Mönche betteln nicht um Almosen

​Entstehung der gelben Robe und warum Buddha nicht von der Schöpfung spricht

Mönche betteln nicht um Almosen Entstehung der gelben Robe und warum Buddha nicht von der Schöpfung spricht
Mönche betteln nicht um Almosen Entstehung der gelben Robe und warum Buddha nicht von der Schöpfung spricht

Der Feiertag Visakha Bucha im Mai – am Vollmond (dieses Jahr am Montag, 19.) – erinnert an Buddhas Geburt, seine Erleuchtung und das Nirwana – den Zustand höchster Glückseligkeit, das Ende des Kreislaufs der Wiedergeburt. Das Wort Buddha bedeutet: der glückselige Allwissende, der erwachte Erleuchtete. Sein ursprünglicher Name war Prinz Siddharta (Sit-ta-ta gesprochen).

Der Buddhismus kam vor Jahrhunderten, "verknüpft” mit dem Hinduismus, von Indien nach Thailand. Durch die Ausbreitung des Glaubens aus Indien, ob Buddhismus oder Hinduismus, sind einige Ursprünglichkeiten verloren gegangen. Selbst in Indien, dem Ursprungsland, sind Traditionen und Glaube der Hinduisten von Ort zu Ort unterschiedlich. Die Menschen ändern und fügen oft ihre eigene Denkweise hinzu, um sie so der Tradition der jeweils einheimischen Länder anzupassen. So wurde in "Buddhas Geschichte in Thailand” erzählt, dass er von vier Hindugöttern eingeladen worden war, auf die Erde zu kommen, um die Menschen zu belehren. Diese vier Hindugötter heissen: Indra, Bhrama, Narai und Wisnu. Sie haben nicht nur Buddha vom Dusit-Himmel bis zur Erde begleitet, sondern blieben auch während der Zeit seines Lebens anwesend.

Buddha wollte sich ganz einfach kleiden, ohne den Körper zu verschönern. Stoffe waren damals selten zu finden – eine Textilindustrie wie heute gab es damals noch nicht. Er nahm die Stoffreste, die zum Umhüllen der Leichen benutzt worden waren, und sterilisierte sie durch Kochen. Damit die Flecken unsichtbar wurden, färbte er den Stoff mit safrangelber Baumrinde, die er im Wald fand. Seine Anhänger sollten dies auch machen. Bis heute tragen die buddhistischen Mönche immer noch diese safranfarbige Robe, weil man die Ursprünglichkeit beibehalten will.

Damit die Mönche sich nicht zu sehr mit ihrem Dasein beschäftigen wie: Was essen wir denn heut - und wie kleiden wir uns morgen? hat Buddha folgende Regelung angeordnet:

Sind die Mönche als Pilger unterwegs, in einer unbewohnten Gegend, müssen sie mit einer Mahlzeit auskommen, je nachdem, was sie auf dem Weg finden wie Früchte oder essbare Pflanzen. Sind sie in der Stadt, so dürfen sie zweimal am Tag essen, früh morgens und mittags um 11 Uhr. Ab 12 Uhr sind keine Speisen mehr erlaubt, nur noch alkoholfreie Getränke, damit man nicht müde und schläfrig wird (Der Kopf wird zum Arbeiten zu faul, weil der Körper sich ja ganz mit der Verdauung beschäftigt.). Ein buddhistischer Mönch erlernt die Tugend eines asketischen Lebens, das frei von materiellem Besitz ist. Ausser der gelben Robe, der schwarzen Speiseschale, der Umhängetasche aus Stoff und einem Regenschirm darf der Mönch nichts besitzen.

Es ist in Thailand üblich, dass auf dem Tempelgelände oft auch Schulen gebaut sind, und die Mönche haben die Aufgabe, den Kindern die buddhistische Lehre zu vermitteln. Im Tempel selbst hält der ranghöchste Mönch an jedem Tag des sich verändernden Mondes eine Predigt (Viermal im Monat: Vollmond, abnehmender Mond, Neumond, zunehmender Mond.). Da die buddhistische Lehre unabschätzbare, wertvolle Kenntnisse beinhaltet (die vier goldenen Wahrheiten - Ariyasat 4), die gleichzeitig als Nahrung für die Menschenseele dienen, werden die Mönche hoch verehrt. Für den Unterricht zur Seligkeit gibt es kein Honorar; Mönche entsagen dem irdischen Leben und brauchen kein Gehalt. Sie dürfen weder verlangen noch fordern, weder aussuchen noch ablehnen. Daher glauben die Thais, wenn sie den Mönchen das Essen geben, erwerben sie einen ganz besonders hohen Verdienst, denn dadurch kann der Buddhismus weiter existieren. Ausländer kennen diese Denkart der Thailänder nicht, sie sehen dies als "Bettelmönche mit ihren Almosenschalen” an. In der Tat ist es umgekehrt: Die Gläubigen bitten die Mönche, die ihnen angebotene Speise anzunehmen, um dafür Segen zu erhalten. Es gibt in Thailand keine Steuer für religiöse Zwecke wie die Kirchensteuer in Deutschland); die Mönche leben ausschliesslich von den Opfergaben.

