RATCHABURI: Sie waren früher in ländlichen Regionen in jedem Haus zu finden: Die großen Tongefäße aus Ratchaburi. Heute gibt’s nur noch eine Manufaktur, die sie herstellt.
Oft steht heutzutage in den meisten ländlichen Gegenden ein großer Plastikpot – er dient zum Sammeln des Wassers, das danach zum Duschen oder für den Garten verwendet wird. Thailand mag zwar heiß sein, aber es ist auch ein Land mit einer großen Regen- und Wasser-Kultur, davon zeugt auch das Wasserfest Songkran, wo man sich gegenseitig mit Wasser bespritzt, was in der heißen Jahreszeit eigentlich ein Segen ist. Das Fest ist in neuerer Zeit allerdings etwas degeneriert und zu einem großen Besäufnis und Gaudi für die zumeist jüngeren Touristen geworden.
Traditionelle Töpfe mit Drachenrelief
Die Tontöpfe gibt’s auch heute noch und sie haben meist ein charakteristisches Drachenmotiv als Relief auf der Außenseite. Ein erster Hinweis auf eine ursprünglich chinesische Tradition. Tatsächlich kommen die Töpfe aus dem eher ländlichen Ort Ratchaburi, etwa eine Autostunde von Bangkok südwestlich – am Fluss Mae Klong gelegen – nicht mit dem Fluss Mekong zu verwechseln.

Die Tradition dieser Aschengefäße reicht rund 90 Jahre zurück. In den 1930er‑Jahren ließen sich chinesische Töpfer in Ratchaburi nieder und entdeckten dort einen besonderen roten Ton, der sich hervorragend für Keramik eignet. Daraus entstanden große Wassergefäße, die im damaligen Thailand eine zentrale Rolle spielten, denn fließendes Wasser war vielerorts noch nicht verfügbar.
Wasserspeicher vor den Häusern
Die Gefäße dienten ursprünglich dazu, Regenwasser zu sammeln und zu speichern – ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Oft standen sie direkt vor den Häusern, wo man sich mit einer Schale Wasser schöpfte, um sich zu waschen oder abzukühlen.
Mit der Zeit bekamen die schlichten Tongefäße ihre charakteristischen Drachenmotive. Der Drache stammt aus der chinesischen Symbolik und steht für Glück, Schutz und Wohlstand. Kein Wunder also, dass sich diese verzierte Variante schnell im ganzen Land verbreitete.
Die Herstellung ist bis heute aufwendig und erfolgt größtenteils von Hand: Der Ton wird vorbereitet, geformt, geglättet und anschließend mit Drachenreliefs verziert. Danach werden die Gefäße glasiert und in traditionellen Öfen gebrannt.
Handarbeit prägt die Töpfertradition
Vor 50 Jahren gab es in Ratchaburi Dutzende solcher Firmen. Es waren zumeist keine Fabriken im modernen Sinn, sondern eher handwerkliche Manufakturen, wo man zwar große Stückzahlen dieser Töpfe herstellt, aber die Arbeit ausschließlich von Hand verrichtet.

Wir besuchen die Ruangsilp Pottery in Ratchaburi und spazieren durch den Garten und den Showroom. Dort findet sich vor allem moderne Keramik. Teils dekorativer Art und nicht nach jedermanns Geschmack, dann gibt es aber auch mittlere und große Gefäße mit traditionellen Motiven.
Allzu gerne hätten wir einen Topf mitgenommen, aber wie kommt der in die Schweiz? – Dann die Überraschung: „Unsere Hauptkunden sind in Europa“, erklärt uns die Geschäftsleiterin, sie hat mir ihrem Bruder nach dem Tod des Vaters vor einigen Jahren den Betrieb übernommen. Geschickt wird per Seefracht oder per DHL. Wir entscheiden uns für letzteres und wählen einen Topf mit rund 12 Kilo Gewicht. Und tatsächlich: Der schöne Topf wird nur 10 Tage später abgeliefert. „Achtung, das Paket ist etwa schwer“, meint der Kurier.
Als Alternative kann man sich für einen Topf im Kleinstformat entscheiden: Sehr schöne und präzise Handarbeit und garantiert günstiger als in jedem edlen Handarbeits-Touristen-Laden in Bangkok.
Die Familie freut sich über Besuche und gibt auch gerne eine Tour… wer besonders nett sein will, ruft vorher an.
Nachtrag
In Thailand sind 10 bis 14 Prozent der Bevölkerung chinesischstämmig, das heißt, sie haben chinesische Wurzeln, auch wenn sie komplett integriert und hundertprozentige Thailänder sind. In der Geschichte gab es verschiedene Einwanderungswellen, eine jüngere tatsächlich zu Beginn des 20.Jahrhundert. Die chinesischstämmige Bevölkerung hat sich wohl nicht zuletzt aus kulturellen Gründen schnell integriert – Kultur und Religion waren dabei eine große Hilfe. Heute gehören sie zur tonangebenden und auch zur reichsten Schicht in Thailand. Die Provinzstadt Ratchaburi hat zwar eine deutlich fühlbare Gruppe von Chinesen, ist aber lange nicht die am stärksten chinesische Stadt. Stärker sind neben Bangkok etwa Chiang Mai,
Phuket und Yat Yai.