BANGKOK: Thailands jüngster Vorstoß zur strengeren Kontrolle von Cannabis hat zwar neue Vorschriften eingeführt, im Alltag vieler Verkaufsstellen scheint sich jedoch bislang wenig verändert zu haben. Besonders in touristisch geprägten Bereichen Bangkoks, in denen zahlreiche Cannabisgeschäfte betrieben werden, bleibt Cannabis nach Einschätzung von Beschäftigten und Branchenvertretern weiterhin leicht für den Freizeitkonsum erhältlich.
Die neuen Regelungen sehen vor, dass Cannabis ausschließlich zu medizinischen Zwecken verkauft werden darf. Käufer müssen demnach zunächst eine thailändische Klinik für traditionelle Medizin aufsuchen, dort registriert werden, eine Diagnose erhalten und anschließend ein Rezept vorlegen. Händler wiederum sind verpflichtet, Verkäufe zu dokumentieren und Unterlagen für mögliche Kontrollen bereitzuhalten.
Regeln und Realität klaffen auseinander
Kritiker bemängeln jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den gesetzlichen Vorgaben und der tatsächlichen Praxis. Die Cannabis-Aktivistin Chokwan Chopaka erklärte, dass kaum jemand den offiziell vorgesehenen Weg für einen legalen Kauf einhalte. Viele Geschäfte würden Cannabis weiterhin ohne Rezept verkaufen und die erforderlichen Dokumente erst nachträglich erstellen. Zudem würden Rezepte teilweise in größerem Umfang oder über informelle Vereinbarungen mit Händlern ausgestellt. Auch telemedizinische Systeme würden nur eingeschränkt kontrolliert.
Gesundheitsminister Pattana Promphat erklärte, dass ein Cannabis- und Hanfgesetz derzeit öffentlich beraten werde. Anschließend solle das Gesetzgebungsverfahren beschleunigt werden, um strengere Kontrollen für Anbau und Vertrieb durchzusetzen.
Besonders sichtbar werden die Widersprüche zwischen Regulierung und Praxis in der Khaosan Road in Bangkok. Entlang der rund 400 Meter langen Touristenstraße befinden sich mehr als zehn Cannabisgeschäfte in unmittelbarer Nähe zueinander. Bei einem Besuch an einem Werktagnachmittag waren sämtliche Läden geöffnet, während Kunden Cannabisprodukte begutachteten oder direkt vor Ort konsumierten.
Neue Auflagen treiben Preise in die Höhe
Mitarbeiter mehrerer Geschäfte berichteten anonym von sehr unterschiedlichen Vorgehensweisen. Ein Geschäft erklärte, dass man inzwischen Rezepte verlange und einen Arzt beschäftige, der mehrmals pro Woche die Dokumentation überprüfe. Dies habe die Betriebskosten erhöht und die Produkte verteuert. Zugleich würden manche Kunden wegen Datenschutzbedenken auf einen Kauf verzichten, da sie ihre persönlichen Daten angeben müssten.
Andere Händler sehen dagegen bislang kaum Auswirkungen auf ihr Geschäft. Ein Mitarbeiter verwies darauf, dass die bestehende Lizenz seines Geschäfts noch drei Jahre gültig sei. Das Gesundheitsministerium hatte zuvor angekündigt, Cannabisgeschäfte innerhalb einer dreijährigen Übergangsphase schrittweise in medizinisch ausgerichtete Einrichtungen umzuwandeln.
Nach den geltenden Vorschriften dürfen jedoch bereits jetzt alle Geschäfte ausschließlich an Kunden mit Rezept verkaufen. Mehrere Beschäftigte räumten ein, dass die Umsetzung in der Praxis stark vom jeweiligen Geschäft abhänge. Gleichzeitig äußerten einige die Sorge, dass reine medizinische Nutzung wirtschaftlich kaum tragfähig sei.
Eine weitere Angestellte unterstützte strengere Regeln grundsätzlich, sprach sich jedoch dafür aus, Cannabis weiterhin legal zu halten. Ihr Geschäft arbeite mit Rezepten und beschäftige einen Arzt zur Kontrolle der Dosierungen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass auf der Khaosan Road Alkohol deutlich häufiger für öffentliche Störungen verantwortlich sei als Cannabis.
Die Behörden verteidigen die verschärften Maßnahmen mit dem Hinweis auf die rasch gewachsene Branche. Das Department of Thai Traditional and Alternative Medicine erklärte, dass Cannabisgeschäfte schrittweise stärker wie medizinische Einrichtungen betrieben werden sollten. Seit dem 30. April 2026 gelten zusätzliche Vorschriften für Forschung, Import, Verarbeitung und Vertrieb. Neue Lizenzbewerber müssen mit dem Gesundheitssektor verbunden sein, etwa als Kliniken, Hersteller pflanzlicher Produkte, Pharmaunternehmen oder lizenzierte traditionelle Heiler. Zudem müssen Verkaufsstellen geschultes Personal beschäftigen.
Neue Regeln bei Lizenzverlängerung
Bestehende Geschäfte dürfen bis zum Ablauf ihrer Lizenzen weiterarbeiten, müssen bei einer Verlängerung jedoch die neuen Anforderungen erfüllen. Parallel dazu wurden strengere Kontrollen und digitale Meldesysteme eingeführt, über die die Öffentlichkeit mögliche Verstöße melden kann.
Nach Angaben der Behörden reagiert die Regierung damit auf Beschwerden über weit verbreiteten Freizeitkonsum nach der Entkriminalisierung von Cannabis. Genannt werden unter anderem Beschwerden über Cannabisrauch, den Zugang für Jugendliche sowie steigende Krankenhausfälle infolge übermäßigen Konsums.
Landesweit wurden dem Bericht zufolge rund 12.000 Vertriebslizenzen mit Laufzeiten zwischen 2026 und 2028 vergeben. Etwa die Hälfte davon läuft noch in diesem Jahr aus.
Kritiker betonen jedoch, dass strengere Regeln allein nicht ausreichen. Ohne umfassende Aufklärung der Bevölkerung bestehe die Gefahr, dass sich ein informelles System etabliere, in dem Vorschriften zwar auf dem Papier existieren, im Alltag jedoch durch Umgehungslösungen ersetzt würden. Während die Politik weiter über schärfere Kontrollen diskutiert, läuft der Betrieb auf der Khaosan Road bislang weitgehend unverändert weiter.