Leichen an Tunesiens Küste, 210 Tote

Foto: EPA-EFE/Jose Sena Goulao
Foto: EPA-EFE/Jose Sena Goulao

TUNIS: Tunesiens Marine hat nach Bootsunglücken vor der Küste des nordafrikanischen Landes erneut Dutzende Migranten tot geborgen. In den vergangenen zehn Tagen seien insgesamt 210 Leichen entdeckt worden, teilte ein Sprecher der Nationalgarde am Freitag mit. Die leblosen Körper wurden demnach in der Nähe verschiedener Küstenorte gefunden, darunter Sfax und Mahdia. Die Opfer stammen den Angaben zufolge wahrscheinlich aus Ländern südlich der Sahara.

Derzeit machen sich wieder etliche Migranten auf den gefährlichen Weg über das Mittelmeer nach Europa. Die Boote sind oft nicht seetauglich, immer wieder sterben Menschen bei der Überfahrt. Tunesien gilt inzwischen als wichtigstes Transitland für Migranten auf dem Weg nach Italien.

Viele Migranten wollen Tunesien verlassen, seit Präsident Kais Saied im Februar ein härteres Vorgehen gegen sie angekündigt hatte. Er warf ihnen vor, Gewalt und Kriminalität ins Land zu bringen. Seitdem nahmen auch Anfeindungen und rassistische Übergriffe zu.

In der Stadt Sfax werden derzeit im Eiltempo Menschen beigesetzt, nachdem die Leichenhalle einer Universitätsklinik dort völlig überfüllt war und örtliche Behörden Alarm geschlagen hatten.

Die Überfahrt nach Italien ist hochgefährlich. Von Sfax zur italienischen Insel Lampedusa vor Sizilien etwa müssen Boote rund 180 Kilometer zurücklegen. Nach offiziellen Zahlen des Innenministeriums in Rom vom Freitag erreichten seit Beginn des Jahres knapp 41.000 Migranten per Boot Italien - im Vorjahreszeitraum waren es rund 10.000.

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Leserkommentare

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Jürgen Franke 30.04.23 07:50
Herr Schwake, es hindert Sie niemand
mit der Untersuchung zu beginnen, wenn Sie das so interessiert. Eigentlich wäre es eine Aufgabe der UN, Fluchtgründe zu untersuchen, um sie zu verhindern, dass Menschen auf der Flucht sterben.
Rolf W. Schwake 29.04.23 22:30
Jeder Mensch, der so zu Tode kommt ...
… ist natürlich einer zuviel. Warum die nordafrikanischen Staaten es aber zulassen, dass trotz der bekannten Gefahren immer wieder neue marode Boote von dort gen Norden ablegen, lässt die Vermutung aufkommen, dass von den ca. 3000 Dollar Schleusergeld pro Person (!) ein gerüttelt Maß in den Taschen der dortigen Aufsichtsbehörden landet!
Und niemand fragt, wie diese Menschen dann ca. 3000 Dollar pro Person Schleusergeld aufbringen. Für mich sind 3000 Dollar bereits eine erkleckliche Summe Geldes - wieviel mehr wert muss es dann für denjenigen sein, der ansonsten mit seiner Hände Arbeit 100-200 Dollar monatlich verdient, wenn er überhaupt Arbeit findet. Kann der dann - selbst mit Hilfe seiner Familie - diese Summe aufbringen? Oder stecken anderen Kräfte dahinter, die Europa destabilisieren wollen, indem sie uns massenhaft Migranten schicken. Eine Million Migranten würden dann ca. 3 Milliarden Dollar Schleusergeld kosten - und wer könnte das wohl aus der Portokasse begleichen. Warum untersucht das niemand???