BANGKOK: Die Lage an der thailändisch-kambodschanischen Grenze bleibt nach Angaben des Nationalen Sicherheitsrates (NSC) angespannt, ist jedoch weiterhin unter Kontrolle. NSC-Generalsekretär Chatchai Bangchuad erklärte vor einer Kabinettssitzung, dass die zuständigen Behörden die Situation bewertet hätten und diese nach wie vor als sensibel einstufen. Dennoch seien die lokalen Stellen beider Länder weiterhin in der Lage, miteinander zu kommunizieren und auftretende Probleme vor Ort zu lösen.
Die Äußerungen erfolgten vor dem Hintergrund von Berichten, wonach China im Rahmen einer militärischen Kooperation T-59D-Panzer an Kambodscha geliefert haben soll. Chatchai maß den jüngsten Aussagen des kambodschanischen Senatspräsidenten Hun Sen keine übermäßige Bedeutung bei. Er könne nachvollziehen, warum dieser sich in dieser Form äußere. Thailand werde den von der Regierung vorgegebenen Kurs beibehalten und sich an die gemeinsamen Vereinbarungen beider Staaten halten.
Hun Sen spricht über Grenzgebiete
Hun Sen hatte am Dienstag (9. Juni 2026) die Frage der Rückgewinnung umstrittener Gebiete von Thailand angesprochen und zugleich eingeräumt, die militärische Bereitschaft Kambodschas vor früheren Grenzkonflikten nicht ausreichend gestärkt zu haben. Medienberichten zufolge erklärte er, dass er Thailand zu sehr vertraut und deshalb nicht mehr Waffen beschafft habe.
Auch Premierminister Anutin Charnvirakul zeigte sich gelassen angesichts der Berichte über die chinesischen Panzerlieferungen. Die Angelegenheit betreffe Thailand nicht unmittelbar, sagte er. Die thailändischen Streitkräfte seien weiterhin bereit, ihre Aufgaben zu erfüllen.
Thailand beobachtet Panzerlieferung
Verteidigungsminister General Adul Boonthumjaroen erklärte, dass Thailand über die Anschaffung neuer militärischer Ausrüstung durch Kambodscha informiert sei. Bei den T-59D-Panzern handle es sich um modernisierte ältere Modelle, die im Rahmen einer bestehenden Vereinbarung mit China geliefert würden. Beide Länder führen seit 2016 regelmäßig gemeinsame Militärübungen durch.
Nach Angaben des Verteidigungsministers bestätigten Geheimdienstinformationen die Ankunft der Fahrzeuge in einem kambodschanischen Hafen. Hinweise auf eine Verlegung in Grenznähe gebe es jedoch bislang nicht. Thailand und Kambodscha seien an die gemeinsame Vereinbarung gebunden, welche die Stationierung von Truppen und militärischem Gerät entlang der Grenze regelt.
Diplomatie statt Eskalation
Adul kündigte an, die Entwicklungen weiterhin aufmerksam zu beobachten. Als Teil seiner neuen Aufgaben rechne er zudem mit Gesprächen mit chinesischen Vertretern. Zugleich verwies er auf die diplomatischen Bemühungen Thailands, die parallel zu den Sicherheitsmaßnahmen fortgeführt würden. Thailand werde sich nicht zu Provokationen hinreißen lassen. Ob Hun Sens Aussagen über eine mögliche Rückgewinnung von Gebieten ernst gemeint seien, könne er nicht beurteilen.
Gleichzeitig warnte der Verteidigungsminister vor den Folgen einer militärischen Eskalation. Wer den Einsatz von Gewalt in Betracht ziehe, müsse die Konsequenzen sorgfältig bedenken.
Kambodscha korrigiert Darstellung
Unterdessen wies Chea Thyrith, Sprecher von Senatspräsident Hun Sen und amtierendem Staatsoberhaupt Kambodschas, Berichte einiger thailändischer Medien zurück. Diese hätten die Aussagen Hun Sens zur Lösung der Grenzfragen mit Thailand falsch dargestellt. Während eines Besuchs bei Vertriebenen in der Provinz Banteay Meanchey habe Hun Sen keine Absicht angekündigt, den Grenzkonflikt mit militärischen Mitteln lösen zu wollen.