BANGKOK: Thailändische Behörden haben bei einer groß angelegten Anti-Drogen-Operation rund 50 Tonnen Chemikalien beschlagnahmt, die nach offiziellen Angaben zur Herstellung von mehr als 1,1 Milliarden Methamphetamin-Pillen hätten verwendet werden können. Die Aktion erfolgte in Zusammenarbeit zwischen dem Office of the Narcotics Control Board (ONCB), dem Department of Special Investigation (DSI) und dem südkoreanischen Geheimdienst.
Die Ergebnisse der Operation mit dem Namen „Pikhat Ya Sep Tit“ wurden am Dienstag (9. Juni 2026) in einem Fabriklager in der Provinz Samut Prakan vorgestellt. An der Pressekonferenz nahmen unter anderem Innenminister und Premierminister Anutin Charnvirakul, Justizminister Pol. Lt. Gen. Ruttapol Naowarat, ONCB-Generalsekretär Pol. Maj. Suriya Singhakamol sowie DSI-Direktor Pol. Maj. Yutthana Praedam teil.
Grenzüberschreitende Ermittlungen
Ausgangspunkt der Ermittlungen war die Zusammenarbeit mit den südkoreanischen Behörden. Der südkoreanische Nachrichtendienst National Intelligence Service (NIS) hatte seine Erkenntnisse ausgeweitet und im April 2026 die Rückführung eines wichtigen Drogenverdächtigen nach Thailand unterstützt. Der Mann, der von den Behörden als Nu Chen identifiziert wurde, wurde nach seiner Auslieferung an thailändische Ermittler übergeben.

Im Zuge weiterer Ermittlungen stellten ONCB, Polizei und DSI Verbindungen des Verdächtigen zu verschiedenen Transaktionen in Thailand und im Ausland fest. Dabei stießen die Behörden auf ein Netzwerk, das mutmaßlich am illegalen Kauf, Verkauf und Transport von Ausgangsstoffen und Chemikalien für Drogenlabore im Goldenen Dreieck beteiligt war.
Spur führt zu chinesischen Netzwerken
Die jüngste Operation richtete sich gegen drei Unternehmen an insgesamt zehn Standorten in den Provinzen Bangkok, Samut Prakan, Rayong und Nonthaburi. Nach Angaben der Ermittler bestehen Verbindungen dieser Firmen zu sogenannten chinesischen Grauzonen-Netzwerken, denen bereits andere Straftaten in Thailand vorgeworfen werden. Dazu zählt unter anderem die illegale Verwendung von Chemikalien zur Herstellung von Etomidat, einem psychotropen Stoff der Kategorie 2, der anschließend illegalen E-Zigaretten-Liquids beigemischt worden sein soll.

Bereits vor den aktuellen Durchsuchungen waren vier Personen im Zusammenhang mit dem Netzwerk festgenommen worden. Die Behörden betonten, dass die jüngsten Razzien Teil einer umfassenderen Strategie seien, um Hintermänner zu identifizieren und Drogenproduktionsnetzwerke im Goldenen Dreieck zu zerschlagen, bevor die Rauschmittel nach Thailand gelangen können.
50 Tonnen Chemikalien beschlagnahmt
Bei den Durchsuchungen wurden insgesamt fünf Arten von Chemikalien sichergestellt: 9.105 Kilogramm Aceton, 225 Kilogramm Salzsäure, 10.170 Kilogramm Essigsäure, 4.500 Kilogramm Schwefelsäure sowie 26.000 Kilogramm Dioctylphthalat. Die Gesamtmenge belief sich auf rund 50 Tonnen.

Nach Einschätzung der Behörden hätten die beschlagnahmten Stoffe zur Herstellung von etwa 1,1 Milliarden Methamphetamin-Pillen oder rund 21 Tonnen Crystal Meth verwendet werden können. Dies entspreche ungefähr der Menge an Methamphetamin-Pillen, die in Thailand innerhalb eines gesamten Jahres sichergestellt werde.
Verstöße gegen Gefahrstoffgesetz
Die Chemikalien sind nach dem Gefahrstoffgesetz von 1992 als gefährliche Stoffe der Kategorie 3 eingestuft und unterliegen der Aufsicht des Department of Industrial Works. Bei den Kontrollen fanden die Ermittler nach eigenen Angaben keine Nachweise über die erforderlichen Genehmigungen zum Besitz dieser Stoffe oder andere relevante Unterlagen.

Auf Grundlage von Abschnitt 54 Absatz 3 des Gefahrstoffgesetzes beschlagnahmten die Behörden sämtliche Chemikalien sowie weitere damit in Zusammenhang stehende Gegenstände. Gegen die Verantwortlichen werden nun rechtliche Schritte eingeleitet.