In diesem Jahr feiert das Goethe-Institut sein 50-jähriges Bestehen. Mit Hauptsitz in München agiert die öffentliche Einrichtung bereits seit 1951, weltweit dann auch seit 1959. Auch wenn das Institut als öffentlich eingetragener Verein keinerlei politischen Weisungen untersteht, so hat es doch aufgrund des Rahmenvertrags mit dem Auswärtigen Amt in Berlin eine Vielzahl an öffentlichen Aufträgen zu erfüllen. Die Schwerpunkte liegen hier bei der Förderung der deutschen Sprache, der Unterstützung des internationalen Dialogs und der Vermittlung eines fundierten Basiswissens über Deutschland. Die genaue Umsetzung allerdings obliegt der Entscheidung des Goethe-Instituts in Bangkok selbst.
Die Aufgabenvielfalt erstreckt sich weiterhin noch deutlich über das vermutlich vielen bekannte Angebot der Deutschkurse und der Prüfung hinaus. Deutschleh-rerfortbildungen, beratende Tätigkeiten für das Erziehungsministerium und unzählige Projekte und Fördermaßnahmen in den Bereichen Musik, Film, Tanz und Wissenschaften gehören zu den Maßnahmen der Verantwortlichen und der Mitarbeiter. Die Erweiterung um die Themengebiete Kultur und Konflikt sowie Kultur und Klima stecken zwar noch in den Kinderschuhen, gelten jedoch als wichtige Konzepte für die zukünftige Arbeit der Institution.

EU-Regelung sorgt für steigende Nachfrage
Dass das Lernen der deutschen Sprache nun nicht mehr nur aus Gründen der Verständigung, sondern auch aus rein bürokratischen für Migranten aus Thailand von großer Bedeutung geworden ist, dürfte nach der neuen EU-Regelung, die im Sommer 2007 in Kraft trat, auf der Hand liegen. Diese besagt, dass nur derjenige nach Deutschland auswandern darf, der die Deutschprüfung Start Deutsch 1 besteht und ein entsprechendes Zertifikat von einer dazu bevollmächtigten Institution erhält. Diese notwendigen Vorkenntnisse sollen der Vorintegration dienen, damit der Bildung von Subkulturen in der deutschen Gesellschaft vorgebeugt werden kann. Die anerkannte Prüfungsabnahme kann allerdings ausschließlich von drei Einrichtungen vorgenommen werden, und dies sind das Goethe-Institut, das österreichische Außenministerium sowie die Volkshochschulen in Deutschland. In Thailand vertreten ist jedoch lediglich das Goethe-Institut Thailand in Bangkok, da der bestehende Bedarf zwar wachsend ist, aber dennoch die Ansiedlung weiterer Einrichtungen dieser Art noch nicht nötig macht.

Vertreter des Instituts reisen zur Prüfungsabnahme beispielsweise nach Phuket und Chiang Mai. "In Planung ist auch eine noch intensivere Arbeit in Pattaya, so dass dort mehr Termine angeboten werden können", so Dr. Norbert Spitz, Direktor des Goethe-Instituts in Bangkok. Zurzeit müssen die Prüfer noch den Fahrweg antreten, sobald die Sprachschulen ausreichend Prüflinge haben, die zum Test antreten wollen. Denn die Teilnahme steht jedermann zu, somit auch denjenigen, die den Deutschkurs nicht an dem Bangkoker Institut absolviert haben, sondern eine beliebige Sprachschule besucht haben.
Ursprünglich zählten vor allem Studenten und junge Berufssuchende zu der Klientel des Instituts, doch auch immer mehr junge Frauen aus den ländlichen Gebieten zeigen sich an der deutschen Sprache und dem deutschen Kulturgut interessiert. Eine weitere Gruppe bilden thailändische Ehegatten und frauen deutscher Staatsangehöriger, die in das europäische Heimatland ihrer Partnerin oder ihres Partners umsiedeln möchten.

