamburg festgenommen und 2012 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. In Deutschland hatte er in einem Zeitraum von fast 20 Jahren Jungen missbraucht und drei von ihnen im Alter von 8, 9 und 13 Jahren ermordet. Zwischen 1992 und 2001 schlich sich der Pädagoge in Norddeutschland nachts mit einer dunklen Sturmhaube maskiert an die Betten Dutzender Opfer. Die meisten seiner Taten hat er gestanden.
Vergangenen Monat wurde der «Maskenmann» auch für den Mord am zehnjährigen Jonathan 2004 in Frankreich verurteilt - er hatte die Tat abgestritten. Auch die französischen Richter sprachen eine lebenslange Haftstrafe aus. Inwieweit sich das französische Urteil auf die weitere Haft von N. auswirkt, ist bisher nicht bekannt. Dazu besteht nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Landgericht Stade aktuell kein Austausch mit den französischen Behörden.
Trump will Handel mit Spanien einstellen
ANKARA: Der US-Präsident lässt im Streit mit Spanien nicht locker. Beim Nato-Gipfel spricht er von einem «furchtbaren Partner» - und droht Konsequenzen an.
US-Präsident Trump will allen Handel mit Spanien beenden. Auf einer Pressekonferenz beim Nato-Gipfel in Ankara sagte Trump: «Ich will mit ihnen keinen Handel mehr treiben.» Trump zeigte sich - wie schon beim Nato-Gipfel im vergangenen Jahr - grundsätzlich über den Kurs von Nato-Partner Spanien verärgert.
«Spanien ist ein furchtbarer Partner in der Nato. Sie nehmen nicht teil, sie zahlen nicht», sagte Trump. «Beende allen Handel mit ihnen.» Bei der Pressekonferenz war auch US-Finanzminister Scott Bessent anwesend. Konkrete Ankündigungen, wie ein solcher Schritt in die Tat umgesetzt werden soll, machte er nicht.
Trumps Vorhaben dürfte nicht leicht umzusetzen sein, da Spanien Mitglied der Europäischen Union und des europäischen Binnenmarktes ist. In Handelsfragen haben die Mitgliedsländer ihre Kompetenzen weitgehend an die EU-Kommission in Brüssel abgegeben, die für die Mitgliedsstaaten spricht und verhandelt.
Verletzte auch bei zweiter Stierhatz in Pamplona
PAMPLONA: Erneut Verletzte bei der Stierhatz in Pamplona: Drei Teilnehmer mussten medizinisch versorgt werden, einer erlitt eine Verletzung durch das Horn eines Stiers.
Auch bei der zweiten Stierhatz während des diesjährigen San-Fermín-Festes hat es in Pamplona im Norden Spaniens wieder Verletzte gegeben. Drei Läufer seien von Sanitätern behandelt worden, einer davon mit einer leichten Verletzung am Arm durch eines der spitzen und langen Hörner der Stiere, teilte eine Sprecherin des Universitätskrankenhauses im staatlichen TV-Sender RTVE mit. Beim ersten der insgesamt acht der ebenso berühmten wie umstrittenen Läufe waren am Vortag fünf Menschen ebenfalls leicht verletzt worden.
Das Fest zu Ehren des Stadtheiligen San Fermín hatte am Montag begonnen und endet nächsten Dienstag. Täglich werden am Morgen sechs zum Teil über 600 Kilogramm schwere Kampfbullen zusammen mit zahmen Leitochsen durch die engen Gassen der Altstadt für die Stierkämpfe ab dem späten Nachmittag in die Arena gejagt. Bei den Mutproben der vorwiegend jungen Männer über die rund 825 Meter lange Strecke werden jedes Jahr Läufer verletzt. Seit 1924 gab es 16 Todesopfer, das letzte 2009. Die meisten von ihnen starben durch Hornstöße.
Auch dieses Jahr protestierten Tierschutzgruppen gegen die traditionsreiche Veranstaltung, die bereits seit 1591 stattfindet, inzwischen aber auch in Spanien umstritten ist.
Merz bei Nato-Gipfel: «Wir haben geliefert»
ANKARA: Der US-Präsident zeigt sich weiter unzufrieden mit den europäischen Verbündeten. Merz hält am zweiten Gipfeltag erneut dagegen.
Nach der Kritik von US-Präsident Donald Trump an den Verteidigungsausgaben der europäischen Nato-Verbündeten hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erneut auf die deutliche Steigerung seit dem letzten Gipfel in Den Haag verwiesen. «Wir haben geliefert», sagte er vor der Arbeitssitzung beim Gipfeltreffen in Ankara. Die meisten europäischen Staaten hätten ihre Anstrengungen im Verteidigungsbereich erheblich verbessert.
