BANGKOK/HELSINKI: Ein finnisches Gericht hat einen Unternehmer wegen Menschenhandels mit thailändischen Beerenpflückern zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt. Das Bezirksgericht in Lappland sprach den früheren Geschäftsführer des Beerenunternehmens Polarica, Jukka Kristo, in 78 Fällen des Menschenhandels schuldig.
Seine thailändische Geschäftspartnerin Kalyakorn Phongphit wurde ebenfalls wegen Menschenhandels verurteilt. Das Gericht verhängte gegen sie jedoch lediglich eine Freiheitsstrafe von neun Monaten, da sie bereits im vergangenen Jahr in einem anderen Fall im Zusammenhang mit einem Beerenunternehmen zu drei Jahren Haft verurteilt worden war.
Entschädigung und Geldstrafe verhängt
Darüber hinaus ordnete das Gericht an, dass Kristo, Kalyakorn und das Unternehmen Polarica den Opfern insgesamt 500.000 Euro (rund 19 Millionen Baht) als Entschädigung für erlittenes Leid und finanzielle Verluste zahlen müssen. Gegen Polarica wurde zudem eine Geldstrafe von 150.000 Euro verhängt.
Kristo darf für die Dauer von fünf Jahren keine geschäftlichen Tätigkeiten ausüben. Zudem wurde ihm sein militärischer Rang aberkannt.
Menschenunwürdige Arbeitsbedingungen
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die beiden Angeklagten im Jahr 2022 thailändische Beerenpflücker unter Zwangsarbeitsbedingungen und anderen menschenunwürdigen Verhältnissen beschäftigt. Damals reiste mit rund 4.000 Personen eine Rekordzahl thailändischer Saisonarbeiter zur Beerenernte nach Finnland.
Zu den beanstandeten Bedingungen gehörten laut den Ermittlern mangelhafte Unterkünfte, die teilweise nicht über Duschmöglichkeiten verfügten. Die Verpflegung habe häufig lediglich aus gekochten Hühnerbeinen, Lachsköpfen und roher Leber bestanden. Nach ihrer Ankunft in Finnland seien den Arbeitern zudem Pässe und Rückflugtickets abgenommen worden. Mehrere Betroffene hätten ausgesagt, aus Angst vor möglichen Konsequenzen keine Beschwerden über die Arbeits- und Lebensbedingungen eingereicht zu haben.
Die Staatsanwaltschaft hatte für beide Angeklagten jeweils fünf Jahre Haft gefordert. Kristo und Kalyakorn wiesen die Vorwürfe vor Gericht zurück.
Thailand stoppte Entsendung von Thais
Der Umgang mit thailändischen Beerenpflückern in Finnland hatte die thailändischen Behörden dazu veranlasst, die Entsendung von Erntehelfern vorübergehend auszusetzen. Die Maßnahme gilt bis zur Neuverhandlung entsprechender Arbeitsbedingungen zwischen Thailand und Finnland.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und kann vor einer höheren Instanz angefochten werden.