IAEA prüft Vorwurf zu Drohnenangriff auf AKW Saporischschja
ENERHODAR: Moskau wirft der Ukraine einen Drohnenangriff auf das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja vor. Kiew dementiert. Nun geht die Internationale Atomenergie-Organisation den Vorwürfen nach.
Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) hat besorgt auf einen möglichen Drohneneinschlag in einem Maschinengebäude des russisch besetzten Atomkraftwerks Saporischschja im Südosten der Ukraine reagiert. IAEA-Experten vor Ort hätten um Zugang zum betroffenen Kraftwerksgebäude gebeten, teilte die Organisation auf der Plattform X mit. Demnach wäre es der erste Drohnenangriff seit April 2024 auf das Kraftwerksgelände.
Zuvor hatten die von Moskau eingesetzte Kraftwerksleitung und der Chef des staatlichen russischen Atomkonzerns Rosatom, Alexej Lichatschow, über einen Drohnenangriff auf den Maschinensaal des Reaktors sechs informiert. Sie lasteten den Vorfall dem ukrainischen Militär an. Dabei soll eine über ein Glasfaserkabel ferngesteuerte Drohne eingesetzt worden sein. Belege wurden nicht vorgelegt. Die ukrainische Armee wies die Vorwürfe zurück und schrieb in einer in sozialen Netzwerken verbreiteten Stellungnahme von einem Versuch der «atomaren Erpressung» durch Russland.
Das AKW im südostukrainischen Gebiet Saporischschja ist mit einer Nennleistung von 6.000 Megawatt das größte Atomkraftwerk in Europa. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 geriet das Kraftwerk im Monat darauf unter russische Kontrolle. Aus Sicherheitsgründen wurden alle sechs Reaktoren abgeschaltet. Der nahe Fluss Dnipro trennt in der Gegend russische und ukrainische Truppen.
Selenskyj erneuert Warnung vor massivem russischem Angriff
KIEW: Selenskyj warnt: Die Angst vor einem russischen Großangriff bleibt. Warum der stockende Nachschub an Raketenabwehr aus dem Westen jetzt zum Problem wird.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Warnung vom Vortag vor einem neuen massiven russischen Luftangriff wiederholt. «Die Information des Geheimdienstes über einen möglichen massiven Angriff bleibt aktuell», sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Er forderte die Ukrainer auf, Luftalarme nicht zu ignorieren. Zwar sei die ukrainische Flugabwehr in Bereitschaft, jedoch räumte Selenskyj Probleme beim westlichen Nachschub für die Abwehr von ballistischen Raketen und Marschflugkörpern ein.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Die Kriegsparteien setzen dabei massiv Drohnen und Raketen gegen Ziele im Hinterland des Gegners ein.