Songkran zwischen Ritual und Exzess

Wasserfest spaltet: Tradition trifft Partykultur in Thailand

Songkran zwischen Brauch und Rausch. Foto: Jahner
Songkran zwischen Brauch und Rausch. Foto: Jahner

PATTAYA: Zwischen ritueller Reinigung und exzessiver Wasserschlacht zeigt sich Songkran in Thailand als Fest der Gegensätze. Während traditionelle Zeremonien den Jahreswechsel prägen, dominieren in Touris­tenzentren wie Pattaya Partykultur und Ausnahmezustand. Das Nebeneinander von Spiritualität und Massenvergnügen sorgt für unterschiedliche Meinungen. DER FARANG wünscht allen Leserinnen und Lesern ein frohes thailändisches Neujahrsfest!

Diesen Monat ist das ganze Land außer Rand und Band, wenn vom 13. bis 15. April 2026 das thailändische Neujahrsfest ausgelassen und vor allem mit viel, viel Wasser gefeiert wird. Ausländer verbinden mit Songkran vor allem eins: Tagelange Wasserschlachten. So kann man in vielen Touristenzielen in der Feierperiode keinen Schritt vor die Tür gehen, ohne Gefahr zu laufen, klitschnass zu werden, weshalb Songkran ein geteiltes Echo erfährt. Während jüngere Urlauberschichten extra zum kollektiven „Wasserkrieg“ aus Übersee anreisen, nehmen viele ältere Residenten Reißaus.

Was heute international vor allem als größte Wasserschlacht der Welt bekannt ist, hat seinen Ursprung in stillen, symbolischen Ritualen. Wasser, das auf den Straßen in Eimern und Wasserpistolen durch die Luft fliegt, steht sinnbildlich für das Abwaschen des Unglücks des vergangenen Jahres. Traditionell hingegen wird es in ruhiger Form verwendet: Familienmitglieder gießen einander behutsam Wasser über die Hände, während auch Buddha-Statuen rituell gereinigt werden – ein Akt, der Glück bringen und die Seele klären soll.

Beim Wan Lai Festival in Naklua liefern sich Einheimische und Touristen ausgelassene Wasserschlachten, während die Straßen und Sois  zur Bühne des Songkran-Festes werden. Foto: Jahner
Beim Wan Lai Festival in Naklua liefern sich Einheimische und Touristen ausgelassene Wasserschlachten, während die Straßen und Sois zur Bühne des Songkran-Festes werden. Foto: Jahner

Alles anders an der Ostküste…

Läuft in den meisten Städten und Dörfern im Land bereits der Countdown zum thailändischen Neujahrsfest, werden an der Ostküste die Feierlichkeiten erst aufgenommen, wenn in anderen Landesteilen die ausgelassenen Festivitäten längst ausgeklungen sind. So auch in Pattaya, wo jedes Jahr eine der größten Songkran-Partys des Landes ausgerichtet wird. Getreu dem Motto „je später, desto besser“ feiert die Touristenmetropole offiziell erst am 18. (Naklua) und 19. April (Pattaya) ihr „Wan Lai Festival“, wie das Neujahrsfest in vielen Ortschaften der Provinz Chonburi traditionell genannt wird.

Wasserschlachten an Wan Lai am 18. April in Naklua. Foto: Jahner
Wasserschlachten an Wan Lai am 18. April in Naklua. Foto: Jahner

Mit Songkran in Pattaya verbinden die meisten Urlauber und Residenten wilde Wasserschlachten, johlende und oftmals angetrunkene Einheimische auf den Ladeflächen von mit Wassertanks beladenen Pick-up-Trucks, wummernde Bässe und Synthesizer bis in die frühen Morgenstunden sowie exzessiven Alkoholkonsum. Nicht zu Unrecht. Hunderttausende Besucher – Ausländer sowie Thais – strömen jedes Jahr wie auf Ameisenwegen in die Touristenmetropole, um an den Songkran-Feierlichkeiten teilzunehmen. Nicht umsonst genießen sie den Ruf die wildesten und längsten im ganzen Land zu sein.

