Erawan-Prozess vor Urteilsverkündung

Gericht verkündet Urteil nach jahrelanger Beweisaufnahme

Die mutmaßlichen Erawan-Anschlagsverdächtigen Yusufu Mieraili (r.) und Adem Karadag (M.) werden von Polizisten und Justizvollzugsbeamten eskortiert. Foto: epa/Narong Sangnak
Die mutmaßlichen Erawan-Anschlagsverdächtigen Yusufu Mieraili (r.) und Adem Karadag (M.) werden von Polizisten und Justizvollzugsbeamten eskortiert. Foto: epa/Narong Sangnak

BANGKOK: Mehr als zehn Jahre nach dem Bombenanschlag auf den Erawan-Schrein im Herzen Bangkoks wird das Strafgericht Süd-Bangkok am 11. Juni 2026 das Urteil in einem der längsten und aufsehenerregendsten Strafverfahren Thailands verkünden.

Der Prozess gegen Bilal Mohammed, auch bekannt als Adem Karadag, sowie Yusufu Mieraili zieht sich inzwischen über elf Jahre hin. Das Verfahren umfasste mehr als 400 Zeugen der Anklage, über 45 Zeugen der Verteidigung, Zehntausende Seiten an Akten sowie zahlreiche Beweismittel. Wiederholte Verfahrensverzögerungen führten dazu, dass der Fall erst jetzt zur Urteilsreife gelangt.

Tödliche Explosion im Herzen Bangkoks

Der Anschlag ereignete sich am 17. August 2015 gegen 18.55 Uhr am Erawan-Schrein nahe der Kreuzung Ratchaprasong, einem der meistbesuchten Geschäfts- und Touristenzentren Bangkoks. Bei der Explosion kamen 20 Menschen ums Leben, darunter Thailänder und ausländische Besucher. Mehr als 160 weitere Personen wurden verletzt.

Die Ermittler werfen Karadag vor, einen Rucksack mit dem Sprengsatz am Schrein deponiert zu haben. Yusufu soll die Bombe zusammengebaut, Ausrüstung beschafft und beim Transport des Sprengsatzes geholfen haben. Beide Männer wurden nach ihrer Festnahme von der Polizei zu einer Tatortrekonstruktion gebracht. Die Behörden präsentierten die Ermittlungsergebnisse im September 2015 öffentlich.

Vom Militärgericht zum Strafgericht

Ein wesentlicher Grund für die lange Verfahrensdauer war der ungewöhnliche juristische Verlauf des Falls. Da sich der Anschlag während der Herrschaft des National Council for Peace and Order (NCPO) ereignete, wurde das Verfahren zunächst vor dem Militärgericht Bangkok geführt. Grundlage dafür waren Bestimmungen zu Waffen- und Sprengstoffdelikten unter einer Anordnung der damaligen Militärregierung.

Nachdem zivile Strafverfahren später nicht mehr in die Zuständigkeit der Militärgerichte fielen, wurde der Fall an das Strafgericht Süd-Bangkok übertragen. Dadurch mussten zahlreiche Zeugenaussagen im zivilen Justizsystem erneut aufgenommen werden.

Übersetzungsprobleme kosteten Zeit

Weitere Verzögerungen entstanden während der Covid-19-Pandemie, als Gerichtsverfahren im ganzen Land eingeschränkt oder verschoben wurden. Hinzu kamen erhebliche Probleme bei der Übersetzung. Die Angeklagten sprechen Uigurisch, weshalb eine mehrstufige Übersetzung zwischen Uigurisch, Englisch und Thai erforderlich war. Bereits 2016 war das Verfahren ins Stocken geraten, nachdem ein vorgeschlagener Dolmetscher vom Militärgericht abgelehnt worden war und ein weiterer Übersetzer nicht ausreichend mit den Angeklagten kommunizieren konnte.

Zwischen 2023 und 2026 beschleunigte das Strafgericht Süd-Bangkok die Vernehmung der verbliebenen Zeugen von Anklage und Verteidigung, sodass nun nach mehr als einem Jahrzehnt das Urteil verkündet werden kann.

Nur drei von 17 Verdächtigen gefasst

Im Zusammenhang mit dem Anschlag hatten die Behörden Haftbefehle gegen mehrere weitere mutmaßliche Mitglieder des Netzwerks erlassen. Von insgesamt 17 Verdächtigen konnten jedoch lediglich drei Personen festgenommen werden. Eine davon war die Thailänderin Wanna Suansan, der vorgeworfen wurde, Unterkünfte für Verdächtige angemietet zu haben. Das Strafgericht Süd-Bangkok sprach sie im November 2024 mangels ausreichender Beweise frei.

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