CHUMPHON/RANONG: Die thailändische Regierung will das milliardenschwere Land-Bridge-Großprojekt in seiner bisherigen Form aufgeben. Eine von der Regierung eingesetzte Prüfungskommission kam zu dem Schluss, dass das Vorhaben aufgrund wirtschaftlicher, betrieblicher und ökologischer Risiken nur geringe Erfolgsaussichten habe. Die Ergebnisse sollen nun Premierminister Anutin Charnvirakul und dem Kabinett zur Entscheidung vorgelegt werden.
Den Vorsitz der Kommission führte Vizepremier- und Finanzminister Ekniti Nitithanprapas. Er erklärte am Freitag (24. Juli 2026), dass die Überprüfung innerhalb der vom Premierminister gesetzten Frist von 90 Tagen abgeschlossen worden sei. Die Kommission empfehle, das Projekt in seiner ursprünglichen Ausgestaltung zu beenden. Finanzielle Verluste seien dem Staat bislang nicht entstanden, da weder Grundstücke erworben noch Bauarbeiten begonnen worden seien.
Globale Krisen bremsen das Projekt
Nach Angaben der Kommission habe sich die wirtschaftliche Ausgangslage seit der ursprünglichen Planung deutlich verschlechtert. Als Gründe wurden die anhaltenden Folgen der Covid-19-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie die Spannungen im Nahen Osten genannt, die weltweit zu größerer wirtschaftlicher Unsicherheit geführt hätten.
Das auf rund eine Billion Baht veranschlagte Land-Bridge-Projekt sah den Bau zweier Tiefseehäfen, einer zweigleisigen Eisenbahnstrecke, neuer Autobahnen sowie von Industriegebieten vor. Geplant war ein Transportkorridor zwischen Ranong an der Andamanensee und Chumphon am Golf von Thailand, um den Güterverkehr ohne den Umweg durch die Straße von Malakka abzuwickeln.
Rendite fällt deutlich geringer aus
Danucha Pichayanan, Generalsekretär des Nationalen Wirtschafts- und Sozialentwicklungsrats (NESDC) und Leiter der Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Finanzen, erklärte, dass die überarbeitete Studie eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftlichkeit ergeben habe. Die erwartete Rendite sei von ursprünglich acht Prozent auf 4,8 Prozent gesunken. Gleichzeitig habe sich der Kapitalwert (Net Present Value) von einem erwarteten Plus von 637,7 Milliarden Baht auf einen negativen Wert von 10,3 Milliarden Baht verschlechtert.
Zudem werde inzwischen mit einem Rückgang des Containeraufkommens um 15 bis 16 Prozent gerechnet, wodurch die Erträge um rund 38 Prozent sinken würden. Nach Angaben der Kommission hätten bereits neun der zehn größten Reedereien der Welt in vergleichbare Infrastrukturprojekte investiert, wodurch die Chancen, ausreichende Frachtmengen für das thailändische Projekt zu gewinnen, erheblich gesunken seien.
Betriebskosten höher als erwartet
Auch der geplante Betrieb wurde kritisch bewertet. Das Konzept sehe mehrere Umladevorgänge zwischen Schiff, Lastwagen und Bahn vor. Die ursprüngliche Annahme, Güter innerhalb von drei Tagen umschlagen zu können, berücksichtige weder mögliche Verzögerungen noch betriebliche Risiken und tatsächliche Betriebskosten ausreichend.
Hinzu kommen erhebliche Umweltbedenken. Vertreter des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Umwelt verwiesen darauf, dass die geplante Trasse durch Waldgebiete, Gebirgslandschaften und ökologisch besonders sensible Regionen verlaufen würde. Besonders betroffen wäre die Provinz Ranong mit dem größten Mangrovenwald des Landes, einem UNESCO-Biosphärenreservat und international anerkannten Feuchtgebieten. Dort könnten Meeresökosysteme, seltene Tierarten, die Fischerei sowie Küstengemeinden beeinträchtigt werden.
Umweltgutachten mit erheblichen Lücken
Nach Auffassung der Kommission weisen auch die bisherigen Umweltverträglichkeitsprüfungen erhebliche Lücken auf. Insgesamt sieben Einzelgutachten dreier Behörden bewerteten jeweils nur Teilbereiche des Projekts, ohne die Gesamtauswirkungen zusammenhängend zu untersuchen. Zudem berücksichtige die strategische Umweltprüfung aus dem Jahr 2016 den inzwischen vorgesehenen Trassenverlauf nicht.
Trotz des geplanten Aus für die Land Bridge kündigte Ekniti an, die Verkehrsanbindung an der Andamanenküste weiter auszubauen. Nach Regierungsangaben werden noch immer mehr als 34 Prozent der Exporte aus Südthailand über Nachbarländer abgewickelt. Gleichzeitig erwartet die Regierung ein weiteres Wachstum des Handels mit Indien, dem Nahen Osten und Europa.