Viele westliche Menschen betrachten Buddha als egoistisch, weil er Frau und Sohn in seinem Palast verlassen hat, als er in die Wälder ging, um nach der Wahrheit zu suchen. Die grossen Lehrer haben sich immer schon von der Welt zurückgezogen – zurück in die Einsamkeit. Sie führten ein sehr einfaches Leben, verbrachten ihr Dasein in einer unkomplizierten Leichtigkeit. Für Buddha war damals die Zeit reif. Er fühlte sich als Lichtbringer verpflichtet, an andere Orte zu gehen, um das wahre Glück zu finden. Nach seiner Erleuchtung (sechs Jahre danach) besuchte er Eltern, Frau und Sohn, und später gingen alle seine Familienmitglieder auch in die Erleuchtung. Somit war Buddha für seine Familie ein grosser Segen.

Die Erleuchteten besitzen kosmische Intuition – die universelle Botschaft in der eigenen ätherischen Datenbank, bei der man alle Informationen abrufen kann. Diese zeitlose und grenzenlose Allwissenheit (Astralgedächtnis) heisst in der Palisprache "Sap-pan-yu”. Die Erleuchteten haben eine aussergewöhnlich natürliche Schönheit; besonders die Haut, die auffallend leuchtet. Sie sind mit den Lichtkräften des gesamten Kosmos verbunden und haben keine Gemütsbewegungen mehr. Das heisst, sie sind nicht erregbar durch irdische Reize wie Wut, Angst, Trauer, Habgier, Machtgier, Unzufriedenheit, sexuelle Ge-lüste etc. Ein Mensch in solchem Zustand hat eine besondere Ausstrahlung, von der universellen Liebe aus fliessen ihre Schwingungen harmonisch in der Aura. Sogar die wilden Tiere wie Tiger und Löwen, die Buddha im Wald begegneten, wurden gleich zahm und verhielten sich zu ihm wie Haustiere, statt ihn zu zerfleischen. Anscheinend wurden sie wohl von der kosmischen Vibration "massiert”, und es tat ihnen so gut, dass sie den Hunger vergassen.

Buddha sprach oft von Engeln (Thewada), die sich manchmal im Traum offenbaren, um den Menschen etwas auszurichten. Der Erleuchtete erklärte die Bearbeitung des Menschenbewusstseins in verschiedenen Situationen wie beim Einschlafen, beim Träumen, vor dem Sterben, nach der Befruchtung im Mutterleib etc. Für jeden Bewusstseinszustand, in dem sich ein Mensch befindet, gibt es in der Palisprache eine theologische Benennung – und dies sogar mit Zahlenangaben! Ob jemand Buddhas Lehre versteht oder nicht, hängt davon ab, wie schwer sein Karma ist, das er noch aufzulösen hat. Denn bestimmte Schulden von Karma versperren den Weg zur spirituellen Kenntnis. (wie Engherzigkeit oder Vorurteil.)

Im Buddhismus wird nicht über die Schöpfung gesprochen. Buddha hat abgeraten, vom Thema "Achintei” zu reden, denn es führt nicht zur Erlösung des Leidens, sondern bringt eher sinnlose Argumente. Achintei bedeutet soviel wie endlose Fragen stellen ohne Ziel, ganz besonders darüber Planeten zu ergründen, ins Jenseits zu schauen, über Themen also, von denen man selbst keine Ahnung hat, auch wenn man eine endgültige Antwort bekommen würde. Der Erleuchtete erklärte dies in einem Gleichnis etwa so:

"Erzähle ich den Vögeln von den Fischen im Fluss, so ist es für die Vögel unvorstellbar, wie man da im Wasser leben kann. Genau umgekehrt können die Fische auch nicht verstehen, wie es denn möglich ist, in der Luft zu leben. Hier, schau mal, in meiner Hand sind nur vier bis fünf Mangoblätter. Aber im Obstgarten gibt es Tausende von Mangobäumen – das Wissen, das ich euch gebe, gleicht nur einer Handvoll Mangoblätter in den Obstgärten. Und dies reicht, um eure Seele schrittweise zu entwickeln. Ihr müsst nicht alles gleich jetzt wissen!” Damit meinte Buddha, der Mensch soll das Wissen holen, das er tragen kann – in passender Menge. Man soll die Informationen suchen, aus denen man etwas Anständiges lernen kann. Viel Wissen konsumieren und damit doch nichts Gescheites anfangen zu können, bringt eher Angst und Verwirrung.

Duangdee K. (Khun Daeng)

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