BANGKOK: Die thailändische Zentralbank sieht trotz der jüngsten Abwertung des Baht gegenüber dem US-Dollar keinen Anlass zur Sorge. Nach Angaben der Bank of Thailand (BoT) bleibt die Landeswährung stabil, obwohl sie seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten rund 5,4 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren hat.
Chayawadee Chai-anant, stellvertretende Gouverneurin für Unternehmensbeziehungen und Sprecherin der Zentralbank, erklärte, dass die solide Widerstandsfähigkeit des Baht sowie die starken außenwirtschaftlichen Fundamentaldaten Thailands derzeit keine außerordentliche Sitzung des geldpolitischen Ausschusses (Monetary Policy Committee, MPC) erforderlich machten. Damit unterscheidet sich die Situation deutlich von Indonesien, wo die Zentralbank jüngst kurzfristig reagierte und den Leitzins anhob.
Anlegervertrauen kehrt zurück
Nach Angaben der BoT beliefen sich die Nettoverkäufe thailändischer Vermögenswerte durch ausländische Investoren seit Ausbruch des Nahostkonflikts lediglich auf rund 1,3 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig seien zuletzt wieder Kapitalzuflüsse in den langfristigen Anleihe- und Aktienmarkt zu beobachten gewesen. Dies werte die Zentralbank als Zeichen einer verbesserten Anlegerstimmung.
Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten sorgt weltweit für Sorgen um die Energiesicherheit und belastet auch die Volkswirtschaften Südostasiens. Viele Regierungen der Region haben Maßnahmen ergriffen, um die Folgen steigender Ölpreise abzufedern. Diese Eingriffe hatten jedoch teilweise Auswirkungen auf Wechselkurse, Vermögenspreise und Zinssätze.
Rupiah erlebt historischen Einbruch
Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede in Indonesien. Dort beschloss die Zentralbank am vergangenen Dienstag (9. Juni 2026) in einer Sondersitzung eine Zinserhöhung, um den starken Druck auf die Landeswährung Rupiah zu begrenzen. Seit Beginn des Krieges gegen den Iran hat die Rupiah mehr als acht Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren und damit einen der stärksten Wertverluste ihrer Geschichte verzeichnet.
Hintergrund sind umfangreiche Kapitalabflüsse. Ausländische Investoren verkauften indonesische Aktien und Anleihen im Wert von rund 3,9 Milliarden US-Dollar. Zusätzlich belasten Sorgen über die Finanzpolitik der Regierung sowie Spekulationen über eine mögliche Herabstufung des indonesischen Aktienmarktes von einem Schwellenmarkt zu einem sogenannten Frontier Market das Vertrauen der Anleger.
BoT sieht keinen Handlungsbedarf
„Obwohl auch der Baht gegenüber dem Dollar nachgegeben hat, verlief die Entwicklung geordnet und stabil“, betonte Chayawadee. Daher bestehe derzeit keine Notwendigkeit, den Leitzins im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung anzupassen.
Der Chefvolkswirt der Kiatnakin Phatra Financial Group, Pipat Luengnaruemitchai, rechnet damit, dass der Leitzins in Thailand bis Ende dieses Jahres bei einem Prozent bleibt. Eine mögliche Zinserhöhung erwartet er frühestens Mitte kommenden Jahres und nur dann, wenn sich Wirtschaftswachstum und Inflation entsprechend entwickeln.
Strukturelle Risiken in Indonesien
Auch Don Nakornthab, stellvertretender Gouverneur für Geldpolitik bei der Bank of Thailand, betonte in einem Beitrag auf Facebook die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Ländern. Zwar verfüge Indonesien in einigen Bereichen, insbesondere bei den Staatsfinanzen, über stärkere makroökonomische Kennzahlen als Thailand. Dennoch gebe es dort strukturelle Schwachstellen, die Investoren zunehmend kritisch betrachteten.
Zu den Risiken zählen nach seiner Einschätzung die steigende Verschuldung staatlicher Unternehmen sowie offene Fragen zur Transparenz und Unternehmensführung des neu geschaffenen Staatsfonds Danantara. Hinzu komme ein Leistungsbilanzdefizit, das durch energiebezogene Belastungen verstärkt werde. In einem solchen Umfeld könne ein Vertrauensverlust an den Märkten rasch zu Kapitalabflüssen führen. Zudem verfüge Indonesien über deutlich geringere Währungsreserven als Thailand.
Wirtschaft braucht neue Impulse
Vor diesem Hintergrund sei die Gefahr einer Währungskrise in Thailand auf absehbare Zeit vergleichsweise gering, schrieb Don Nakornthab. Die größte Herausforderung des Landes liege vielmehr in der Umsetzung struktureller Reformen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und die Wirtschaft wieder auf einen nachhaltigeren Wachstumspfad zu führen.