Nahostkrise: Geschehen am Mittwoch

Nahostkrise: Geschehen am Mittwoch

«Verdens Gang»: EU-Kommission darf Emissionshandel nicht lockern

OSLO: Die norwegische Boulevardzeitung «Verdens Gang» (Oslo) kommentiert am Mittwoch den wieder aufgeflammten Iran-Krieg:

«Der Wortlaut des Vertrages über die Straße von Hormus ist so mehrdeutig, dass sowohl die USA als auch der Iran dasselbe Abkommen auf zwei völlig unterschiedliche Weisen interpretieren. (...)

In den vergangenen Tagen hat die iranische Revolutionsgarde Handelsschiffe angegriffen. Diese Angriffe sind eine Reaktion darauf, dass die USA und Oman eine alternative Route ermöglicht haben, die die iranische Kontrolle umgeht. Die Botschaft ist eindeutig: Kein Schiff kann die Straße von Hormus ohne iranische Genehmigung passieren.

Trump hat mit neuen Militärschlägen gegen iranische Ziele reagiert. Auf Truth Social kündigt Trump eine neue Blockade an. Gleichzeitig erklärt er, die Vereinigten Staaten seien der Herrscher der Straße von Hormus - ein direkter Widerspruch zu seinen eigenen Aussagen über die Freiheit der Schifffahrt und den Grundsatz, dass kein Staat allein eine internationale Seestraße beanspruchen kann. (...)

Dabei sollte die Regelung der Straße von Hormus der einfachere Teil sein. Falls die USA und der Iran sich nicht einigen können, verheißt das nichts Gutes für die weitaus schwierigeren Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.»


«The Independent»: Iran hat Amerika getrotzt

LONDON: Zum Vorgehen der USA gegenüber dem Iran meint der Londoner «Independent» am Mittwoch:

«Der oberste Führer des Iran wurde ermordet, die veraltete Marine und die Luftwaffe des Landes sind weitestgehend zerstört, und die Bevölkerung ist extremen Sanktionen ausgesetzt. Dennoch bleibt die Straße von Hormus unter iranischer Kontrolle - in einer Weise, wie es vor Beginn der US-Operation «Epic Fury» nicht der Fall war. Überdies funktioniert das Regime weiterhin. Die Islamische Republik hat Amerika getrotzt und eine Art Sieg errungen, indem sie überlebt und ihre asymmetrischen Vorteile der Drohnenkriegsführung und der geografischen Lage bewahrt hat. Anscheinend gibt es nichts, was US-Präsident Donald Trump tun könnte, um das zu ändern.

Das Problem des Präsidenten besteht zum Teil darin, dass er - während er versucht, einer offenbar unbeugsamen iranischen Führung Angst einzujagen - dazu verleitet wird, immer schärfere Ansagen in Bezug auf Zerstörung und Kontrolle zu machen. Genau das tut er derzeit. Doch es dürfte schwierig, wenn nicht gar unmöglich werden, die von Trump beharrlich beschworene Rolle des «Hüters der Straße von Hormus» zu übernehmen, ohne eine großangelegte Invasion und einen Regimewechsel in Teheran. Das jedoch könnte erfahrungsgemäß zu einem endlosen Konflikt, einem Bürgerkrieg, zum Zusammenbruch des Regimes, zu Chaos in der gesamten Region und einer beispiellosen Energiekrise führen.»


«El Mundo»: Der Iran-Krieg wird für die USA zur Sackgasse

MADRID: Zum Iran-Krieg schreibt die spanische Zeitung «El Mundo» am Mittwoch:

«Das Szenario eines offenen Krieges, das sich erneut in der Straße von Hormus abspielt, wo sich die USA und der Iran nach gegenseitigen Vorwürfen eines Bruchs des Waffenruheabkommens wieder heftige Luftangriffe liefern, verschärft eine Krise, die zu einem Dauerkonflikt zu werden droht. Gegenüber dem blutrünstigen Regime der Ajatollahs hat die Regierung von (US-Präsident Donald) Trump wiederholt gezeigt, dass ihr klar definierte Ziele fehlen.

