Thailands Öffnung ist von vielen Voraussetzungen abhängig

Bangkoks Großer Palast. Foto: epa/Diego Azubel
Bangkoks Großer Palast. Foto: epa/Diego Azubel

BANGKOK: Die Wiedereröffnung der wichtigsten Touristengebiete für ausländische Besucher ist ins Stocken geraten. Hatte Premierminister Prayut Chan-o-cha im Juni erklärt, dass er das Land innerhalb der nächsten 120 Tage wieder für ausländische Reisende öffnen wolle, soll nun der ursprünglich anvisierte Termin Mitte Oktober auf November verschoben werden, nachdem eine Untergruppe des „Center for Covid-19 Situation Administration“ (CCSA) dies vorgeschlagen hatte.

Sah der Plan ursprünglich die Wiedereröffnung des ganzen Landes vor, wurde er zwischenzeitlich auf nur fünf Touristengebiete – Pattaya, Chiang Mai, Bangkok, Hua Hin, Cha-am – sowie auf die bereits nach dem „Sandbox/ Samui Plus“-Modellen geöffneten Inseln Phuket, Koh Samui, Koh Tao und Koh Phangan beschränkt. Der Grund dafür sind verschiedene Indikatoren, mit denen das CCSA bemisst, welche Regionen für die Öffnung bereit sind und welche nicht.

Die Wiedereröffnung der fünf Pilotgebiete sei nicht so einfach, wie der eine oder andere vielleicht denken mag, betonte das CCSA und wies auf mehrere Faktoren hin, von denen der Plan abhängig sei, darunter die Gesundheit und Sicherheit der thailändischen Bevölkerung.

Noch vor der Wiedereröffnung Bangkoks einigten sich das Gesundheitsministerium und die Metropolverwaltung (BMA) darauf, dass drei Hauptfaktoren berücksichtigt werden müssen, bevor die Provinzen und schließlich das ganze Land für geimpfte ausländische Touristen geöffnet werden können. Die „Phuket-Sandbox“ diente in erster Linie dazu, festzustellen, ob das Land für geimpfte ausländische Besucher bereit sei, erklärte das CCSA. Zudem sollte der Anteil der Covid-19-Fälle, die auf ausländische Besucher im Rahmen des „Sandbox“-Modells zurückzuführen sind, ermittelt werden, der mit etwa 0,28 Prozent unglaublich niedrig ist. Nichtsdestotrotz will Thailand erst noch weitere Voraussetzungen erfüllen, bevor sich das Land wieder für ausländische Besucher öffnet.

Indikatoren zur Bemessung, welche Gebiete zur Öffnung bereit sind25. September 2021:

  • Impfquote – Wurden bereits 70 Prozent der Menschen in dem jeweiligen Gebiet vollständig geimpft?

Mindestens 70 Prozent der Bevölkerung in den jeweiligen Gebieten müssen mit zwei Impfdosen geimpft sein, um nach Aussage des Ministeriums für öffentliche Gesundheit (MOPH) ein Anfangsniveau von Herdenimmunität zu erreichen. Dadurch würde das Risiko für einen erneuten Covid-19-Ausbruch verringert werden, so das MOPH.

Zwischenzeitlich wurde das Impfziel jedoch auf 80 Prozent angehoben, damit in den fünf Pilotgebieten – Pattaya, Chiang Mai, Bangkok, Hua Hin, Cha-am – alle Branchen, einschließlich des Entertainmentgewerbes, wieder geöffnet werden können, was einen großen Schritt zurück zur Normalität bedeuten würde. Da das Impfziel in den fünf Pilotgebieten nicht rechtzeitig erreicht wird, hat das CCSA bekanntgegeben, dass es die ursprünglich für Oktober geplante Öffnung auf seinem Treffen am kommenden Montag offiziell auf November verschieben wird.

  • Virussutuation – Sind die Covid-19-Fälle deutlich rückläufig?

Die Zahl der Neuinfektionen ist landesweit seit dem 13. August zurückgegangen, in Bangkok und Chonburi (einschließlich Pattaya) seit Anfang September. Dennoch ist die Zahl der Infizierten nach wie vor hoch: Während sich in Bangkok immer noch durchschnittlich 2.000 Menschen pro Tag mit Covid-19 infizieren, sind es in Chonburi im Durchschnitt mehr als 700 Fälle pro Tag. Der Großteil der Fälle in Chonburi sei laut MOPH in Fabriken und Industriegebieten aufgetreten sowie kürzlich in neu errichteten Kasernen des Militärs.

In der zweiten Gruppe der Pilotgebiete – Phetchaburi (Cha-Am), Prachuap Khiri Khan (Hua Hin) und Chiang Mai – seien die Fallzahlen im Vergleich zu Bangkok und Chonburi zwar relativ gering, jedoch sei die Gesamtsituation weiterhin unvorhersehbar, weshalb das MOPH die Massenimpfungen weiter vorantreiben will.

  • Gesundheitssystem – Verfügt das thailändische Gesundheitssystem über ausreichend Kapazitäten, um Covid-19 Patienten zu behandeln?

Für das „Phuket Sandbox“-Modell haben die Behörden der Inselprovinz eine angemessene medizinische Versorgung, ausreichend Krankenhausbetten, leistungsfähige Intensiv- und Krankenstationen sowie Feldkrankenhäuser eingerichtet, die innerhalb von 48 Stunden für die Behandlung von Touristen zur Verfügung stehen.

Laut Kiattipoom Wongrachit, Staatssekretär des Gesundheitsministeriums, habe sich die Situation, – besonders im Hinblick auf die Belegungsraten der Krankenhausbetten – in Bangkok und Umgebung deutlich verbessert. Thailand habe laut dem Ministerium ausreichend Kapazität, Patienten angemessen unterzubringen, da die Zahl der kritischen Fälle nach wie vor stabil ist. Besonders Chonburi verfügt über ein großes Angebot an Krankenhausbetten und verzeichnet täglich zahlreiche Überweisungen vpon Patienten aus Provinzen mit weniger Krankenhäusern.

Eine der größten Sorgen, die die Entscheidung von Touristen über Reisen nach Thailand beeinflussen könnte, ist die Umsetzung des Notstandsdekrets, das in den letzten 17 Monaten 13 Mal verlängert wurde. Mit dem Notstandsdekret ist auch die Auflage einer Einreisebescheinigung (Certificate of Entry/ COE) verbunden, die von einer Botschaft oder einem Konsulat ausgestellt werden muss, was für Urlauber einen erheblichen Papierkrieg bedeutet.

Obwohl der Kabinettsausschuss einen überarbeiteten Entwurf des Seuchenschutzgesetzes gebilligt hat, um die Verwaltungseffizienz in Notsituationen zu optimieren und um es der Regierung zu ermöglichen, die Gesetze der Notverordnung zu ersetzen, bedeutet dies nicht, dass diese aufgehoben wird. Das CCSA hatte in den Vortagen bereits angkündigt, dass es auf seiner Sitzung am kommenden Montag eine weitere Verlängerung der Notstandsverordnung bis November vorschlagen werde.

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