BANGKOK: Die thailändische Regierung hat nach eigenen Angaben in den vergangenen neun Monaten rund 30.000 Betrüger festgenommen, Vermögenswerte im Wert von etwa 24 Milliarden Baht beschlagnahmt und gegen 1.450 mutmaßliche Nominee-Unternehmen rechtliche Schritte eingeleitet. Die Bilanz wurde am Montag (22. Juni 2026) im Government House von Premierminister und Innenminister Anutin Charnvirakul vorgestellt.
Anutin erklärte, dass die Bekämpfung von Online-Betrug und sogenannten Nominee-Geschäften Teil der nationalen Agenda seiner Regierung sei. Die verstärkten Maßnahmen gegen die kriminellen Netzwerke hätten vor neun Monaten begonnen und bereits deutliche Erfolge gezeigt. Nach Angaben des Premierministers seien sowohl die Zahl der Betrugsfälle als auch die entstandenen Schäden erheblich zurückgegangen.
Betrugsfälle deutlich rückläufig
Wie das Royal Thai Police Office mitteilte, sank die Zahl der gemeldeten Betrugsfälle im Vergleich zum Oktober vergangenen Jahres um 69,2 Prozent. Der durch Betrugsdelikte verursachte finanzielle Schaden ging demnach sogar um 87,3 Prozent zurück. Insgesamt wurden 29.233 mutmaßliche Betrüger sowie rund 70 Anführer von Betrügerbanden festgenommen. Darüber hinaus beschlagnahmten die Behörden Vermögenswerte und Bargeld im Gesamtwert von etwa 24 Milliarden Baht.
Die Regierung holte zudem 1.862 thailändische Staatsangehörige aus mutmaßlichen Betrugszentren in den Nachbarländern zurück. Rund 68 Prozent der Betroffenen wurden aus Kambodscha und etwa 32 Prozent aus Laos nach Thailand gebracht. Gleichzeitig wurden 2.489 Thailänder festgenommen, die illegal die Grenze überquert hatten und mit insgesamt 1.031 Betrugsfällen in Verbindung gebracht werden.
Betrugszentren im Visier der Behörden
Nach der Zerschlagung von Betrugszentren in den Gebieten KKPark und Minletpan in Myanmar schoben die Behörden außerdem 2.647 Ausländer ab, die sich illegal in Thailand aufgehalten hatten. Nach Angaben der Regierung wurden zudem rund 60 mutmaßliche Standorte von Betrugszentren in Kambodscha, Laos und Myanmar identifiziert.
Das Anti Cyber Scam Centre der Regierung konnte nach eigenen Angaben 862 Menschen vor der Verschleppung durch Betrügerbanden bewahren. Darüber hinaus wurden mehr als 300.000 von Betrügern genutzte Telefonnummern gesperrt. Die Zahl der monatlichen Betrugsanrufe ging dadurch um 77,94 Prozent zurück. Zudem blockierten die Behörden 122.840 betrügerische Internetadressen, davon 108.517 auf Facebook.
Milliarden an Opfer zurückgeführt
Im Finanzbereich wurden 351.884 sogenannte Mule-Accounts geschlossen, die zur Verschleierung von Geldflüssen genutzt worden waren. Die Behörden konnten dabei rund 3,6 Milliarden Baht an Opfer zurückführen, was etwa einem Viertel des gemeldeten Gesamtschadens entspricht. Die Zahl der genutzten Konten ging um 83,67 Prozent zurück, während die Transaktionen über solche Konten um 81,39 Prozent sanken.
Parallel dazu intensivierten die Behörden die Ermittlungen gegen mutmaßliche Nominee-Unternehmen in den südlichen Provinzen Krabi, Phang Nga, Phuket und Surat Thani. Dabei wurden insgesamt rund 130 Rai Land von illegalen ausländischen Nutzern zurückgewonnen. Der geschätzte Wert der Grundstücke und darauf befindlichen Gebäude beläuft sich auf etwa 1,67 Milliarden Baht.
Ermittlungen gegen Nominee-Firmen
Auf Koh Phangan wurden 243 mutmaßliche Nominee-Unternehmen überprüft. Gegen 105 Firmen wurden bereits rechtliche Schritte eingeleitet, während in 14 Fällen bereits Gerichtsurteile ergangen sind. Darüber hinaus stehen 401 Unternehmen in Krabi, 174 in Phang Nga und 632 in Phuket im Verdacht, als Nominee-Konstruktionen betrieben zu werden.
Im Zusammenhang mit Verstößen gegen die Vorschriften zu Nominee-Unternehmen erwirkten die Ermittler Haftbefehle gegen 29 Thailänder und 67 Ausländer. Festgenommen wurden bislang 24 Thailänder sowie 41 Ausländer. Unter den Beschuldigten befinden sich Staatsangehörige Israels, Frankreichs, Russlands, Polens, der Schweiz, Südafrikas und Großbritanniens.