Erneute Gefechte in Aleppo

Tausende Menschen fliehen

Sicherheitskräfte sind nach schweren Gefechten in den Straßen von Aleppo im Einsatz, nachdem Kämpfe zwischen der Armee und den Syrian Democratic Forces Tausende zur Flucht zwangen. Foto: epa/Ahmad Fallaha
Sicherheitskräfte sind nach schweren Gefechten in den Straßen von Aleppo im Einsatz, nachdem Kämpfe zwischen der Armee und den Syrian Democratic Forces Tausende zur Flucht zwangen. Foto: epa/Ahmad Fallaha

ALEPPO: Immer wieder kommt es im Norden Syriens zu Gefechten zwischen Kurden und der Übergangsregierung. Beide Seiten machen sich Vorwürfe. Kommt es zu einer erneuten Gewaltwelle?

Nach Ausbruch erneuter Gefechte zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen in Aleppo in Nordsyrien sind Tausende Menschen aus umkämpften Stadtvierteln geflohen. Der Zivilschutz hat nach eigenen Angaben 2.324 Zivilisten aus den kurdisch kontrollierten Stadtteilen Scheich Maksud und Aschrafija evakuiert.

Das syrische Militär hatte die beiden Stadtviertel ab 15.00 Uhr (Ortszeit) als «militärisch gesperrte Zone» erklärt und auch eine Ausgangssperre verhängt. Danach begann ein gegenseitiger Beschuss zwischen Regierungstruppen und den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF), der weiter anhält.

Die Übergangsregierung hatte eine «begrenzte Militäroperation» in Aleppo angekündigt. Die Führung in Damaskus wirft den kurdisch angeführten SDF vor, in Aleppo Wohngebiete, Verkehrsstraßen und Sicherheitskräfte anzugreifen.

Geplante Eingliederung der Kurden bisher nicht umgesetzt

Seit dem Umbruch in Syrien Ende 2024 streben die neuen Machthaber in Damaskus eine Zentralregierung für das Land an. Das Land wurde durch die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie und den fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg tief gespalten. Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. Dort liegen auch die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.

Im März vergangenen Jahres hatten sich die Kurden und die Übergangsregierung auf eine Eingliederung der bisher autonomen Institutionen in die staatlichen Strukturen geeinigt. Der Vereinbarung nach sollten auch die kurdischen Kämpfer in die Armee eingegliedert werden. Bis heute wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt. Zum Jahresende 2025 lief eine Frist aus. Bis dahin sollten Mechanismen zur konkreten Umsetzung ausgehandelt werden. Bisher treten die Verhandlungen auf der Stelle. Die Kurden ihrerseits fürchten sich vor erneuter Diskriminierung. Sie bevorzugen eine dezentrale Staatsordnung, um ihre Rechte nicht wieder zu verlieren.

SDF beschuldigen Regierung

Die SDF beschuldigten mit der Regierung verbündete Gruppierungen, sie angegriffen zu haben. Die SDF meldeten Beschuss. Mindestens sieben Zivilisten seien seit dem erneuten Aufflammen der Gefechte am Dienstag getötet worden. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden. Panzerbeschuss und Drohnenangriffe dauerten weiter an.

Die Übergangsregierung gab an, dass bei SDF-Angriffen gestern drei Zivilisten getötet wurden. 15 weitere seien verletzt worden. Darunter seien auch Kinder, hieß es.

Nach kurdischen Angaben ständen die betroffenen Stadtteile Scheich Maksoud und Aschrafija unter vollständiger Belagerung. Die Einfuhr von Lebensmitteln, medizinischer Hilfe werde blockiert.

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