Ukrainekrieg: Meldungen am Sonntag

Foto: epa/dpa Fotomontage
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Selenskyj: Russland verliert Initiative auf dem Schlachtfeld

KIEW: Nach über vier Jahren Krieg sieht der ukrainische Präsident einen möglichen Weg zu Friedensgesprächen. Ob Moskau nach den aktuellen Rückschlägen an den Fronten einlenkt, bleibt abzuwarten.

Russland verliert im Krieg gegen die Ukraine die Initiative auf dem Schlachtfeld und eröffnet damit nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj den Weg zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts. Seit Ende Dezember des Vorjahres gerate die russische Armee immer mehr in die Rückhand bei hohen Verlusten an Soldaten, erklärte Selenskyj in einem Interview des Senders CBS News, das er in Teilen auch auf X und Telegram veröffentlichte. Russland könne nicht mehr Territorium besetzen als die Ukraine zurückerobere.

«Daher denke ich, dass wir einen diplomatischen Weg finden müssen - hinsetzen und verhandeln - bis Anbruch des nächsten Winters», sagte Selenskyj. Allerdings sei dazu innerer Druck auf Kremlchef Wladimir Putin ebenso nötig wie mehr Sanktionsdruck durch die USA und Europa. Auch Europa müsse mit am Verhandlungstisch sitzen, möglicherweise in einem Dreierformat von Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Bisherige Verhandlungs- oder Vermittlungsversuche sind an den Maximalforderungen Moskaus gescheitert. Zu diesen gehört unter anderem, dass Kiew seine Armee aus den bislang nicht von Russland eroberten Gebieten im Donbass, den die Regionen Donezk und Luhansk bilden, abzieht.

Selenskyj kritisierte die Lockerung von Sanktionen gegen Russland angesichts der Erdölkrise, hervorgerufen durch den Krieg der USA gegen den Iran. «Sanktionen aufheben bedeutet, russischen Soldaten zu helfen, indem man der russischen Industrie hilft», sagte er. Durch die Lockerung der Sanktionen gegen Moskau habe es keine Überraschungen wie niedrigere globale Preise für Öl, Benzin oder Diesel gegeben. Vielmehr sei diese Lockerung seiner Meinung nach ein Weg, um den Dialog mit Russland aufzubauen. «Aber dies ist nicht die richtige Herangehensweise, denn sie (die Russen) verstehen keine Worte oder Empathie und sehen es als Zeichen der Schwäche.»


Selenskyj dankt Berlin für neues Flugabwehrsystem

KIEW: Die Ukraine leidet schwer unter den russischen Angriffen aus der Luft. Vor allem gegen Raketen und Marschflugkörper ist die Flugabwehr auf westliche Systeme angewiesen. Nun gab es Verstärkung.

Die Ukraine hat nach Angaben ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine neue Startrampe des Flugabwehrsystems Iris-T aus Deutschland erhalten. «Wir danken Deutschland für seinen ständigen Beitrag zum Schutz unserer Leute», schrieb er auf Telegram. Es seien inzwischen Tausende Leben durch diese «starke Hilfe» gerettet worden. In dem Beitrag beklagte er die andauernden russischen Angriffe aus der Luft. Allein in dieser Woche hat Russland demnach rund 2.300 Drohnen, 1.560 gelenkte Gleitbomben und 108 Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. Wegen der Angriffe sei ein ständiger Nachschub an Flugabwehrraketen nötig, betonte er.

Aus Berlin kam bislang noch keine offizielle Bestätigung der Lieferung. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, «dass wir grundsätzlich und unabhängig von Waffensystemen nicht zu Planungen und Lieferungen militärischer Unterstützungsleistungen für die Ukraine spekulieren oder kommunizieren». Diese grundsätzliche Zurückhaltung diene der militärischen und operationellen Sicherheit.

Die Iris-T ist ein deutsches System zur Flugabwehr im Nahbereich. Deutschland hat schon mehrere Komplexe an die Ukraine geliefert - Stand 2025 waren es sieben Stück.


Nach Drohnenangriffen: Benzin wird auf der Krim knapp

SIMFEROPOL: Ölanlagen in Russland und den von Moskau besetzten Gebieten geraten immer stärker unter Beschuss. Die Folgen werden nun auf der Halbinsel Krim auch für die Bewohner spürbar.

Die Behörden auf der von Russland seit 2014 annektierten Halbinsel Krim haben nach den ukrainischen Drohnenangriffen auf Ölanlagen Begrenzungen für die Ausgabe von Benzin eingeführt. Benzin der Marke AI-95 - entspricht Super in Europa - werde vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel abgegeben, teilte der von Moskau eingesetzte Statthalter der Region, Sergej Aksjonow, auf Telegram mit. Normale Bürger könnten den Treibstoff nur mit Bezugsschein tanken - dann ohne Mengenbegrenzung. Für die Marke AI-92 (Normal) gelte wiederum eine Obergrenze von 20 Litern.

«Das Tanken in Kanister ist verboten», schrieb Aksjonow zudem. Damit soll offenbar Hamstern verhindert werden. Seinen Angaben nach gelten die Beschränkungen zunächst für einen Zeitraum von 30 Tagen. Im Internet kursieren derweil zahlreiche Videos von langen Schlangen vor den Tankstellen auf der Krim.

Seit Beginn des von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine dient die Krim als Versorgungsbasis für die im Süden der Ukraine angreifenden russischen Truppen. Daher ist die Halbinsel vermehrt ins Visier ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe gerückt. Gerade Ölanlagen geraten zunehmend unter Beschuss. So brennt die Raffinerie in der Stadt Feodossija seit zwei Tagen. Kiews Ziel ist es, die Versorgung der Besatzungstruppen zu erschweren.


Ukraine attackiert erneut Raffinerie

SARATOW: Seit mehr als vier Jahren führt Russland Krieg in der Ukraine. An der Front geht es für die Russen kaum voran. Nun bekommt der Aggressor die Folgen seiner Invasion zunehmend im eigenen Land zu spüren.

Die Ukraine hat in der Nacht erneut Ölanlagen in Russland mit Drohnen angegriffen. Unter Beschuss geraten seien ein Öllager nahe der Stadt Taganrog am Asowschen Meer und eine Raffinerie in Saratow an der Wolga, berichtete die Internetzeitung «Ukrajinska Prawda». Russische Behörden haben die Treffer teilweise bestätigt. Vor allem in Saratow hat die Attacke wohl schwere Folgen, den im Netz kursierenden Bildern nach zu urteilen.

«Vorläufigen Informationen nach gibt es Schäden an Objekten der zivilen Infrastruktur», schrieb auch der Gouverneur von Saratow, Roman Bussargin, auf Telegram. Details nannte er nicht. Die Raffinerie in Saratow gehört zum staatlichen Ölkonzern Rosneft, der unter der Leitung von Igor Setschin steht, einem engen Vertrauten von Kremlchef Wladimir Putin. Bereits in der Vergangenheit war die Anlage Ziel ukrainischer Angriffe.

Der Gouverneur von Rostow, Juri Sljussar, bestätigte auf Telegram, den Brand eines Öllagers bei Taganrog im Landkreis Matwejew-Kurgan. Die Löscharbeiten hielten an, schrieb er auf Telegram.

Nach Angaben des russischen Militärs wurden in der Nacht mehr als 200 ukrainische Drohnen abgefangen. Drohnenangriffe gehören in dem vor mehr als vier Jahren von Putin befohlenen Krieg inzwischen zum Alltag und werden von beiden Seiten eingesetzt. Immer wieder attackieren sie Objekte tief im Hinterland des Gegners.

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