BANGKOK: Tourismusunternehmer in Thailand befürchten, dass das Land innerhalb weniger Jahre seine Führungsposition als beliebtestes Reiseziel Südostasiens an Vietnam verlieren könnte.
Anlass zur Sorge gibt insbesondere das starke Wachstum Vietnams: Im März lag die Zahl der internationalen Besucher dort rund 40 Prozent über dem Vorkrisenniveau, während Thailand im gleichen Zeitraum ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zu 2019 verzeichnete.
Laut Thanet Supornsahasrungsi, Präsident der Chonburi Tourism Federation, könnte es nur zwei bis drei Jahre dauern, bis Vietnam mehr ausländische Touristen empfängt als Thailand. Für das laufende Jahr hat Vietnam sich das Ziel von 23 Millionen internationalen Ankünften gesetzt. Thailands Finanzministerium hat seine Prognose zuletzt von 38,5 auf 36,5 Millionen Besucher nach unten korrigiert.
Thanet kritisierte, dass Thailand bei Lebenshaltungskosten, Attraktivität und Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber Vietnam an Boden verliere. Vietnamesische Familienresorts und Freizeitparks seien moderner und günstiger als vergleichbare Angebote in Thailand, und Hotelangebote mit All-inclusive-Leistungen seien dort teils nur halb so teuer.
Zudem unterstütze Vietnam ausländische Reiseveranstalter – etwa aus Russland – mit Subventionen für Flugreisen und vergünstigten Landegebühren. Infolgedessen verlagerten viele Anbieter ihre Touren von Phuket nach Nha Trang.
Ein weiterer Vorteil Vietnams seien die international ausgelegten Flughäfen großer Städte, die sich 30 bis 45 Autominuten von touristischen Zentren entfernt befinden. Dagegen seien beliebte Reiseziele wie Hua Hin oder Kanchanaburi von Bangkoker Flughäfen aus nur mit langen Transfers erreichbar.
Thailand ruhe sich zu sehr auf früheren Erfolgen aus, ohne in neue Infrastruktur und Sehenswürdigkeiten zu investieren, so Thanet. Ohne eine aktivere Tourismuspolitik und verbesserte Sicherheitsmaßnahmen werde es schwer, das Jahresziel von 36,5 Millionen Ankünften zu erreichen.
Auch Sanga Ruangwattanakul, Präsident der Khao San Road Business Association, sieht Bangkok angesichts eines rückläufigen chinesischen Marktes und wachsender Konkurrenz durch aufstrebende Destinationen wie Vietnam unter Druck. Letzteres biete eine Vielzahl an Attraktionen, darunter Natur, Strände und ein pulsierendes Nachtleben – etwa in Ho-Chi-Minh-Stadt, wo eine belebte Fußgängerzone Khao San Road Konkurrenz mache.
Um dem Rückgang chinesischer Besucher entgegenzuwirken, hat die Association of Thai Travel Agents (Atta) der thailändischen Tourismusbehörde und der Regierung kürzlich ein Subventionsprogramm in Höhe von 320 Millionen Baht vorgeschlagen. Ziel ist es, 150.000 chinesische Touristen ins Land zu holen, was Einnahmen von schätzungsweise 8,3 Milliarden Baht generieren soll. Der Großteil der Kosten – 80 Prozent – soll von privaten Akteuren getragen werden, wodurch das Projekt für die Regierung risikofrei sei. Voraussetzung für die Subvention von 300.000 Baht pro Flug sei eine Mindestanzahl von 150 chinesischen Passagieren.
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