Putin trifft internationale Journalisten bei Wirtschaftsforum
ST. PETERSBURG: Trotz Angriffskrieg und Sanktionen will Russland beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg ökonomische Kraft demonstrieren. Geplant ist auch ein Treffen Putins mit internationalen Journalisten.
Inmitten seines Angriffskriegs gegen die Ukraine will Kremlchef Wladimir Putin am Donnerstag Fragen westlicher Journalisten in St. Petersburg beantworten. Er trifft am zweiten Tag des Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) in der Millionenmetropole Vertreter internationaler Nachrichtenagenturen, um über aktuelle Aspekte der Innen- und Außenpolitik Russlands und internationale Ereignisse zu sprechen, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow. Die Veranstaltung findet ihm zufolge zum zehnten Mal statt, in der Vergangenheit dauerte sie meist mehrere Stunden.
Russland nutzt das Wirtschaftsforum, um sich der Welt zu präsentieren und will dabei trotz eines Wachstumseinbruchs seine ökonomische Kraft nach mehr als vier Jahren seines Angriffskriegs gegen die Ukraine und westlichen Sanktionen nach außen demonstrieren. Zum Beginn des Forums machte ein ukrainischer Drohnenangriff den Plänen aber einen Strich durch die Rechnung. Am frühen Morgen, als Gäste zu der Veranstaltung anreisten, gab es mehrere Stunden Drohnenalarm und über der Millionenmetropole zog schwarzer Rauch auf.
Angemeldet haben sich nach Kremlangaben etwa 20.000 Teilnehmer aus mehr als 100 Ländern. Gastland ist diesmal Saudi-Arabien. Der Kreml hofft in diesem Jahr auf eine Rückkehr von Unternehmern aus Europa und den USA. Tatsächlich sind neben der amerikanischen Handelskammer auch deutsche Unternehmer vor Ort. Die deutsch-russische Auslandshandelskammer richtet erstmals wieder selbst eine Veranstaltung aus. Auch Bundestagsabgeordnete der AfD sind als Gäste anwesend. Sie reisten gegen den Rat des Auswärtigen Amts nach Russland.
Nach Angriff auf Petersburg: Kreml sieht Kriegskurs bestätigt
ST. PETERSBURG: Der ukrainische Drohnenangriff unmittelbar vor einem von Kremlchef Putin geleiteten Wirtschaftsforum in St. Petersburg erzeugt Schockwellen. Der Kreml sieht sich aber in seinem Krieg bestätigt.
Der Kreml nutzt den ukrainischen Drohnenangriff auf St. Petersburg vor einem internationalen Wirtschaftsforum in der Ostseemetropole zur Begründung für die Fortsetzung des Kriegs in der Ukraine. «Allgemein kann ich sagen, dass wir die militärische Spezialoperation auch deswegen fortführen, damit es solche Schläge nicht gibt», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Ein direkter Vergeltungsschlag läge aber im Verantwortungsbereich des Verteidigungsministeriums, wich er dabei der Frage nach einer Reaktion auf die Angriffe aus.
Russlands Präsident Wladimir Putin hat den Krieg gegen die Ukraine vor mehr als vier Jahren befohlen. Das russische Militär greift seither systematisch Städte und Gemeinden in der Ukraine an und tötet dabei auch viele Zivilisten. Inzwischen ist auch die Ukraine zu massiven Drohnenangriffen auf Russlands Hinterland übergegangen. Ziel sind neben militärischen Anlagen vor allem Objekte der Ölindustrie.
In St. Petersburg, wo Putin gerade das internationale Wirtschaftsforum SPIEF startet, bei dem er auch westliche Unternehmer und Wirtschaftsvertreter erwartet, haben Medienberichten zufolge ukrainische Drohnen Ölanlagen im Hafen und Militärobjekte in der Flottenbasis Kronstadt getroffen.
Nato-Generalsekretär Rutte zu Besuch in Kiew
KIEW: Wie kann die Nato die Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland am besten unterstützen, ohne Kriegspartei zu werden? Diese Frage beschäftigt die Allianz von Beginn an. Nun gibt es neue Gespräche in Kiew.
Nato-Generalsekretär Mark Rutte ist zu einem Besuch in der von Russland angegriffenen Ukraine eingetroffen. Er wird nach Angaben seiner Sprecherin von den Botschaftern der Bündnisstaaten in Brüssel begleitet. Der Besuch ist demnach eine Reise des Nordatlantikrats, der das höchste politische Entscheidungsgremium der Nato ist und auf Botschafterebene in der Regel mindestens einmal in der Woche tagt. Auf Bildern ukrainischer Medien ist zu sehen, wie Rutte am Bahnhof in der Hauptstadt Kiew aus einem Nachtzug steigt.
Zum genauen Programm des Besuchs wollte sich die Sprecherin aus Sicherheitsgründen nicht äußern. Rutte war in der Vergangenheit bereits öfter zu Gast in Kiew, um dort Präsident Wolodymyr Selenskyj und andere Politiker zu treffen.
Die Nato unterstützt die Ukraine derzeit unter anderem über das sogenannte Purl-Programm. Die Initiative sieht vor, dass in den USA hergestellte Munition und Waffen an die europäischen Verbündeten und Kanada verkauft werden - und diese sie dann der Ukraine zur Verfügung stellen. Purl steht für «Prioritised Ukraine Requirements List». Auf Deutsch bedeutet das etwa: Priorisierte Bedarfsliste für die Ukraine.
Selenskyj lobt Drohnentruppen nach Attacke auf Petersburg
KIEW/ST. PETERSBURG: In St. Petersburg will Kremlchef Putin internationalen Gästen zeigen, wie gut Russland vier Jahre nach Kriegsbeginn dasteht. Mit einem Drohnenangriff stört die Ukraine nun den Eindruck der Idylle.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die ukrainischen Drohnenangriffe auf den Hafen der Millionenstadt St. Petersburg bestätigt. Die Einschläge bezeichnete er als «gutes Resultat» der gemeinsamen Arbeit von Drohneneinheiten verschiedener Truppengattungen und Geheimdienste. Getroffen worden sei neben dem Ölterminal auch ein rein militärisches Ziel im Stadtbezirk Kronstadt, wo die russische Kriegsflotte ihren Stützpunkt in der Ostsee hat. Die Ziele lägen fast 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, betonte er.
In St. Petersburg startet am Mittwoch das Internationale Wirtschaftsforum SPIEF. Kremlchef Wladimir Putin ist Gastgeber bei dem glanzvoll für Gäste aus aller Welt inszenierten Forum. Erwartet werden auch Unternehmer und Wirtschaftsvertreter aus westlichen Staaten. Aus Deutschland besuchen daneben Politiker der AfD das Forum. In weiten Teilen der Millionenstadt an der Newa waren nach dem ukrainischen Angriff Rauchschwaden zu sehen.
«Ein weiteres Ziel war ein Unternehmen in der Region Tambow, das an der Produktion russischer Rüstungsgüter beteiligt ist», schrieb Selenskyj. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um eine Fabrik, die auch Raketentechnik produziert.