BANGKOK: Die Bhumjaithai-Partei hat am Mittwochabend (18. Juni 2025) ihren Austritt aus der von Pheu Thai geführten Regierungskoalition bekanntgegeben. Hintergrund ist ein eskalierender Streit um das Innenministerium sowie ein durchgesickertes Telefongespräch von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra mit dem ehemaligen kambodschanischen Regierungschef Hun Sen, das Zweifel an ihrer Führungsfähigkeit gesät haben soll.
In einer offiziellen Erklärung teilte Bhumjaithai mit, man werde fortan im Schulterschluss mit der Bevölkerung die Streitkräfte und Behörden unterstützen, die Thailands Souveränität und nationale Interessen verteidigen. Diese Äußerung wird allgemein als Kritik an Paetongtarns Bemerkungen über einen ranghohen Militär verstanden, die sie in dem geleakten Gespräch gemacht hatte. Die Premierministerin wies die Vorwürfe zurück und erklärte, ihre Äußerungen seien missverstanden worden.
Die Parteiführung von Bhumjaithai habe einstimmig beschlossen, aus der Koalition auszutreten, hieß es weiter. Alle Minister der Partei hätten zum 19. Juni 2025 ihre Rücktritte eingereicht. Trotz des Rückzugs der mit 69 Sitzen zweitgrößten Regierungspartei verfügt die Pheu-Thai-geführte Koalition mit 261 Abgeordneten weiterhin über eine Mehrheit im Parlament gegenüber 234 Sitzen auf Seiten der Opposition unter Führung der People’s Party.
Parteikreise berichteten, dass Bhumjaithai-Minister bereits damit begonnen hätten, ihre Büros zu räumen – in Erwartung einer Kabinettsumbildung, bei der zuvor getroffene Absprachen nicht eingehalten worden seien. Sollte Premierministerin Paetongtarn eine neue Kabinettsliste ohne Berücksichtigung der vereinbarten Positionen zur königlichen Billigung einreichen, drohte Bhumjaithai mit einem vollständigen Bruch.
Insbesondere der Streit um das Innenministerium hatte die Beziehungen zwischen Pheu Thai und Bhumjaithai in den vergangenen Monaten zunehmend belastet. Parteichef Anutin Charnvirakul sah sich laut Berichten zuletzt unter starkem Druck, das einflussreiche Ministerium abzugeben, das für die Verwaltung auf Provinz- und Kommunalebene, innere Sicherheit sowie lokale Haushaltsmittel zuständig ist – eine Schlüsselressource in Wahlkampfzeiten.
Obwohl Anutin auf das Ministerium als Teil der Koalitionsvereinbarung von 2023 pochte, wies Paetongtarn entsprechende Absprachen zurück. Ein Gespräch zwischen beiden am Dienstag (17. Juni 2025) sei laut der Premierministerin nicht um eine Kabinettsumbildung gegangen.
Mit dem Rückzug von Bhumjaithai steht die Regierung von Paetongtarn Shinawatra nun vor ihrer größten politischen Bewährungsprobe seit ihrem Amtsantritt.