Durchfallrate sinkt jährlich
Die Durchfallrate insgesamt hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen, was vornehmlich den zunehmend qualifizierten und besser ausgestatteten Sprachschulen, aber auch der permanenten Arbeit und Entwicklung neuer innovativer Lernkonzepte durch das Institut zugeschrieben wird. Während im Jahr 2009 noch 31 Prozent der Prüflinge den A1-Test nicht erfolgreich ablegen konnten, so waren es in der ersten Hälfte dieses Jahres nur noch 28 Prozent.
Die zumeist lernungewohnten jungen Kursbesucher aus den ländlichen Gebieten und damit eher bildungsfernen Schichten erfahren im Goethe-Institut eine besondere "Lernbehandlung". Eigens dafür wurde ein neues Format mit definierten Inhalten geschaffen, welches den Einstieg in das Erlernen einer fremden Sprache für den Teilnehmer oder die Teilnehmerin zu vereinfachen versucht.
Das Gesamtkonzept bleibt bestehen
Es wird zwar im Gesamtkonzept betrachtet, inhaltlich noch genau dasselbe vermittelt wie in allen bisher angebotenen Schulungen, aber die Strukturierung und der Verlauf der Unterrichtseinheiten wurde verändert und auf die neue Klientel angepasst. Die Lehrer bauen nun deutlich mehr Übungseinheiten in die Unterrichtsstunden mit ein, damit das Gelernte gefestigt wird und in Fleisch und Blut übergehen kann. Die Gruppen, bestehend aus mindestens acht Schülern, treffen sich in einem zwei Monate andauernden Intensivkurs täglich, um gemeinsam zu lernen und danach noch zwei- oder dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von vier Wochen, um sich vorzubereiten. Ein Teil der Schülerschaft, durchschnittlich 20 Prozent der späteren A1-Absolventen, nimmt parallel zu den Sprachkursen ebenfalls an einem Alphabetisierungskurs für die lateinische Schrift teil.

Die Trainer und Seminarleiter, allesamt deutscher und thailändischer Nationalität, geben ihr Wissen und ihre fachliche Kompetenz in Sachen Deutschland und der deutschen Sprache seit geraumer Zeit auch nicht mehr nur an die Besucher der Sprachkurse weiter, die das Goethe-Zertifikat für die A1-Prüfung erwerben wollen, sondern auch an interessierte thailändische Lehrer. Seit 2009 offeriert die öffentliche Einrichtung in Bangkok nämlich auch eine Deutschlehrerfortbildung mit dem sogenannten "Grünen Diplom" als Abschluss. Dieses Diplom stellt eine weltweit akkreditierte Qualifikation für das Lehren der Fachrichtung "Deutsch als Fremdsprache" dar und richtet sein Augenmerk besonders auf die Ausbildung von Deutschlehrern, die an thailändischen Institutionen eingesetzt werden können. Hier hat das Lehrpersonal sowohl die Möglichkeit, seine Deutschkenntnisse zu optimieren als auch die wesentlichen europäischen Standards des Unterrichtens vermittelt zu bekommen.
Kulturförderung gehört ebenso dazu

Weiterhin bindet sich das Goethe-Institut aktiv in die Förderung von Kultur und Lebensqualität mit ein. In dem kulturellen Bereich Musik klingt den meisten der Beethoven-Wettbewerb in den Ohren. Bei diesem jährlichen Ereignis erhalten junge und talentierte Musiker die Gelegenheit, öffentlich ihre Kunst zu präsentieren und sich in ihren Altersgruppen untereinander zu messen. Im vergangenen Jahr stand die Veranstaltung ganz unter dem Stern der Pianisten, und die Erstplatzierten Han Nah Son und Gun Chaikittiwatana wurden eingeladen, beim Beethovenfest in Bonn aufzutreten. Im Spätsommer 2010 ist der Wettbewerb für Streicher ausgerichtet und spricht begabte Jungmusiker dieser Instrumentengruppe an.
Auch das Wissenschaftsfilmfestival steht diesen November noch auf dem Programmplan. Dafür haben die Veranstalter mehr als 170 Filme aus 24 Ländern erhalten, von denen 47 ausgewählte filmische Werke an Veranstaltungsorten in ganz Thailand bei dem Festival vom 16. bis zum 30. November gezeigt werden.
Informationen zum Goethe-Institut sowie den Projekten und Veranstaltungen auf der Webseite www.goethe.de/bangkok.
Tina Oerlecke
Die Prüfung Start Deutsch 1 wurde vom Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit der telc GmbH, einem Tochterunternehmen des Deutschen Volkshochschul-Verbands e. V., entwickelt.
Der Test besteht aus einer 65-minütigen schriftlichen Einzelprüfung, die sich aus den Teilen Hör- und Leseverstehen sowie schriftliche Ausdrucksfähigkeit zusammensetzt, und einer viertelstündigen mündlichen Gruppen- oder auch Paarprüfung.
Ein Prüfungsbeispiel für den Ehegattennachzug unter www.goethe.de/lrn/pro/sd1/deindex.htm.