Vor dem Gipfel hatte Trump die Verteidigungsausgaben wichtiger Verbündeter wie Deutschland, Großbritannien und Italien als «lächerlich» bezeichnet, sich dabei aber nach deutschen Angaben auf veraltete Zahlen berufen. Die Bundesregierung hat der Nato für das laufende Jahr einen Betrag von 124,7 Milliarden Euro gemeldet. Dies entspricht einer Steigerung um 25,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Innerhalb der Nato geben damit nur die USA mehr Geld für Verteidigung aus. Beim Gipfel ist die Lastenverteilung im Bündnis ein Hauptthema.
Der Kanzler betonte auch, dass von dem Gipfel mit neuen Milliardenzusagen an die Ukraine ein klares Signal an Russland ausgehen werde. «Russland hat keine Chance, diesen Krieg zu gewinnen. Sie werden die Kriegsziele nicht erreichen», sagte er. «Und je schneller wir diesen Krieg beenden, umso besser ist es für Europa, umso besser ist es für Russland, und umso besser ist es für den Frieden in der Welt.»
Starke Nachfrage aus dem Ausland treibt Elektrobranche an
FRANKFURT/MAIN: Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie verzeichnete im Mai ein deutliches Auftragsplus - vor allem dank starker Nachfrage aus dem Nicht-Euro-Raum.
Deutschlands Elektro- und Digitalindustrie hat im Mai deutlich mehr Aufträge erhalten. Die Order lagen 19 Prozent über dem Wert aus dem Vorjahresmonat, wie der Branchenverband ZVEI berichtet. Das war der stärkste Anstieg der vergangenen zwei Jahre. Zusätzliche Bestellungen kamen vor allem aus dem Nicht-Euro-Raum mit einem Plus von 43 Prozent. Inländische Kunden bestellten 7,8 Prozent mehr. Nach fünf Monaten hat die Industrie damit im laufenden Jahr 8,7 Prozent mehr Auftragsvolumen eingesammelt als ein Jahr zuvor. Die Branchenerlöse sind in dieser Zeit um 3,5 Prozent auf 93,7 Milliarden Euro gewachsen.
«de Volkskrant»: Trump hat der Nato großen Schaden zugefügt
AMSTERDAM: Die niederländische Zeitung «de Volkskrant» kommentiert am Mittwoch den Nato-Gipfel in Ankara:
«Die Europäer befinden sich in einer schwierigen Lage. Sie müssen Zeit gewinnen, da ihre Verteidigung weiterhin nicht standfest ist und sie immer noch auf die Amerikaner angewiesen sind, während die Gefahr durch Russland groß ist. Doch das Anbiedern bei US-Präsident Donald Trump, wie im vergangenen Jahr auf dem Nato-Gipfel in Den Haag, hat kaum etwas gebracht. (.)
Auch am Vorabend des Nato-Gipfels in Ankara machte Trump Stimmung gegen die Europäer. Die deutschen Verteidigungsanstrengungen bezeichnete er als «lächerlich», obwohl sich Deutschland hoch verschuldet hat, um sein Verteidigungsbudget deutlich zu erhöhen. (...)
Europa muss auf ein neues Gleichgewicht hinarbeiten. Naheliegend ist eine Aufgabenteilung, bei der es seine konventionelle Stärke ausbaut, aber weiterhin unter dem amerikanischen «Atomschutzschirm» bleibt. Das Problem ist jedoch, dass Trump der Nato großen Schaden zugefügt hat, indem er Zweifel an der Bereitschaft der USA säte, den Europäern im Falle eines Angriffs zu Hilfe zu kommen. Wer glaubt noch daran, dass Trump wegen Europa einen Atomkrieg riskieren würde?»
Rutte: USA stehen uneingeschränkt zur Nato
ANKARA: Sind die USA unter der Donald Trump noch ein verlässlicher Bündnispartner? Beim Gipfel in Ankara gibt es Zweifel - aber auch deutliche Gegenrede.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat beim Gipfeltreffen in Ankara versucht, Zweifel an der Bündnistreue von US-Präsident Donald Trump zu zerstreuen. «Es gibt ein uneingeschränktes Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur Nato», sagte Rutte vor dem Beginn einer Arbeitssitzung der Staats- und Regierungschefs. Das habe auch damit zu tun, dass die USA ein Interesse an der Nato hätten - etwa um zu verhindern, dass russische Atom-U-Boote vor den Küsten der Vereinigten Staaten auftauchen.
Die Erwartung Trumps, dass die Bündnispartner ihre Verteidigungsausgaben an die der Vereinigten Staaten angleichen, bezeichnete Rutte als «vollkommen fair». Er ergänzte mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin: «Es ist eine Niederlage für Putin und ein Erfolg für Präsident Trump, dass die Europäer und die Kanadier genau das tun.»