BANGKOK: Fast elf Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag auf den Erawan-Schrein in Bangkok hat das Strafgericht Süd-Bangkok am Donnerstag (11. Juni 2026) zwei chinesische Uiguren zum Tode verurteilt. Die Angeklagten Yusufu Mieraili und Bilal Mohammed wurden wegen vorsätzlichen Mordes und versuchten Mordes im Zusammenhang mit dem Anschlag vom 17. August 2015 schuldig gesprochen. Bei der Explosion an der belebten Ratchaprasong-Kreuzung kamen 20 Menschen ums Leben, mehr als 120 weitere wurden verletzt.
Der Anschlag gilt bis heute als schwerster Bombenanschlag in der jüngeren Geschichte Thailands. Die Explosion ereignete sich am Erawan-Schrein, einem bei Einheimischen und Touristen beliebten religiösen Ort im Zentrum Bangkoks. Unter den Todesopfern befanden sich auch sieben chinesische Staatsangehörige, darunter fünf Besucher aus Festlandchina und zwei aus Hongkong. Nach Ermittlungen soll der Sprengsatz in einem Rucksack deponiert worden sein.
Gericht verhängt Höchststrafe
Das Gericht erklärte, die Angeklagten hätten mit ihrer Tat gegen mehrere Strafgesetze verstoßen. Aufgrund der Schwere des Verbrechens sei die Höchststrafe verhängt worden. Von Vorwürfen im Zusammenhang mit einem weiteren Bombenanschlag an einem Pier im Stadtteil Charoen Nakhon wurden beide Männer hingegen freigesprochen.
Nach der Urteilsverkündung wies Mieraili die Vorwürfe zurück. Er erklärte vor Gericht, er akzeptiere das Urteil nicht und habe nichts Unrechtes getan. Der Verteidiger der beiden Männer kündigte an, gegen die Entscheidung Berufung einzulegen. Er begründete dies unter anderem mit Aspekten des Verfahrens, die nach Ansicht der Verteidigung nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.
Prozess zog sich über Jahre hin
Der Prozess hatte sich über nahezu ein Jahrzehnt hingezogen. Neben Einschränkungen während der Covid-19-Pandemie kam es wiederholt zu Verzögerungen durch Probleme bei der Bereitstellung geeigneter Dolmetscher. Zeitweise wurde das Verfahren zusätzlich beeinträchtigt, nachdem ein Übersetzer der Angeklagten selbst mit Drogendelikten in Verbindung gebracht worden war.
Die Ermittlungen nach dem Anschlag standen mehrfach in der Kritik. Kurz nach der Tat hatten die Behörden insgesamt 17 Verdächtige identifiziert, festgenommen wurden jedoch zunächst nur Mieraili und Mohammed. 2017 wurde mit der Thailänderin Wanna Suansan eine weitere Beschuldigte verhaftet. Ihr wurde unter anderem vorgeworfen, Unterkünfte für Verdächtige angemietet zu haben. Das Strafgericht sprach sie jedoch im Jahr 2024 mangels ausreichender Beweise frei.
Rätsel um das Anschlagsmotiv
Der Anschlag ereignete sich wenige Wochen nachdem die damalige Militärregierung 109 Uiguren gegen ihren Willen nach China abgeschoben hatte. Menschenrechtsorganisationen vermuten seitdem einen Zusammenhang zwischen der Abschiebung und dem Attentat. Die Spekulationen wurden dadurch verstärkt, dass Thailand damals als wichtiger Transitstaat für Uiguren galt, während sich die Beziehungen zwischen Bangkok und Peking zunehmend vertieften. Einen eindeutigen Beweis für dieses Motiv legten die Ermittler jedoch nie vor.
Die Uiguren sind eine muslimische Minderheit aus der chinesischen Region Xinjiang. China sieht sich seit Jahren Vorwürfen ausgesetzt, Uiguren und andere muslimische Minderheiten systematisch zu unterdrücken und in Internierungslagern festzuhalten. Peking weist diese Anschuldigungen zurück. Erst im Februar 2025 hatte Thailand weitere 40 Uiguren nach China abgeschoben, was scharfe Kritik von Menschenrechtsgruppen und den Vereinten Nationen auslöste.