Die Erweckung der Prinzessin Suchat Düngsa

übersetzt von Dr. Christian Velder

Sie gaben ihnen zu essen und fragten: "Woher kommt ihr?"

"Von weit her!"

"Warum habt ihr euch nicht die Haare abgeschnitten? Kommt, wir werden sie euch scheren!"

"Warum sollen wir uns die Haare denn schneiden lassen?"

"Weil die Königstochter vom vergifteten Pfeil dahingerafft worden: sie starb an einem Schlangenbiss!"

"Wie lange ist sie schon tot?"

"Einen Monat ungefähr! Die Ärzte dieser Stadt waren dem Gift nicht gewachsen. Sie vermochten nicht, es unwirksam zu machen."

"Nein? So könnt ihr Knaben das vielleicht?"

Als Suriyakhat antwortete, ja, er könne das wohl, eilten die Diener zu ihrem Herrn und erstatteten ihm Bericht: "Zwei Brüder sind zu uns gekommen, die sich im Walde verirrt hatten. Sie sagen, sie können Tote erwecken und ihnen selbst dann noch das Leben zurückgeben, wenn sie schon einen vollen Monat tot sind.

Der Reiche fragte: "Wo sind die Knaben?"

"In unserem Haus", war die Antwort. Da liess der Reiche sie in seine Halle geleiten und fragte: "Ihr beiden! Eine Arznei wollt ihr kennen, die Menschen ins Leben zurückholt, die schon tot sind?"

Suriyakhat antwortete, er kenne solch ein Heilmittel. Da fuhr der Reiche fort zu fragen: "Und ihr habt von jenem Mittel noch bei euch, habt noch nicht alles verbraucht?"

Als er erfuhr, dass die beiden Knaben noch genügend davon besassen, freute er sich sehr, liess die Kinder baden, kleiden und speisen, und als ihre Bedürfnisse befriedigt waren, setzte er sie ein an Sohnesstatt.

Am nächsten Morgen trat der Reiche vor den König und sprach: "Oh Herr! Mein Sohn Suriyakhat kennt ein Heilkraut, das Toten das Leben zurückholt. Wenn er einem Verstorbenen von seiner Arznei einträufelt, so kehrt er wieder ins Leben zurück, und wäre er auch schon einen Monat tot!"

Der König vernahm die Kunde. Seine Miene erhellte sich, als er sprach: "Wenn dein Sohn durch seine Arznei meine Tochter wiedererwecken kann, werde ich ihm mein Reich schenken. Bitte geht und holt ihn sogleich!"

Der Reiche kehrte in sein Haus zurück. Suriyakhat musste sich schmücken. Als er fertig war, sah er so schön aus wie ein Göttersohn. Von Knaben und Mädchen aus dem Haushalt des Reichen begleitet, durchquerte er die Stadt. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich von Mund zu Mund die Kunde: "Der Sohn des Reichen, Suriyakhat, kennt ein Wunderheilmittel. Er wird der Königstochter, die schon vor einem Monat verschieden ist, seine Arznei eingeben und sie ins Leben zurückkehren lassen."

Die Bürger, die es hörten, strömten zum Palast und versammelten sich auf dem Königsplatz, um Zeugen des Wunders zu sein. Suriyakhat hatte inzwischen die Halle betreten und sich vor dem König zu Boden geworfen. Er sprach die ehrenden Worte der Begrüssung und nahm dann Platz, wo es sich ziemte. Der König richtete das Wort an ihn: "Oh Suriyakhat, was benötigst du für deine Wundertat?"

"Zunächst brauche ich Musikanten, gewandt in Spiel auf den fünf Instrumenten. Ferner soll ein Vorhang die aufgebahrte Königstochter den Augen der Zuschauer entrücken, wenn ich ihr die Arznei eingebe. Wenn ich an die Täfelung klopfe, so sei dies das Zeichen, dass die Musikanten mit ihrem Spiel beginnen sollen."

Der König führte alles nach Suriyakhats Wünschen aus. Suriyakhat trat hinter den Vorhang, nahm ein wenig Kraut in den Mund und legte es dann der Königstochter an die Lippen. Er gab das Zeichen, und die Spielleute liessen ihre Musik erklingen. Da bekam die Königstochter plötzlich wieder Luft. Als die Heiltropfen ihr in den Mund sickerten und zum zweiten Male Musik erklang, schlug sie die Augen auf. Beim dritten Mal richtete sie sich auf ihrem Lager hoch.

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