Das Königreich der Schlangen

Die Angst vor den Reptilien ist den Menschen angeboren

Die Python zählt zur Familie der Riesenschlangen und ist weltweit die längste Schlange.
Die Python zählt zur Familie der Riesenschlangen und ist weltweit die längste Schlange.

Von den weltweit erfassten 3.000 Schlangenarten leben 175 in Thailand. Davon gelten 48 als giftig. Das Königreich ist die Heimat der weltweit längsten Schlange, der Python, und der längsten giftigen, der Königskobra. Die Reptilien leben in Höhlen, auf Bergen und Bäumen, in dichtem Dschungel, auf Feldern, aber auch in Seen und im Meer. Doch Taucher müssen nicht um ihr Leben fürchten. Obwohl alle Seeschlangen hochgiftig sind, werden die Wassersportler kaum auf eine Giftschlange treffen.

Schlangen schlängeln sich überall. Selbst in belebten Wohnvierteln der Grossstädte. Sie töten zu wollen, ist allerdings der beste Weg, gebissen zu werden. Deshalb raten Reptilienkenner: Lasst sie allein, dann lässt sie euch allein! Der Mensch sollte dem vermeintlich gefährlichen Tier ausweichen. Durch ihre räuberische Lebensweise spielen Schlangen eine bedeutende Rolle bei der Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts, insbesondere bei der Kontrolle von Nagetieren wie Ratten und Mäuse. Schlangen bereiten vielen Menschen eine Gänsehaut. Andere sind fasziniert von ihnen, und einige Menschen erleiden gar Panikattacken, wenn sie nur an die Reptilien denken. Die meisten Menschen haben eine natürliche Abneigung gegenüber Schlangen. Dahinter steckt mehr als der schlechte Ruf der Schlange, die in der Bibel etwa den Sündenfall heraufbeschwor, als sie Eva überredete, in den Apfel zu beissen.

Schlangen mit ihren Giftzähnen sind für den Menschen lebensgefährlich. Deshalb ist die Angst vor dem Tier lebensrettend, weil der Mensch auf eine respektvolle Distanz zu ihm geht und sich im Notfall durch schnelles Flüchten vor ihm schützt. Wissenschaftler der Universität von Virginia (USA) haben herausgefunden, dass diese beschützende Angst nicht anerzogen ist, sondern die Menschen mit ihr zur Welt kommen.

Wer unter einer Phobie leidet, also einer krankhaften Angst vor Schlangen, dem wird ein direkter Hautkontakt empfohlen. Das Anfassen eines Tieres kann das Unbehagen vermindern.

Die meisten Landschlangen Thailands sind harmlos, ausgenommen alle Kobras und Vipern, deren Biss tödlich sein kann. Die längste jemals gemessene Königskobra brachte es auf 5,5 Meter Länge, die meisten erreichen bis zu 4,5 Meter. Ihr Lebensraum sind die Wälder. Wer sie dort entdeckt, darf sich glücklich schätzen und schnell das Weite suchen. Denn die Königskobra kann ein Drittel ihres Körpers vom Boden heben, die Halsschilde ausbreiten, sich schnell vorwärts bewegen und steht dann mit Menschen fast auf Augenhöhe.

Kobras sind meist nachts oder in der Dämmerung aktiv und ernähren sich von Kleinsäugern sowie anderen Wirbeltieren, auch von Schlangen. Die Königskobra betreibt Brutpflege: Sie schichtet Pflanzen zu einem Haufen auf, in den sie ihre Eier legt, und rollt sich auf ihrem Gelege zusammen. Ihr Gift kann Menschen und selbst grosse Tiere wie Elefanten und Wasserbüffel töten. Kobras injizieren ein Nervengift (Neurotoxin) und ein hämorrhagisches Gift. Nach dem Biss einer Schlange der Familie Elapidae (Kobra, Brillenschlange, Speikobra) muss umgehend ein Krankenhaus aufgesucht und ein Serum gespritzt werden.

Vipern sind sehr aggressiv und in Thailand verantwortlich für die meisten Schlangenbisse. Ihr Gift wirkt zwar langsam, kann aber lebensgefährlich sein. Im Vorjahr wurden im Bangkok Pattaya Hospital 120 Menschen nach einem Schlangenbiss behandelt. 60 Prozent der Bisswunden hatten giftige Reptilien verursacht. Von denen wiederum stammten 80 Prozent von der Malaysischen Mokassin-Viper, einer grau-braun-schwarzgefärbten Schlange. Sie vertraut auf ihre gute Tarnung, reagiert aber äusserst aggressiv auf näher kommende Menschen. Für die restlichen Bisse der Patienten waren zu jeweils 10 Prozent Bambusotternarten und Kobras verantwortlich.

Einigen Arten wie die nicht giftige Golden Tree Snake schreibt man die Fähigkeit zu, fliegen zu können. Doch sie können sich lediglich aus recht hohen Bäumen fallen lassen oder herabstürzen und unverletzt zu Boden fallen oder teilweise gleiten.

Die Reticulated Python kann eine Länge von 10 Metern erreichen. Das weibliche Reptil brütet ihre Eier in 88 Tagen selbst aus. Die Zahl der Eier und Jungtiere kann bis zu 100 pro Gelege betragen. Die Riesenschlange gilt nicht als giftig, doch ihr Biss ist schmerzvoll und kann zu einer Infektion führen. Die grossen Pythons verzehren Tiere, deren Körpergewicht grösser als ihr eigenes ist. Danach nehmen sie mehrere Wochen oder Monate nichts mehr zu sich. Weil die Haut dieser Schlangenart begehrt ist und zu Geldbörsen, Handtaschen und Gürtel verarbeitet wird, gibt`s in Südostasien inzwischen über 6.000 Python-Farmen.

Die meisten Schlangenarten profitieren bei der Jagd von ihrem empfindlichen Geruchs- und Temperatursinn, der sie gerade nachts in die Lage versetzt, sich ihrer Beute unbemerkt zu nähern und diese zu überwältigen. Die meisten Nattern verschlingen ihre Beutetiere bei lebendigem Leib. Giftschlangen, zu denen vor allem die Familien der Gruben- ottern, Vipern, Giftnattern und Seeschlangen gehören, töten durch das Injizieren ihres Giftes. Dabei "fesseln” einige das Opfer zunächst durch rasches Um- schlingen, bevor sie beissen. Andere stossen zu, lassen die Beute entkommen, verfolgen sie mit Hilfe ihrer Sinnesorgane und verschlingen dann das gelähmte oder sterbende Tier. Schlangen wie Pythons erdrosseln ihre Beutetiere, indem sie eine Körperschlinge um sie herum winden.

Sämtliche Schlangen sind Fleischfresser und ernähren sich von einer Vielzahl von Tieren, abhängig von der eigenen Körpergrösse: Insekten, Spinnen und Schnecken bis zu Fröschen, Mäusen, Ratten und grösseren Säugetieren. Dabei können sie dank der Flexibilität ihres Skeletts und Schuppenpanzers häufig Tiere verschlingen, die dicker oder schwerer als ihr eigener Körper sind.

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