BANGKOK: Die geplante Abschaffung der 60-tägigen visafreien Einreise für Staatsangehörige aus 93 Ländern, darunter Indien, dürfte den indischen Reisemarkt nach Einschätzung von Branchenvertretern nur geringfügig beeinflussen. Entscheidend für die Reiseentscheidung bleibe weiterhin das Preis-Leistungs-Verhältnis, während die Neuregelung dazu beitragen könne, Missbrauch von Touristenvisa einzudämmen.
Die thailändische Regierung hat beschlossen, die seit 2024 geltende 60-tägige Visumbefreiung zu beenden. Künftig sollen indische Staatsbürger wieder ein Visa-on-Arrival (VoA) erhalten, wie es bereits vor Einführung der erweiterten Visafreiheit praktiziert wurde.
Visa on Arrival kein Hindernis
Amit Gilani, Inhaber des Reiseunternehmens TravelButler in Mumbai, erklärte, dass das Visa-on-Arrival für indische Urlauber ausreichend sei. Die Nachfrage nach Reisen nach Thailand sei weiterhin hoch und bestehe das ganze Jahr über. Die Gebühr von 2.000 Baht für das Visa-on-Arrival sei für die meisten Reisenden kein Hindernis. Alternativ könne ein E-Visum für 1.000 Baht beantragt werden.
Nach Ansicht Gilanis könnte die Rückkehr zum Visa-on-Arrival dazu beitragen, Personen herauszufiltern, die Touristenvisa missbrauchen, indem sie ihre Aufenthaltsdauer überschreiten oder illegal in Thailand arbeiten. Er bezeichnete die Maßnahme als sinnvollen Schritt, um den Ruf indischer Reisender zu schützen.
15 Tage Visafreiheit im Gespräch
Parallel dazu plant das Tourismus- und Sportministerium, dem Nationalen Ausschuss für Visapolitik vorzuschlagen, indischen Staatsbürgern künftig eine 15-tägige visafreie Einreise zu gewähren. Indien zählt zu den fünf wichtigsten Herkunftsmärkten des thailändischen Tourismus.
Sollte diese Regelung umgesetzt werden, wäre die Aufenthaltsdauer nach Einschätzung Gilanis für die meisten Besucher ausreichend. Selbst Reisende, die Wellness- und Gesundheitsprogramme buchen, hielten sich in der Regel nicht länger als zwei Wochen im Land auf.
Inder entdecken Wellnessreisen
TravelButler vermarktet derzeit verstärkt Wellnessreisen nach Thailand. Die Angebote umfassen Aufenthalte von zwölf bis 15 Tagen in Hotels und Resorts mit Schwerpunkt auf körperlicher und mentaler Erholung. Solche Programme würden bei indischen Reisenden zunehmend an Beliebtheit gewinnen.
Zu den bevorzugten Reisezielen zählen weiterhin Phuket und Bangkok. Ausschlaggebend dafür seien die zahlreichen Direktflugverbindungen aus verschiedenen indischen Städten. Gleichzeitig wachse das Interesse an weniger bekannten Destinationen wie Koh Chang, Chiang Mai, Chiang Rai und dem Bezirk Pai. Reiseveranstalter hätten ihr Angebot nach Informationsreisen erweitert, die von der Thailändischen Tourismusbehörde (TAT) organisiert wurden.
Indien bleibt TAT-Schlüsselmarkt
Patsee Permvongsenee, Exekutivdirektorin für die Regionen ASEAN, Südasien und Südpazifik bei der TAT, erklärte, dass die Behörde für dieses Jahr 2,55 Millionen indische Besucher anstrebe – vorausgesetzt, die bisherige Visumbefreiung bleibt bestehen.
Im vergangenen Jahr reisten mehr als 2,48 Millionen Inder nach Thailand. Bis zum 7. Juni 2026 wurden bereits 1,1 Millionen Ankünfte registriert, womit Indien derzeit den drittgrößten Herkunftsmarkt des Landes stellt.
Individualreisende kaum betroffen
Sollte das Visa-on-Arrival tatsächlich eingeführt werden, könnte die Tourismusbehörde ihre Zielvorgabe später anpassen. Nach Einschätzung von Patsee Permvongsenee wären vor allem klassische Gruppenreisen von den Änderungen betroffen, während Individualreisende und Reisende im gehobenen Segment voraussichtlich weniger Auswirkungen spüren würden.