BANGKOK: Thailand will die Ermittlungen gegen ein mutmaßliches internationales Heroinschmugglernetzwerk nach der Festnahme einer thailändischen Flugbegleiterin der Fluggesellschaft Thai Airways International (THAI) in Australien zu einem Sonderfall erklären.
Nach Angaben des Office of the Narcotics Control Board (ONCB) soll der Fall an das Department of Special Investigation (DSI) übergeben werden. ONCB-Generalsekretär Pol. Maj. Suriya Singhakamol erklärte, dass die Dimension der mutmaßlichen Organisation mit Rekrutierung, Verpackung, Transport und Verteilung in mehreren Ländern die Voraussetzungen für Ermittlungen gegen ein grenzüberschreitendes organisiertes Verbrechensnetzwerk erfülle.

Die 26-jährige Flugbegleiterin Meena war am 25. Juni 2026 am Flughafen Melbourne mit knapp einem Kilogramm Heroin festgenommen worden. Nach Angaben der Ermittler wird ihr Mobiltelefon derzeit von einer australischen Spezialabteilung forensisch ausgewertet. Die darauf gespeicherten Daten gelten als entscheidend, um Kommunikationswege und Kontakte innerhalb des Netzwerks im Ausland nachzuvollziehen.
Empfängerin in Melbourne identifiziert
Nach Angaben von Kanisorn Papeeranon, Leiter der ONCB-Abteilung zur Drogenbekämpfung, konnten die Ermittler inzwischen eine mutmaßliche Empfängerin in Melbourne identifizieren. Die Frau mit dem Decknamen „Dear“ soll die Drogenlieferung übernehmen. Nach bisherigen Erkenntnissen bestand die Sendung aus zwölf bestickten Stofftaschen mit Elefantenmotiv aus dem OTOP-Programm. In einer Tasche wurde Heroin entdeckt, eine weitere wird noch untersucht.
Die Lieferung soll über ein Facebook-Konto mit dem Namen „Rose Rose“ organisiert worden sein. Die Flugbegleiterin habe den Auftrag erhalten, die Taschen als vermeintliche OTOP-Waren nach Australien zu transportieren. Dafür seien ihr nach Angaben von Pol. Lt. Gen. Theeradej Thamsuthee, stellvertretender Kommandeur der Metropolitan Police, 3.400 Baht versprochen worden.

Nach Einschätzung der Ermittler sollte die Übergabe in einem Hotel in Melbourne erfolgen. Konkrete Kontaktdaten der Empfängerin konnten bislang jedoch nicht bestätigt werden, da wichtige digitale Beweismittel noch fehlen. Australische Behörden gehen zudem davon aus, dass zwei bis drei weitere thailändische Staatsangehörige zu einem Netzwerk von Empfängern gehören könnten.
Die Ermittlungen werden durch die Aufteilung der Zuständigkeiten in Australien erschwert. Während die Australian Border Force die Drogen sicherstellte und die Australian Federal Police die strafrechtlichen Ermittlungen führt, erfolgt die Auswertung elektronischer Geräte durch eine separate forensische Einheit. Nach Angaben der thailändischen Ermittler verzögert diese Struktur die Übermittlung wichtiger digitaler Beweise.
Weitere Heroinfunde in Bangkok
Parallel zu den Ermittlungen führten ONCB und Polizei mehrere Razzien in Bangkok durch und stellten größere Mengen Heroin sicher, die nach Einschätzung der Behörden mit demselben Schmuggelmuster in Verbindung stehen. Im Bereich Bang Khen-Lak Si entdeckten die Beamten mehr als acht Kilogramm Heroin, das in dekorativen Stoffwandbehängen versteckt war. Bei einer weiteren Durchsuchung in der Soi Rang Nam wurden rund neun Kilogramm Heroin sichergestellt, das in Winterjacken und kommerziellen Kaffeeverpackungen für den Versand nach Australien verborgen worden war.

Bei einer dritten Razzia im Stadtteil Ramkhamhaeng fanden die Ermittler 6,23 Kilogramm Heroin, das in rosafarbenen Kleidungsstücken aus Thai-Seide mit Ziel Taiwan eingearbeitet war. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde das Heroin außerhalb Thailands, vermutlich in Laos, zu dünnen Platten verarbeitet und vollständig verpackt, bevor es über die Grenze geschmuggelt wurde.
Weitere Festnahmen im Netzwerk
Am Donnerstag (2. Juli 2026) nahmen die Behörden einen 43-jährigen Thailänder und seine 42-jährige Ehefrau aus Laos fest. Das Paar soll bereits fertig verpackte Sendungen aus dem Grenzbezirk Chiang Khan in der Provinz Loei nach Bangkok transportiert haben und gilt als wichtiges Bindeglied innerhalb der Lieferkette.
Der Mann gestand nach Angaben der Ermittler, sechs Transporte für einen laotischen Auftraggeber durchgeführt und dafür jeweils 8.000 Baht erhalten zu haben. Darunter habe sich auch das Paket befunden, das an die Flugbegleiterin geliefert worden sei. Seine Ehefrau bestreitet jede Beteiligung.
Bereits am Vortag war zudem ein 59-jähriger Mann aus der Provinz Ayutthaya festgenommen worden. Er soll das Paket zur Wohnung der Flugbegleiterin in Bangkok gebracht haben. Nach eigenen Angaben war er von einem ausländisch aussehenden Mann beauftragt worden. Die Ermittler bringen ihn außerdem mit einer weiteren Lieferung innerhalb Bangkoks in Verbindung.
Nach Angaben des ONCB richtet das Netzwerk seine Rekrutierung gezielt auf Personengruppen, denen besonderes Vertrauen entgegengebracht wird oder die als leicht beeinflussbar gelten. Dazu zählen Flugpersonal, Studenten, Touristen sowie Personen, die im Internet freie Gepäckkapazitäten anbieten. Die Kuriere erhielten bereits fertig verpackte Sendungen, die als legale Waren getarnt seien, um Kontrollen an Flughäfen zu erschweren.
Die Behörde sieht deutliche Parallelen zu großen Heroinschmuggelfällen aus den Jahren 2023 und 2024 in der Provinz Samut Prakan sowie zu einer Sicherstellung vom 27. März 2026 in Chachoengsao, bei der eine weitere Flugbegleiterin mit mehr als 20 Kilogramm Heroin festgenommen worden war. Nach Einschätzung des ONCB handelt es sich um ein seit Jahren aktives und anpassungsfähiges internationales Schmugglernetzwerk, das gezielt Flugpersonal einsetzt und Drogen in Textilien versteckt.
Regierung plant weitere Maßnahmen
ONCB-Generalsekretär Suriya erklärte, dass Ministerpräsident Anutin Charnvirakul kurzfristig ein Treffen im Government House mit Vertretern des ONCB vorbereite. Dabei sollen zusätzliche Maßnahmen gegen Schmuggelnetzwerke im Luftverkehr beschlossen werden. Vorgesehen sind unter anderem strengere Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen im Luftfahrtsektor, eine Verringerung möglicher Anwerberisiken sowie eine intensivere internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden.
Während die Ermittlungen fortgesetzt werden, bleibt die Flugbegleiterin bis zu ihrem nächsten Gerichtstermin am 14. September 2026 in Australien in Untersuchungshaft.