Mücken in Bangkok

Onkel Tschaem wohnt auf dem Lande. Er ist Bauer. Eines Tages reist er nach Bangkok. Dort lebt einer seiner Enkel im Tempel am Ufer des großen Flusses. Tschaem wusste, dass es dort massenhaft Mücken gab.

Da, wo er zu Hause war, gab es kaum Mücken. Unter dem Moskitonetz zu schlafen war er nicht gewöhnt. Wie kann man von Vorhängen eingehüllt im Schlafe Luft bekommen zum Atmen? Das war die Frage, die ihn beschäftigte, als er nach Bangkok kam. Er löste sie auf seine Weise. Als es am Abend dunkel wurde, löschte er das Herdfeuer und legte sich auf die ausgerollte Matte. Denn er meinte, wenn es im Raume stockfinster war, würden ihn die Mücken nicht finden und darum auch nicht stechen.

Als er nun in der Dunkelheit in der Kammer lag, kamen lauter Glühwürmchen herein und flogen im Raume hin und her. Onkel Tschaem sah es, und ein Stossseufzer entrang sich seiner Brust:

"Ai, ihr Bangkoker Mücken, ihr seid wirklich schlau! Da habe ich nun das Feuer gelöscht, damit ihr mich nicht sehen könnt – und ihr kommt mit Lampen geflogen, um mich ausfindig zu machen. Hier bei euch halt’ ich’s nicht aus!”

Sprach’s, schnürte sein Päckchen und suchte das Weite.

übersetzt von Dr. Christian Velder
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