EU wird vorerst keinen Russland-Gesandten ernennen
LIMASSOL: Wer könnte die EU bei möglichen Ukraine-Verhandlungen mit Russland vertreten? Über diese Frage wurde zuletzt viel spekuliert. Bei einem Außenministertreffen liegt der Fokus aber nun woanders.
Die EU will vorerst keinen Chefverhandler für mögliche Ukraine-Friedensgespräche mit Russland ernennen. Ein solcher Schritt werde von der Außenbeauftragten Kaja Kallas und führenden EU-Staaten wie Deutschland derzeit nicht als sinnvoll angesehen, sagten mehrere ranghohe EU-Beamte und Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur am Rande eines informellen Außenministertreffens in Zypern.
Statt über Personen soll demnach zunächst über Strategiefragen geredet werden. «Wir müssen uns darauf verständigen, worüber wir mit Russland sprechen wollen», sagte eine EU-Beamtin. Es gelte zu klären, wie die EU diplomatische Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskrieges unterstützen könnte.
Selenskyj bittet USA per Brief um Hilfe bei Flugabwehr
KIEW: Erst am Wochenende überzog Russland die Ukraine mit einem massiven Angriff und drohte die nächste Attacke schon an. Nun wendet sich Präsident Selenskyj laut Medien an US-Präsident Trump.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich Medienberichten zufolge wegen mangelnder Flugabwehr per Brief mit einem Hilfsgesuch an Washington gewandt. Wenn es um die Raketenabwehr gehe, verlasse sich Kiew auf seine Freunde auf der ganzen Welt, heißt es laut «The Kyiv Independent» in dem Brief, der dem Medium nach eigenen Angaben vorlag. Beim Schutz gegen ballistische Raketen sei die Ukraine aber fast vollständig von den USA abhängig, schrieb Selenskyj demnach weiter.
Laut Bericht beklagt Selenskyj auch, dass Waffenlieferungen über das PURL-Programm, das den Kauf von US-Waffen für die Ukraine durch Nato-Verbündeten vorsieht, nicht mehr der Bedrohungslage des Landes entsprechen. Der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge bestätigte Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn Journalisten, dass Selenskyj US-Präsident Donald Trump und dem US-Kongress ein entsprechendes Schreiben übermittelt habe.
Erst am Wochenende hatte Russland die Ukraine, vor allem die Hauptstadt Kiew, mit einem der bisher schwersten Angriffe überzogen. Dabei setzte Moskau auch die wegen ihrer Zerstörungskraft besonders gefürchtete neue Mittelstreckenrakete Oreschnik ein.
Dieser Angriff galt eigentlich bereits als Racheakt für einen ukrainischen Drohnenangriff auf ein Wohnheim in Starobilsk im von Russland besetzten Gebiet Luhansk. Moskau kündigte aber einen weiteren massiven Angriff gegen Kiew an. Den Angaben der Besatzungsbehörden zufolge kamen bei der Attacke in der vergangenen Woche 21 Zivilisten ums Leben. Der Generalstab in Kiew wiederum teilte mit, der Angriff habe einer Drohneneinheit des russischen Militärs gegolten.
Russisches Flugzeug soll Luftraum verletzt haben
PORKKALA: Unruhe im Ostseeraum: Ein russischer Militärflieger soll in Finnlands Luftraum eingedrungen sein. Die Finnen haben schon einen Verdacht, was dahinterstecken könnte.
Ein russisches Militärflugzeug steht nach Angaben von Finnlands Verteidigungsministerium im Verdacht, finnischen Luftraum verletzt zu haben. «Eine Untersuchung des mutmaßlichen Luftraumverstoßes wurde sofort eingeleitet», sagte Verteidigungsminister Antti Häkkänen laut einer Mitteilung. Der Flieger könnte demnach im finnischen Meerbusen vor der Halbinsel Porkkala zwischen Finnland und Estland einem Gewitter ausgewichen sein. Die Luftwaffe habe mit einem Einsatzflug reagiert, hieß es in der Mitteilung. Die Grenzschutzbehörde untersuche den Vorfall nun.
In den vergangenen Monaten waren im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine mehrfach fehlgeleitete ukrainische Drohnen in den finnischen Luftraum eingedrungen oder auf finnischen Boden abgestürzt. Finnland teilt eine mehr als 1.300 Kilometer lange Grenze mit Russland.
Deutscher Verteidigungsminister Pistorius zu Gesprächen
OTTAWA: Gemeinsame Sicherheit, Rüstungsprojekte und der Ukraine-Krieg: Bei seinem Besuch in Ottawa mangelt es dem deutschen Verteidigungsminister nicht an Themen. Er nimmt an einer Sicherheitskonferenz teil.
Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius ist zu militärpolitischen Gesprächen in der kanadischen Hauptstadt Ottawa eingetroffen.
Er wollte mit seinem kanadischen Amtskollegen David McGuinty über Fragen gemeinsamer Sicherheit, Rüstungskooperationen, Hilfe für die Ukraine und die Vorbereitung des für Juli geplanten Nato-Gipfels sprechen. Pistorius nimmt auch an der Sicherheitskonferenz Cansec teil.
Deutschland will Kanada als Partner für eine gemeinsame U-Boot-Partnerschaft mit Norwegen gewinnen. Der Kieler U-Boot-Bauer TKMS hofft auf einen Auftrag der Kanadier. Das nördliche Nachbarland der USA ist seit Juli 2024 mit Deutschland, Norwegen und inzwischen auch mit Dänemark über eine Maritime Sicherheitspartnerschaft verbunden. Rüstungskooperationen sind ein Teil dieser Partnerschaft.
Anders als bei früheren Nordamerika-Besuchen wird es keine Weiterreise zu Gesprächen mit der US-Regierung in Washington geben. Im deutschen Verteidigungsministerium wurde darauf hingewiesen, dass US-Verteidigungsminister Pete Hegseth derzeit an der asiatischen Sicherheitskonferenz Shangri-La-Dialog teilnimmt. Ein USA-Besuch von Pistorius soll später stattfinden.