CHONBURI: Thailand treibt die Modernisierung des Tiefseehafens Laem Chabang voran, um von der weltweiten Neuausrichtung von Lieferketten zu profitieren. Das Verkehrsministerium setzt dabei auf den Ausbau der Hafeninfrastruktur, die Vereinfachung von Vorschriften für Umschlagladungen, die Verringerung von Verkehrsstaus sowie die beschleunigte Umsetzung laufender Erweiterungsprojekte. Ziel ist es, den Hafen zu einem internationalen Logistikdrehkreuz auszubauen und Thailands Position als regionales Transport- und Handelszentrum zu stärken.
Anlass für die Maßnahmen ist unter anderem der „Global Trade Observatory Annual Outlook Report 2026“ von DP World und dem Weltwirtschaftsforum. Die Untersuchung unter mehr als 3.500 Führungskräften aus den Bereichen Lieferketten und Logistik zeigt, dass Unternehmen trotz geopolitischer Spannungen, politischer Unsicherheiten und Störungen auf wichtigen Transportwegen weiterhin von einem Wachstum des Welthandels ausgehen. Mehr als die Hälfte der Befragten erwartet für dieses Jahr ein stärkeres Handelswachstum als im Vorjahr. Gleichzeitig rechnen viele Unternehmen mit anhaltend hohen politischen Unsicherheiten.
Neue Lieferketten als Wachstumsmotor
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die zunehmende Diversifizierung von Lieferanten und Produktionsstandorten. Mehr als die Hälfte der befragten Führungskräfte sieht darin die wichtigste strategische Maßnahme für 2026. Unternehmen wollen dadurch neue Märkte erschließen, moderne Technologien nutzen sowie ihre Widerstandsfähigkeit und Flexibilität stärken. Als wichtigste Wachstumstreiber gelten neue Absatzmärkte, der Einsatz künstlicher Intelligenz sowie Verbesserungen bei Transportinfrastruktur und Logistikkapazitäten.
Der stellvertretende Verkehrsminister Sapphet Boonyamanee bezeichnete den Hafen von Laem Chabang als wichtigste Handelsdrehscheibe des Landes und als zentralen Bestandteil des thailändischen Logistiksystems. Nach Gesprächen mit Vertretern der Hafen- und Containerterminalbetreiber erklärte er, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft die nachhaltige Entwicklung des Hafens fördern und internationale Standards sichern solle.
Anpassung der Hafentarife geplant
Im Rahmen der Beratungen wurde auch ein Vorschlag der Port Authority of Thailand zur Anpassung der Hafengebühren vorgestellt. Je nach Containergröße und Art der Ladung könnten die Gebühren für Be- und Entladung, Hafennutzung, Containerabfertigung und Lagerung um durchschnittlich 16 bis 29 Prozent steigen. Nach Angaben der Behörden sollen die neuen Tarife die gestiegenen Betriebskosten widerspiegeln und gleichzeitig innerhalb der von der Regierung festgelegten Obergrenzen bleiben.
Zudem plant das Verkehrsministerium eine Reform der Vorschriften für den Umschlag internationaler Fracht. Der Anteil sogenannter Transshipment-Ladungen ist in Laem Chabang von 1,0 Prozent im Jahr 2019 auf nur noch 0,7 Prozent im Jahr 2025 gesunken, obwohl das gesamte Containeraufkommen im gleichen Zeitraum um mehr als 25 Prozent zulegte. Als Hauptursachen gelten komplizierte Genehmigungsverfahren und rechtliche Hürden. Die Hafenbehörde arbeitet deshalb an Änderungen von insgesamt 17 Gesetzen. In einer ersten Phase sollen sechs zentrale Rechtsvorschriften angepasst werden. Künftig soll ein Meldesystem die bisherigen Genehmigungsverfahren ersetzen und damit den Verwaltungsaufwand reduzieren. Die Vorlage soll bis September 2026 dem Kabinett vorgelegt werden.
Hafenausbau nähert sich nächster Phase
Auch der Ausbau des Hafens schreitet voran. Nach Angaben des kommissarischen Leiters der Hafenbehörde, Rattakorn Khieophisan, ist die dritte Ausbaustufe des Hafens inzwischen zu 68,89 Prozent abgeschlossen. Die maritimen Bauarbeiten sind bereits zu mehr als 95 Prozent fertiggestellt. Der Bau von Gebäuden und Versorgungseinrichtungen liegt dagegen noch bei knapp 20 Prozent. Die Beschaffung und Installation von Bahnsystemen sowie technischer Ausrüstung befindet sich noch in der Vergabephase. Mit den entsprechenden Bauarbeiten wird Ende 2027 gerechnet.
Ein weiteres Problem bleibt die Verkehrsbelastung rund um den Hafen. Während Spitzenzeiten fahren täglich mehr als 22.000 Lastwagen das Hafengelände an. Die Hafenbehörde wurde daher angewiesen, ein mehr als 127 Rai großes Pufferareal als Wartezone für Lkw einzurichten, um Staus auf den Zufahrtsstraßen zu verringern. Betreiber der Terminals wurden zudem angewiesen, an den Nebenzufahrten die Abfertigung von mindestens 50 Lastwagen pro Stunde sicherzustellen. Zusätzliche Maßnahmen sollen den Abtransport von Containern beschleunigen und die Belastung privater Lagerflächen reduzieren.
Neue Lagerflächen für alte Container
Darüber hinaus sollen 1.248 langfristig abgestellte Container durch die Schaffung zusätzlicher Lagerkapazitäten auf einer Fläche von fünf Rai besser verwaltet werden. Für das Projekt sind 26 Millionen Baht vorgesehen. Nach Fertigstellung soll die Anlage jährlich bis zu 1.000 Standardcontainer aufnehmen können. Die Inbetriebnahme ist für das Haushaltsjahr 2027 geplant.
Zur weiteren Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit setzt das Verkehrsministerium auf digitale Lösungen. Eine rund um die Uhr arbeitende Verkehrsmanagementgruppe soll Behörden, Hafenbetreiber, Zoll, Straßenverwaltung, lokale Behörden und Polizei koordinieren. Zusätzlich sind digitale Systeme für die Reservierung von Lkw-Zeitfenstern sowie umfassende „Smart Port“-Lösungen vorgesehen. Nach Angaben des Ministeriums sollen die Maßnahmen die Servicequalität verbessern, die Sicherheit erhöhen, das Vertrauen von Investoren stärken und langfristig die Rolle Thailands als nachhaltiges Logistik- und Transportzentrum in Südostasien ausbauen.