ALEPPO: In Aleppo bekämpfen sich kurdische Kräfte weiter mit Truppen der Regierung. Zehntausende Menschen ergreifen die Flucht während der Beschuss von beiden Seiten weitergeht.
Seit Ausbruch der Gefechte zwischen kurdischen Kämpfern und Truppen der syrischen Regierung in Aleppo in Nordsyrien sind Zehntausende Menschen aus den umkämpften Stadtvierteln geflohen.
Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unter Berufung auf die zentrale Koordinierungsstelle für Notfälle in Aleppo, dass mehr als 140.000 Menschen aus den kurdischen Stadtteilen geflüchtet seien. Der Sprecher der kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nannte die Zahlen der Regierung «übertrieben», ohne eine genaue Zahl zu nennen. Das UN-Nothilfebüro sprach am Mittwoch von mehr als 30.000 Vertriebenen. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bisher seien Zehntausende Menschen geflohen.
In Aleppo und umliegenden Regionen wurden nach Angaben von Sana provisorische Notunterkünfte eingerichtet. Weiterhin seien verletzte Personen in den betroffenen Stadtteilen eingeschlossen, hieß es.
Nur noch ein Krankenhaus in Betrieb - Medikamentenmangel
In den betroffenen Gebieten seien von fünf bestehenden Krankenhäusern derzeit nur noch vier in Betrieb, sagte Othman Scheich Issa, der Co-Vorsitzende des lokalen Gesundheitsrats, der Deutschen Presse-Agentur. Es mangele bereits jetzt an Medikamenten und Anästhetika. Es gebe keinen staatlichen Strom mehr, hieß es. Zudem mangele es an Nachlieferungen von Diesel, um Stromgeneratoren zu betreiben.
Kämpfe dauern an
Am Dienstag waren in Aleppo erneut Kämpfe zwischen den SDF und Regierungstruppen ausgebrochen. Seitdem beschießen sich beide Seiten gegenseitig. Hintergrund ist der Streit über eine geplante Eingliederung der kurdischen Kräfte in die staatliche Armee. Ein Abkommen dazu wurde bisher nicht umgesetzt. Unter Beschuss stehen vor allem die beiden kurdischen Stadtviertel Aschrafija und Scheich Maksud. Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, Zivilisten anzugreifen.
Der Medienbeauftragte der Provinz Aleppo sagte der dpa, die syrische Armee habe nach Ablauf einer gesetzten Frist am Mittag mit Artillerie zuvor benannte Ziele in den beiden kurdischen Stadtteilen beschossen. Die SDF hätten daraufhin mit Mörser- und Raketenbeschuss reagiert. Dabei seien mindestens fünf Zivilisten verletzt worden. Die SDF teilten mit, sich mit einfachen Waffen gegen «Dutzende, gepanzerte Fahrzeuge, Drohnen und Artillerie» zu verteidigen.
Das syrische Ministerium für Notfall- und Katastrophenmanagement warf unterdes den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, ein gekennzeichnetes Ambulanzfahrzeug des Zivilschutzes in der Nähe eines Evakuierungspunktes beschossen zu haben. Dabei sei ein Sanitäter verletzt worden.