In den Sois 7 und 8 an der Beach Road wird erfahrungsgemäß eine Woche lang mit Wasser gespritzt. Foto: TMN.TV
In den Sois 7 und 8 an der Beach Road wird erfahrungsgemäß eine Woche lang mit Wasser gespritzt. Foto: TMN.TV

Ungeachtet der Tatsache, dass sich der Neujahrs­party-Spaß offiziell auf nur zwei Tage beschränkt, beweist die Realität jedes Jahr auf ein Neues, dass inoffiziell eine ganze Woche lang – vom 13. bis 19. April – gefeiert wird. Zumindest in den Barstraßen Soi 6, Soi 7 und Soi 8, deren berühmt-berüchtigten Wasserkriege ihrem Namen alle Ehre machen aber mit dem eigentlichen Sinn von Songkran nicht mehr viel gemein haben. Doch wo gefeiert wird, als wenn es kein Morgen gäbe, da fließt nicht nur der Alkohol in Strömen, sondern auch das Geld, weshalb der alljährliche Party-Marathon für viele Barbetreiber in den Songkran-Hotspots die eigentliche Hochsaison des Jahres ist und die Behörden „gewollt“ ein Auge zudrücken…

Wild-exzessiv oder traditionell-kulturell

Doch Songkran in Pattaya ausschließlich mit kollektivem Massenbesäufnis – inklusive allen negativen Begleiterscheinungen – und außer Kontrolle geratenen Wasserschlachten gleichzusetzen, würde „Wan Lai“ nicht gerecht werden, sondern sogar verunglimpfen. Wie bei vielen (Negativ) Klischees über Pattaya gilt auch hier: Wie man sich bettet, so liegt man. Es hängt von einem selbst ab, wie man das thailändische Neujahrsfest im Seebad gestaltet: Wild-exzessiv oder traditionell-kulturell. Denn was viele ausländische Urlauber nicht wissen oder – im Hinblick auf die „Wasserkrieger“ vom Songkran-Ballermann“ der Sois 6 bis 8 – auch gar nicht interessiert: Jedes Jahr richtet die Stadt Pattaya im Schatten des kommerziellen Ausverkaufs von Songkran ihr traditionelles Wan Lai Festival aus. Das Gros der Besucher sind Einheimische, doch auch ausländische Urlauber und Residenten sind herzlich willkommen, um an den traditionellen Riten und Gebräuchen an Songkran teilzuhaben. Voraussetzung: sie stehen früh auf!

Beim Wan Lai in Pattaya dauern die Wasserschlachten bis in die Nacht und ziehen zahlreiche Besucher an. Foto: Jahner
Beim Wan Lai in Pattaya dauern die Wasserschlachten bis in die Nacht und ziehen zahlreiche Besucher an. Foto: Jahner

In Naklua fällt „Wan Lai“, bzw. das offizielle Wasserfest, jedes Jahr auf den 18. April. Wie bereits beim traditionellen Loy-Krathong-Fest, dient auch an Songkran die öffentliche Parkanlage Lan Pho neben dem Fischmarkt im Norden der Stadt als Austragungsort für das Festival. Der Auftakt erfolgt bereits um 08.30 Uhr in der Früh mit spirituellen, buddhistischen Liedern und den Gebeten der Mönche. Anschließend nutzt die Bevölkerung die Möglichkeit, beim Almosengang von 99 Mönchen Punkte für ihr Karma-Konto zu sammeln. Für Buddhisten der beste Start ins neue Jahr. Getreu dem Tambun-Prinzip „Bewirke Gutes und Dir wird Gutes widerfahren“ füllen die Menschen die Almosenschalen der Mönche – zumeist mit abgepacktem Reis – und erhalten dafür Segen.

„Wan Lai“ heißt „Wassergießen“

Das rituelle Baden einer Buddhastatue ist fester Bestandteil von Songkran. Foto: epa/Rungroj Yongrit
Das rituelle Baden einer Buddhastatue ist fester Bestandteil von Songkran. Foto: epa/Rungroj Yongrit

Um 09.30 Uhr erfolgt das rituelle Baden einer Buddhastatue. Dabei begießen die Gläubigen das Abbild des Erleuchteten langsam und behutsam mit Duftwasser von Jasminblüten. Mit der Waschung der Buddhastatuen wollen Buddhisten aber auch ihre Herzen „reinigen“. So lässt sich ohne Ballast leichter ins neue Jahr starten. Anschließend wird älteren Menschen mit zeremoniellen Handwaschungen und kleinen Geschenken besondere Hochachtung erwiesen. Für ihre harte Arbeit im Leben und Dienste für die Gesellschaft erhalten sie kleine Ehrenabzeichen. Das rituelle Baden der Buddhastatuen und die zeremoniellen Handwaschungen zählen zu den wichtigsten Neujahrsritualen, worauf auch der Name des Festivals – „Wan Lai“ – hinweist, was sich ins Deutsche mit „Wassergießen“ übersetzen lässt.

