THAILAND: „Ich habe keine Lust mehr, mich dauernd zu erklären“, sagt Shane Bhatla mit einer Entschlossenheit, die mehr als deutlich ausdrückt, dass es ihm sehr ernst damit ist. „Sich dauernd erklären zu müssen, ist ermüdend. Ich bin ein Mann. Fertig, aus.“ Dem 24-jährigen Aktivisten für die Rechte Transsexueller ist aber auch klar, dass er als Gast der Podiumsdiskussion über die Rechte der LGBT in Asien Ende Mai im Club der Auslandskorrespondenten in Bangkok nicht um Erklärungen herumkommen wird.
Unsichtbare Transmänner
Was Shane immer wieder erklären muss ist: er wurde nicht als Mann, sondern als Mädchen geboren. Während Kathoeys – also transsexuelle Frauen – in Thailand allgegenwärtig sind, die berühmten, glamourösen Drag Shows wie das Tiffanys in Pattaya zigtausende Touristen anziehen und keine Schwulenbar ohne schrille Drag Queens auskommt, sind Transmänner wie Shane in der thailändischen (Medien-) Öffentlichkeit kaum sichtbar.

Über seine sexuelle Orientierung will Shane erst recht nicht sprechen. Der Programm Manager bei LGBTI-Gruppe (Lesben, Gays, Bi-, Trans- und Intersexuelle) OUT BKK sagt nur soviel: „Die sexuelle Identität und die Gender-Identität sind nicht unbedingt deckungsgleich.“ Mit anderen Worten: ein Transmann kann schwul oder auch heterosexuell sein. Eines weiß Shane aber sicher: „In der schwulen Community werden wir Transmänner nicht als Männer akzeptiert.“
Diskriminierung im Alltag
Noch schlechter sieht es mit der Akzeptanz von Transmännern in der breiteren Öffentlichkeit aus. „In Thailand kann ich keinen Arzt aufsuchen, ohne diskriminiert zu werden.“ Dabei sind Arztbesuche für Transsexuelle jeder Richtung von besonderer Bedeutung, sind sie doch zur Geschlechtsanpassung auf Hormonbehandlungen angewiesen und auch auf ärztliche Begleitung bei der Vorbereitung einer operativen Geschlechtsanpassung.
Auch Jimmy ist ein Transmann, mit dem DER FARANG bei einer früheren Gelegenheit sprach. Der Moderator von TV-Shows macht keinen Hehl daraus, dass ein Transmann zu sein teuer ist. Ins Geld gingen vor allem die Kosten für die lebenslang notwendigen Hormonbehandlungen. „Ärmere transsexuelle Thaimänner führen oft die Hormontherapie als Selbstbehandlung ohne ärztliche Beratung durch und beschaffen sich die Medikamente aus dubiosen Quellen“, weiß Jimmy.

Für transsexuelle Männer ist es noch schwieriger, einen ordentlichen Job zu finden als für transsexuelle Frauen. Bevor darauf näher eingegangen wird, muss der lateinische Begriff Cis – diesseits - erklärt werden: als „Cis“ bezeichnen Sexualwissenschaftler und Genderaktivisten Männer und Frauen, für die ihre Geschlechtsidentität einfach die ihrer Geburt ist.
Eine im Auftrag des Asia Pacific Transgender Network (APTN) erstellte aktuelle Studie für Südostasien belegt, dass „Transmenschen regelmäßig Diskriminierungen bei Stellenbewerbungen“ erleben. „Es ist alarmierend, dass das schon vor Bewerbungsgesprächen passiert. Insgesamt erhalten Transmenschen signifikant weniger positive Antworten auf Bewerbungen als Cis-Menschen.“
Tanwarin für Change
Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle haben jetzt mit der transsexuellen Frau Tanwarin Sukkapisit eine laute Stimme im neuen thailändischen Parlament. „Unser Geburtsgender können wir uns nicht aussuchen, unsere Genderidentität schon“, sagt die Abgeordnete der Future-Forward-Partei und fügt nachdrücklich hinzu: „Das ist unser Recht.“