Heroin-Empfängerin teilweise identifiziert

Thailand und Australien intensivieren Ermittlungen

Das sichergestellte Heroin war in einer Stofftasche mit Thailand-Motiv verborgen. Bild: Australian Federal Police (AFP)
Das sichergestellte Heroin war in einer Stofftasche mit Thailand-Motiv verborgen. Bild: Australian Federal Police (AFP)

BANGKOK/MELBOURNE: Nach dem Fund von 1,8 Kilogramm Heroin im Gepäck einer thailändischen Flugbegleiterin von Thai Airways International (THAI) am Flughafen Melbourne haben die Ermittlungen in Thailand und Australien neue Erkenntnisse geliefert.

Nach Angaben des thailändischen Büros zur Bekämpfung von Betäubungsmitteln (ONCB) konnte die mutmaßliche Empfängerin der Drogen teilweise identifiziert werden. Sie soll unter dem Spitznamen „Dear“ bekannt sein. Die Drogen sollten laut den australischen Ermittlern an ein Hotel geliefert werden. Ob es sich bei der Frau um eine Thailänderin oder eine Ausländerin handelt, ist bislang unklar.

Erster Gerichtstermin im September

Die 26-jährige Flugbegleiterin war vergangenen Donnerstag (25. Juni 2026) am Flughafen Melbourne festgenommen worden, nachdem Beamte des Australian Border Force 1,8 Kilogramm Heroin entdeckt hatten. Die Drogen waren in zwei von insgesamt zwölf Stofftaschen mit Elefantenmotiv versteckt. Die Frau befindet sich in Untersuchungshaft und muss sich am 14. September 2026 erstmals vor Gericht verantworten. Im Falle einer Verurteilung wegen Drogenschmuggels drohen ihr bis zu 25 Jahre Haft.

Nach Angaben des ONCB hatte die Frau zuvor über einen Online-Chat mit einer Person, die unter dem Namen „Rose Rose“ auftrat, vereinbart, die zwölf Taschen gegen eine Bezahlung von 8.800 Baht nach Australien zu transportieren. Sie erklärte den Ermittlern, dass eine Kontaktperson von „Rose Rose“ das Paket später in einem Hotel in Melbourne übernehmen sollte. Das Mobiltelefon der Flugbegleiterin wird derzeit ausgewertet, um weitere Hinweise auf die Hintermänner zu erhalten.

Suche nach mutmaßlichem Grab-Fahrer

Die thailändischen Behörden versuchen zudem, den Fahrer eines Fahrzeugs zu identifizieren, der das Paket am 22. Juni 2026 zu der Wohnanlage der Frau in Bangkok brachte. Der Mann hatte sich gegenüber dem Sicherheitspersonal als Fahrer des Fahrdienstvermittlers Grab ausgegeben. Da das Paket weder Absender noch Anschrift trug, werten die Ermittler Überwachungskameras aus und prüfen zugleich, ob der Mann tatsächlich für Grab tätig war.

Parallel dazu arbeitet das ONCB mit dem US-amerikanischen Drogenermittlungsdienst DEA sowie mit Meta zusammen, um den inzwischen gelöschten Facebook-Account „Rose Rose“ einer Person zuzuordnen.

Schmuggelroute wird rekonstruiert

Nach Angaben der ONCB-Sprecherin Areepak Ngernbumrung stammt das sichergestellte Heroin nicht aus Thailand. Das Land werde von internationalen Schmugglernetzwerken regelmäßig als Transit- und Umschlagplatz genutzt, bevor Drogen in andere Staaten weitergeleitet würden. Gemeinsam mit den australischen Behörden werde deshalb die gesamte Lieferkette rekonstruiert.

Ministerpräsident Anutin Charnvirakul äußerte sich unterdessen deutlich zu dem Fall. Er erklärte, die Flugbegleiterin müsse gewusst haben, dass sie Drogen transportiere. Der Schmuggelversuch sei „äußerst kurzsichtig und nicht klug“ gewesen, da an australischen Flughäfen sämtliches Gepäck routinemäßig mit Spürhunden kontrolliert werde. Ermittler betonen hingegen, dass bislang noch nicht abschließend geklärt sei, ob die Frau von dem Inhalt der Taschen wusste.

Weitere Heroinfunde in Thailand

Unabhängig von diesem Fall stellte das ONCB weitere 24,4 Kilogramm Heroin sicher, die in Paketen mit Ziel Australien und Taiwan versteckt waren. Die Sendungen stammten aus der Provinz Loei und stehen nach Angaben der Behörden mit einem anderen Schmuggelnetzwerk in Verbindung. Nach Angaben der Ermittler sollen die für Australien bestimmten Sendungen von einem wegen Betrugs gesuchten Thailänder gesteuert worden sein, der sich vermutlich in Australien aufhält.

Bereits im Mai hatten Ermittler auf Phuket sechs Kilogramm Heroin abgefangen, die in Seidenblusen eingenäht waren. Die Sendung war an einen thailändischen Flugbegleiter adressiert, der im Internet Kurierdienste angeboten hatte. Er erklärte damals, nichts von den versteckten Drogen gewusst zu haben.

Überzeugen Sie sich von unserem Online-Abo:
Die Druckausgabe als voll farbiges PDF-Magazin weltweit herunterladen, alle Artikel vollständig lesen, im Archiv stöbern und tagesaktuelle Nachrichten per E-Mail erhalten.
Pflichtfelder

Es sind keine Kommentare zum Artikel vorhanden, bitte schreiben Sie doch den ersten Kommentar.


Sind Sie bereits Online-Abonnent? Lesen Sie die vollfarbige PDF-Ausgabe DER FARANG.