Beim Wan Lai messen sich Bürgermeister und Polizeichef beim traditionellen Tauziehen im Wat Chaimongkol. Foto: สายตรงนายกเมืองพัทยา
Beim Wan Lai messen sich Bürgermeister und Polizeichef beim traditionellen Tauziehen im Wat Chaimongkol. Foto: สายตรงนายกเมืองพัทยา

Nachdem die traditionellen Riten und Zeremonien vollzogen sind, setzt sich um 10.00 Uhr die jährliche Songkran-Blumenparade durch Naklua in Bewegung. Der farbenprächtige Umzug startet am Lan-Pho-Park und führt über die Naklua Road bis zur T-Kreuzung mit Ampel beim Elektronikgeschäft Numchai, wo er links in die Sawangfa Road einbiegt und der Straße – vorbei am Postamt und Naklua-Markt – bis Pizza Hut folgt. Direkt vor der Franchisefiliale der bekannten Schnell­restaurantkette biegt er links in die Soi 2 der Sawangfa Road ab und folgt der Gasse bis zum Gelände der Stiftung Sawang Boribun Dhammasathan, von wo aus es zurück zum Startpunkt geht.

Songkran-Rithen und Volksfestspiele

Am 19. April erfolgt „Lan Wai“ in Pattaya. Wer an den traditionellen Riten und Zeremonien im Königlichen Wat Chaimongkol teilhaben möchte, muss auch hier früh aufstehen. Der Ablauf gleicht dem in Naklua: Um 07.30 Uhr werden zunächst Almosen-Gaben den Mönchen überreicht, gefolgt von der Ehrerbietung der Älteren mit zeremoniellen Handwaschungen und dem rituellen Baden der Buddhastatuen um 08.30 Uhr. Um 09.00 Uhr wird das „Wan Lai Festival“ in Pattaya offiziell mit einer feierlichen Zeremonie eröffnet und es geht mit traditionellen Darbietungen und Volksfestspielen, kulturellen Shows sowie viel Musik und Tanz in den vergnüglichen Teil des Neujahrsfestes über.

Songkran-Parade über die Beach Road

Die Songkran-Parade setzt sich mit der hoch verehrten Buddha-Staue in Bewegung. Foto: สายตรงนายกเมืองพัทยา
Die Songkran-Parade setzt sich mit der hoch verehrten Buddha-Staue in Bewegung. Foto: สายตรงนายกเมืองพัทยา

Um 12.00 Uhr setzt sich auch am Wat Chaimongkol eine große Songkran-Parade in Bewegung. Sie führt über die Second Road Pattaya-Klang-Ampelkreuzung, wo es nach zweimal links abbiegen über die Beach Road und Walking Street bis zum Bali-Hai-Pier geht und von dort aus zurück zum Startpunkt am Wat Chaimongkol. Autofahrer müssen beachten, dass am 19. April die Beach Road – vom Delfin-Kreisverkehr in Naklua bis zur Walking Street in Süd-Pattaya –komplett gesperrt wird.

Zehntausende Besucher feiern am 19. April Wan Lai auf der Pattaya Beach Road. Foto: TMN.TV
Zehntausende Besucher feiern am 19. April Wan Lai auf der Pattaya Beach Road. Foto: TMN.TV

Fest steht: Abseits der traditionellen Feierlichkeiten – ob am 18. April in Naklua oder am 19. April in Pattaya – werden Einheimische und Partytouristen aus aller Welt mit Wasserpistolen bewaffnet in den „Wasserkrieg“ ziehen. Urlauber und Residenten, die sich nicht an den wilden Wasserschlachten beteiligen möchten, bleiben somit nur zwei Optionen: sich ihrem (nassen) Schicksal fügen oder – zumindest an den beiden Tagen – sich ausschließlich im Hotel oder in den eigenen vier Wänden aufzuhalten. Ob als Fahrgast im Baht-Bus, als (mutiger) Mopedfahrer oder auf Schusters Rappen – an Songkran bleibt niemand tro­cken. Garantiert!


Drink & Drive

Die Polizei hat für Songkran einen Krieg gegen Trunkenheitsfahrer angekündigt. Bei Fahren unter Alkohol­einfluss drohen Geldstrafe zwischen 5.000 und 20.000 Baht sowie eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Ab 0,5 Promille drohen Fahrzeug-Beschlagnahmung (bis zu 7 Tage), Führerscheinentzug (bis zu 30 Tage) und Haft (bis zur Gerichtsverhandlung).

Verbote & Gebote

An Songkran verboten sind Hochdruck-Spritzen (s. Foto) sowie das Werfen von Eiswürfeln. Frauen sollten sich nicht zu freizügig kleiden, um sexuelle Belästigungen zu vermeiden, Puder nur in „angemessener“ Form als Neujahrsgruß eingesetzt und nur klares Wasser zum Spritzen verwendet werden.