Stattdessen scheint sie sich von den Impulsen und persönlichen Interessen ihres Präsidenten leiten zu lassen. Wie immer mehr Experten warnen, droht die anhaltende Eskalation ohne eine erkennbare strategische Perspektive für das Weiße Haus zum Selbstzweck zu werden. In den vergangenen Tagen hat die US-Regierung erneut widersprüchliche und chaotische Botschaften ausgesendet. Die Weltwirtschaft gerät dadurch (...) erneut in Gefahr. (...)

Ebenso besorgniserregend ist die Reaktion, mit der der US-Präsident auf die wachsende Entfremdung seiner MAGA-Wählerbasis reagieren will, die den Krieg gegen den Iran ablehnt. Am Donnerstag wird er sich in einer TV-Ansprache an die Nation wenden. Es wird erwartet, dass er unter Berufung auf angebliche Geheimdienstberichte erneut der Theorie Vorschub leistet, ihm sei die Wahl von 2020 gestohlen worden. Diese unverantwortliche Strategie wird das Land weiter polarisieren und nichts dazu beitragen, die Sackgasse zu überwinden, zu der der Krieg geworden ist.»


Teheran: 30 Tote bei US-Angriffen im Süden Irans

TEHERAN: Seit gut einer Woche bombardiert das US-Militär wieder den Iran. Die Regierung meldet nun Daten über Tote und Verletzte.

Bei den jüngsten US-Angriffen auf den Süden des Irans in den vergangenen Tagen sind Regierungsangaben zufolge mindestens 30 Zivilisten getötet worden. «Wir sprechen den trauernden Familien unser Mitgefühl und Beileid aus und ehren das Andenken der Verstorbenen», schrieb Regierungssprecherin Fatemeh Mohadscherani auf X.

Mehr als 260 Menschen wurden bei den jüngsten Angriffen, die vor rund einer Woche begannen, verletzt, schrieb der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Hossein Kermanpur auf X. 222 der Verletzten seien inzwischen nach ihrer Behandlung aus Kliniken entlassen worden, fügte er hinzu.


Jordanien fängt drei Raketen aus dem Iran ab

AMMAN: Das Königreich wurde im Krieg nicht so häufig angegriffen wie die Golfstaaten - auch hier werden aber immer wieder Raketen aus dem Iran abgefangen.

Jordanien hat einen erneuten Angriff aus dem Iran abgewehrt. Die Flugabwehr habe am frühen Morgen drei Raketen abgeschossen, die aus dem Iran in den jordanischen Luftraum eingedrungen seien, teilten die Streitkräfte des Königreichs mit. Opfer oder Schäden habe es nicht gegeben. Das Ingenieurskorps habe die Trümmerteile beseitigt.

Irans Revolutionsgarden reklamierten einen Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt in al-Asrak. Es sei auf Hangars für US-Kampfjets gezielt worden, hieß es in einer Mitteilung. Auch die regulären iranischen Streitkräfte feuerten nach eigenen Angaben Kamikazedrohnen auf Ziele in Jordanien. Die vom US-Militär genutzte Luftwaffenbasis liegt im Osten des Landes.


US-Angriff trifft Weizensilo

TEHERAN: Wieder fliegen die USA Luftangriffe auf den Iran. Nach Angaben staatlicher Medien wurde eine zivile Einrichtung getroffen.

Bei den nächtlichen US-Angriffen ist nach Darstellung iranischer Staatsmedien ein Weizensilo getroffen worden. Der Vorfall ereignete sich in der südwestlichen Provinz Chusestan nahe der Grenze zum Irak, wie der staatliche Rundfunk berichtete. Bei dem Angriff in der Stadt Howeyseh habe es keine Todesopfer gegeben, hieß es weiter.

Auch die Revolutionsgarden, Irans mächtige Militärorganisation, warfen den USA die Bombardierung ziviler Einrichtungen vor. Der Feind habe das Weizenlager «aus Schwäche und Grausamkeit» bombardiert, hieß es in einer Mitteilung. Zudem sei eine Mineralwasserfabrik in der westlichen Provinz Ilam Ziel eines Angriffs geworden. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

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