Feiern & Musik

​Hotspot der Feierlichkeiten in Pattaya mit Livekonzerten bekannter thailändischer Künstler sind die Einkaufszentren Central Festival und Terminal 21 sowie die gesamte Pattaya Beach Road. In Bangkok verwandeln sich bekannte Straßen wie die Khao San Road oder Silom Road (im Bild) in dichte, pulsierende Festzonen.

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Michael Meier 13.04.26 06:30
@ P.Müller
Songkran war schon immer in Pattaya total irre, aber es machte mir Spaß in einem Restaurant oder Bar an der Beach Road zu sitzen , Bierchen zu trinken und den vorbeiziehenden Zug mit den nassen Schönheiten zu betrachten. Songkran hat auch Schönes zu bieten :-))
Paul Müller 13.04.26 03:10
@Jomtien Franky
Lesen hilft! Manchmal. Mein Beitrag beginnt nämlich mit "Ich persönlich". Von Wegen "alle über einen Kamm scheren". Man verzeihe mir, dass ich Ihnen offenbar etwas nahe getreten war.
Rudolf Eichmann 13.04.26 01:48
Nie wieder Pattaya im April!!
Ich war mit meiner Frau vor 2 Jahren per Zufall in dieser Zeit in Pattaya. Die Farangs kennen nichts. Wir wollten Abends nach 20 Uhr Essen gehen, es geht nicht, man wird noch um diese Zeit Nassgespritzt. Und dass schlimme ist nach einer Woche ist diese prozedur nicht fertig. Das ganze Dauert 2 Wochen!
Jomtien Franky 12.04.26 23:00
@Plante
Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen. Wer so dermassen alle über einen Kamm schert und in gewisser Weise damit ja auch beleidigt, hat soeben bewiesen, was für einen eingeschränkten Horizont er selber besitzt. Was natürlich nicht heißt, dass da nicht die eine oder andere Hohlbirne am Start ist, aber wenn man GO WITH THE FLOW praktiziert, kann man das Fest in der Tat geniessen. Ich bin gerade auf Dienstreise in Indien und bedaure meine Abwesenheit sehr...
Plante HDV 12.04.26 21:20
P.Müller 12.04.2026 16:40
Herr Müller, ich habe Sie in meinem Kommentar nicht persönlich gemeint. Ich habe von "Andere", also allgemein geschrieben. Kann es sein das Sie den Inhalt auf sich selbst bezogen haben? Warum nur?
Chris Jomtien 12.04.26 18:00
@Plante HDV
Das haben Sie sehr schön formuliert. Ich denke das auf Songkran im Grunde niemand gezwungen wird, über seinen Geschmack hinaus, in die Feierlichkeiten einbezogen zu werden.
Komischerweise gibt es unter den in Thailand wohnenden Ausländern viele, die möglichst "mitten drin", im Zentrum des Geschehens, sein möchten, aber selbst nicht nass gespritzt werden wollen.
Paul Müller 12.04.26 16:40
@Plante HDV
Also, dass ich gehemmt und ohne Lebensfreude bin, höre ich nun wirklich zum ersten mal. Aber immerhin, im Fabulieren sind Sie gut... Weiter so!
Plante HDV 12.04.26 16:10
P.Müller 12.04.26 15:30 Unerträglich
Das ist nun mal so. Nicht jeder Mensch kann seiner Lebensfreude offen Ausdruck verleihen. Andere sind ihr Leben lang kontrolliert und gehemmt und glauben irrtümlich über einen erweiterten Horizont zu verfügen. Aber kein Mensch wird gezwungen an solchen Feierlichkeiten sich zu beteiligen.
Paul Müller 12.04.26 15:30
Unerträglich...
Für mich persönlich die schlimmste "Jahreszeit" in Thailand, insbesondere in Pattaya. Ich mag schon die "Fasnacht" nicht (in DE nennt sich das "Fasching"), wo sonst gehemmte Leute mit engem Horizont einmal im Jahr die unkontrollierte Sau rauslassen. In Pattaya ist Songkran inzwischen zur Unerträglichkeit ausgeufert. Ich halte mich fern. Nein Danke...
Ingo Kerp 12.04.26 13:10
Wenn man beide Songkran-Seiten erlebt hat, die wilde Wasserschlacht in Pattaya und das traditionelle Erleben innerhalb der Familie im Isaan, tendiert man, insbesondere im fortgeschrittenen Alter, mehr zur ruhigen Variante im Isaan. Allerdings, jeder nach seiner Façon, so wie man es am liebsten mag.

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